„Crash Kommunikation“ oder: „Wenn Killerphrasen den Ton angeben“ (Teil VII)

Veröffentlicht am 2. Juli 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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„Crash Kommunikation“ oder: „Wenn Killerphrasen den Ton angeben“ (Teil VII)Unsere siebenteilige Serie „Crash Kommunikation – Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen“ beschäftigt sich mit den erstaunlichen Parallelen zwischen der Fliegerei und dem Management von Unternehmen.

Kommunikationspannen, die sowohl in Unternehmen als auch im Cockpit zu großen Problemen bis gar zum Absturz oder zur Firmenpleite geführt haben, werden aufgedeckt und hinterfragt. Im letzten Teil erfahren Sie heute, warum die Führung immer für Kritik offen sein sollte und ihren Untergebenen das Gefühl vermitteln sollte, dass jede Meinung willkommen ist.

Das Crash-Beispiel: Dawson, Texas, Mai 1968

Mai 1968, Dawson Texas: Auf einem Flug zwischen Houston und Memphis stürzt eine Lockheed der Braniff Airlines ab. Mehr als 80 Tote waren die traurige Folge. Der Pilot hatte sich als einziger der Flugkapitäne im Luftraum über Texas entschieden, einen Weg durch ein schweres Gewitter zu suchen, das alle anderen umflogen. Er tat das gegen den Rat des Fluglotsen am Boden und hoffte fatalerweise, irgendwo ein Loch im Gewitterinferno zu finden.

Als die Gefahr eskalierte und der Fluglotse extreme Vorbehalte äußerte, schaltete der Kapitän auf stur. Der Kopilot formulierte lediglich ein paar kleinlaute Einwände, bis die Maschine um kurz vor fünf von einer Turbulenz auf den Rücken gedreht wurde und knapp 20 Sekunden später in der Luft zerbrach.

CRASH-WARNUNG: Wenn die Kommunikation nicht klappt, klappt bald so einiges nicht mehr. Kommen in Ihrem Unternehmen Mitarbeiter zu Wort? Werden Ihre Hinweise ernst genommen?

Ein Unternehmensbeispiel: Grundig – der Niedergang einer Traditionsmarke

„Wofür können Sie denn schon Verantwortung tragen? Vielleicht für Ihr Einfamilienhaus, aber nicht für den Konzern. Der gehört doch mir.“ Das ist nur eines von zahlreichen Zitaten von Max Grundig, Gründer des einst größten Herstellers von Rundfunkgeräten in Europa, die seinen herrischen Charakter nur allzu deutlich widerspiegeln.

Diese Überheblichkeit ist ihm irgendwann aber wohl vergangen: Nach vielen überaus erfolgreichen Jahren überschwemmten plötzlich günstige Produkte aus Japan den Markt – der Niedergang des Grundig-Imperiums begann. Nach einer gescheiterten Fusion mit Philips musste Grundig 2003 Insolvenz anmelden. Heute werden unter dem Namen „Grundig“ in der Türkei Flachbildfernseher produziert.

Die Billigkonkurrenz aus Fernost war mit Sicherheit ein wichtiger Grund, doch wenn die in der Presse kolportierten Zitate stimmen, war der selbstherrliche Kommunikationsstil des Gründers zumindest mit eine Ursache dafür, dass das Unternehmen wie ein unbeweglicher Tanker unaufhaltsam auf die Pleite zutrieb.

Wie viele Ideen, wie viel Engagement kann man noch von Vorständen erwarten, denen man die Kompetenz abspricht und den Mund verbietet? Wie viel Mumm müssen Mitarbeiter haben, dass sie in einem solchen Klima den Mund aufmachen, um vor Gefahren zu warnen und Verbesserungsvorschläge einzubringen? Wie viel Widerspruch kann ein Vorgesetzter erwarten, wenn er sich in wichtigen Unternehmensfragen eindeutig verrannt und den Kompass verloren hat?

Wenn in einem Unternehmen sachliche Diskussionen im Keim erstickt, wenn Einwände und Bedenken abgewürgt, neue Ideen ausgebremst und Mitarbeiter mundtot gemacht werden, kann das im schlimmsten Fall tödlich enden.

ANTI-CRASH-FORMEL: Führen Sie gezielt Routinen und Spielregeln ein, die verhindern, dass Mitarbeitereinschätzungen und –warnungen voreilig abgebügelt werden oder untergehen.

Weitere Artikel der Reihe “Crash-Kommunikation”:

„Vergessen, die Landeklappen auszufahren oder: Wenn der Stress die Regie übernimmt“. (Teil I)
„Wer kritisiert schon den Kapitän oder: Wenn der Chef das Problem ist“. (Teil II)
„Landen bei schlechtem Wetter“ oder: „Wenn man auf sein Ziel fixiert ist“ (Teil III)
„Maschine unbemerkt im Sinkflug oder: Wenn man Wesentliches aus den Augen verliert“ (Teil IV)
„Ich dachte, Sie fliegen“ oder: „Wenn Zuständigkeiten verschwimmen“ (Teil V)
„Blame Culture“ oder: „Warum Fehler vertuscht werden“ (Teil VI)

(Bild: © El Gaucho - fotolia.de)