Gesprächsführung: Achten Sie auf die positive & negative Wirkung Ihrer Worte!

Veröffentlicht am 21. Juni 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen:

© matamu - Fotolia.deWorte spiegeln unser Denken wider; zugleich beeinflussen sie unser Denken. Deshalb sollten wir unsere Worte gezielt wählen – unter anderem, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Was haben der US-Präsident Obama und die Comicfigur Bob der Baumeister gemeinsam? Beide wissen um die motivierende Kraft der Worte. So kennt fast jedes Kind Bobs Ausruf „Yo, wir schaffen das!“. Und wir Erwachsene? Wir kennen fast alle Obamas ehemaligen Wahlslogan „Yes we can!“. Obama versetzte damit Millionen US-Bürger in eine Auf- und Umbruchstimmung und motivierte sie, ihn als Präsidenten zu wählen. Und die Comicfigur Bob? Sie vermittelt mit der Aussage „Wir schaffen das“ Kindern die Zuversicht, auch schwierige Aufgaben gelassen anzugehen.

Doch leider strahlt nicht jeder Mensch eine so motivierende und inspirierende Zuversicht aus. Immer wieder begegnen wir „Miesepetern“ und „Schwarzsehern“, die uns mit ihren Worten regelrecht „runterziehen“ – oft ohne, dass wir dies unmittelbar merken. Sei es beruflich oder privat. Achten Sie einmal in Gesprächen mit Freunden und Verwandten, Kollegen und Vorgesetzten darauf, welche Worte und Formulierungen diese gebrauchen. Dann merken Sie schnell: Manche Menschen saugen ihren Gesprächspartnern mit ihren Worten regelrecht die Kraft und Zuversicht aus den Knochen und andere bauen diese auf.

Ob eine Person eher zu den Schwarzsehern und Bedenkenträgern zählt oder zu den Menschen, die mit Zuversicht durchs Leben gehen, hängt weitgehend von ihrem Selbst- und Weltbild ab. So gibt es zum Beispiel notorische „Negativdenker“, die stets nur die Schwierigkeiten sehen. Und permanent sehen sie irgendwelche Katastrophen am Horizont. Ihnen fällt immer zuerst ein, warum etwas schlecht ist oder nicht geht. Anders ist dies bei den „Möglichkeitsdenkern“. Sie denken in schwierigen Situationen: „Irgendwie schaffe ich das schon – selbst wenn ich noch nicht weiß wie“. Das heißt: Sie haben statt der Probleme die mögliche Lösung im Visier. Und außer den Risiken sehen sie auch die Chancen. Solche Personen können andere Menschen motivieren und inspirieren. Sie sind eine echte Kraftquelle.

Worte beeinflussen unser Denken

Zu welcher Kategorie Mensch gehören Sie – eher zu den Negativ- oder den Möglichkeitsdenkern? Angenommen Sie haben etwas falsch gemacht. Denken Sie dann: „Verflucht, jetzt habe ich schon wieder versagt. Ich kriege nichts auf die Reihe.“? Oder denken Sie: „Mist, das ging daneben. Doch beim nächsten Mal mache ich es besser.“? Diese beiden Denkweisen führen zu zwei völlig unterschiedlichen Arten, mit Schwierigkeiten umzugehen. Ein Negativdenker sieht in einem Fehler eine Bestätigung, beispielsweise für sein Unvermögen. Ein Möglichkeitsdenker hingegen hakt den Fehlversuch als Lernerfahrung ab und zieht daraus den Schluss: Beim nächsten Mal mache ich die Sache eben anders.

Negativdenker erkennt man oft erst auf den zweiten Blick. Denn eigentlich klingen ihre Aussagen positiv – zum Beispiel, weil sie auf Seminaren gelernt haben: Man sollte andere Menschen auch mal loben. Doch leider sind ihre Aussagen gespickt mit den beiden Worten „nicht“ und „kein“. Deshalb erzeugen sie beim Gegenüber oft just die gegenteilige als die beabsichtigte Wirkung. Denn das menschliche Gehirn kann diese beiden Worte sozusagen nicht verarbeiten. Stellen Sie sich einmal kein saftiges Steak vor. Vermutlich taucht gerade das Bild eines saftigen Steaks mit leckeren Beilagen vor Ihrem geistigen Auge auf. Oder denken Sie einmal nicht an einen cremigen Kaffee. Vermutlich können Sie ihn förmlich riechen. Streichen Sie die Worte „nicht“ und „kein“ möglichst aus Ihrem Vokabular – zumindest wenn Sie sich und andere motivieren möchten.

Dass die sprachliche Verpackung bedeutsam für die Wirkung von Aussagen ist, beweisen sogar medizinische Studien. Sie belegen: Wie wirksam beispielweise ein im Rahmen einer Schmerztherapie genutztes Medikament ist, hängt stark davon ab, mit welchen Worten der Arzt es dem Patienten verabreicht. Sagt er „Versuchen wir halt mal dieses Medikament – vielleicht hilft es ja“, dann ist Wirkung niedrig. Sagt er hingegen „ Mit diesem Medikament haben schon viele Patienten positive Erfahrungen gemacht. Das verschafft ihnen sicher Linderung“, dann betonen viele Patienten: Es wirkt!

Sie haben die Wahl

Das heißt: Sie können mit Ihren Worten Ihre Motivation und Zuversicht sowie die anderer Menschen positiv beeinflussen – und somit auch die Erfolgsaussicht. Versuchen Sie mal, beim Sprechen negative Formulierungen durch positive zu ersetzen. Es wirkt zum Beispiel ganz anders, wenn ein Verkäufer statt „Unser Laden ist nicht vor 10 Uhr geöffnet“ zu einem Kunden sagt: „Wir sind ab 10 Uhr für Sie da.“ Ebenso verhält es sich in Mitarbeitergesprächen. Eine Führungskraft kann einen Mitarbeiter mit einer Aussage demotivieren wie „Sie haben Ihre Ziele nicht erreicht“. Sie kann ihn aber auch mit einer Aussage motivieren wie: „Sie haben schon 80 Prozent Ihrer Zielvorgabe erreicht. Lassen Sie uns überlegen, wie Sie auch die restlichen 20 Prozent noch schaffen.“

Nachfolgend einige Tipps, welche Worte Sie häufiger, beziehungsweise seltener verwenden sollten, weil sie entweder Energiespender oder -killer sind.

„Ja, aber…“ – raubt Energie

Das Wort „aber“ ist ein häufig genutzter Energiekiller. Sehr oft sagen Menschen beispielsweise „Mir geht es gut, aber…“. Oder: „Das möchte ich machen, aber…“ Ein typisches Beispiel hierfür ist die „Aber-Nachbarin“, zu der Sie beispielsweise sagen: „Hallo, heute ist ein schöner Tag. Gehen wir in den Park?“. Sie erwidert: „Ja, aber der Wetterbericht hat einen Regenschauer vorhergesagt.“ Oder Sie sagen: „Dein Sohn ist entzückend.“ Sie antwortet: „Ja, aber du hast keine Ahnung, wie schlimm er zu Hause ist.“ Ständig klagt sie über etwas: über ihre schlechten Erfahrungen mit Handwerkern, über ihre Arbeit, über das Wetter. Die ganze Welt scheint sich gegen sie verschworen zu haben – zumindest aus deren Sicht.

Wenn Sie die Tendenz zum „Aber-Menschen“ haben, versuchen Sie mal, Ihre Sätze ohne das Wörtchen „aber“ zu formulieren. Denn das, was wir im „Aber-Nebensatz“ hinzufügen, löscht das Positive, das wir zuvor sagten, sozusagen aus.

„Noch…“ – schafft Energie

Oft treffen wir im Alltag absolute Aussagen. Wir sagen zum Beispiel: „Ich kann das nicht.“ Oder: „Ich weiß nicht, wie das geht.“ Fügen Sie in diese Sätze doch einfach mal das Wort „noch“ ein. Die zwei Sätze „Ich kann das noch nicht“ oder „Ich weiß das noch nicht“ klingen und wirken viel positiver. Das Wort „noch“ impliziert, dass Sie etwas können oder wissen werden. Es braucht nur noch etwas Zeit oder zusätzliches Know-how. Es ist immer wieder verblüffend, wie anders ein Satz wirkt, wenn man in ihn das Wort „noch“ integriert. Dann steigt automatisch die Zuversicht und Motivation, etwas zu tun oder auszuprobieren.

„Müssen…“ – macht uns klein

„Ich muss heute pünktlich von der Arbeit weg, weil ich noch die Kinder zur Oma bringen muss. Danach muss ich mein Kleid aus der Reinigung holen, weil ich am Abend…“. Das Wort „müssen“ ist ein ganz heimtückischer Vertreter der Gattung demotivierende Worte. Denn permanent etwas zu müssen, erzeugt Druck. Zudem ruft das Wort „müssen“ oft eine Trotzreaktion hervor: „Ich muss gar nichts, außer sterben.“

Sagen Sie stattdessen ab jetzt „Ich will…“ oder „Ich möchte…“ oder „Ich werde…“. Sie werden sofort merken, dass Sie sich weniger fremdbestimmt fühlen. Dasselbe gilt, wenn Sie Menschen anleiten – zum Beispiel als Führungskraft oder Trainer. Es macht einen kleinen, aber feinen Unterschied, ob Sie beispielsweise zu Ihrem Team sagen „Wir müssen mit den neuen Rahmenbedingungen leben“ oder „Wir machen aus den neuen Rahmenbedingungen das Beste“. Bei der ersten Aussage ist das Team ein fremdbestimmtes Objekt, bei der zweiten ein handelndes Subjekt – deshalb geht es auch selbstbewusster und motivierter ans Werk.

(Bild: © matamu - Fotolia.de)