7 Faktoren der Resilienz: Das macht erfolgreiche Manager aus!

Veröffentlicht am 14. Juni 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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Resilienz - psychologische WiderstandsfähigkeitDer Begriff Resilienz wird auch in Deutschland immer bekannter. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder von den „7 Säulen der Resilienz“ gesprochen. Leider werden die von Reivich und Shatté definierten Faktoren gerade in der deutschen populär-wissenschaftlichen Literatur immer wieder falsch wiedergegeben. Dieser Artikel zeigt auf, welche Faktoren einen resilienten Menschen wirklich ausmachen und dass ein hoher Wert auf einem Faktor nicht immer förderlich sein muss.

von Dr. Denis Mourlane

Resilienz beschreibt die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Fähigkeit, mit Druck, mit Veränderungen, Ungewissheit und Rückschlägen im Leben umzugehen. Es handelt sich somit um eine mentale Fähigkeit, die umgangssprachlich mit psychologischer Widerstandsfähigkeit übersetzt werden kann. Bittet man Menschen, die diesen Begriff zum ersten mal hören, einen Menschen, den sie gut kennen und der aus ihrer Sicht über eine sehr hohe Resilienz verfügt, zu beschreiben, erhält man in der Regel immer ähnliche Antworten. Sie werden als selbstbewusst, gelassen, humorvoll, menschlich, zuversichtlich, zielorientiert, intelligent und selbstreflektiert beschreiben. Irgendwie scheint bei ihnen alles zu stimmen. Entsprechend zeigt sich eine hohe Resilienz also nicht nur in herausfordernden Situationen, sondern auch im „normalen“ Leben.

Die US-Forscher Dr. Karen Reivich und Dr. Andrew Shatté von der University of Pennsylvania haben in ihrem Buch „The resilience factor“ zum ersten Mal sieben entscheidende Faktoren beschrieben, die einen hoch-resilienten Menschen ausmachen. Auch wenn die Bezeichnungen dieser Faktoren nicht immer identisch sind, kann man diese sieben Faktoren in der Mehrzahl der wissenschaftlichen Publikationen wieder finden. Diese sieben Faktoren stellen nichts anderes dar, als die im eben genannten Beispiel geschilderten Persönlichkeits-beschreibungen von hoch-resilienten Menschen. In wissenschaftlicher Sprache ausgedrückt sind die sieben Faktoren:

  1. Emotionssteuerung
  2. Impulskontrolle
  3. Kausalanalyse
  4. Selbstwirksamkeitsüberzeugung
  5. Empathie
  6. Realistischer Optimismus
  7. Zielorientierung/Reaching-Out

Was verbirgt sich nun genau hinter diesen einzelnen Faktoren?

Faktor 1: Emotionssteuerung

Wenn sich ein Call-Center-Mitarbeiter wegen eines unhöflichen Anrufers ärgert und nicht zurück schreit, steuert er seine Emotionen. Wenn eine Flugbegleiterin trotz großer privater Probleme zur Arbeit geht und die Kunden anlächelt, steuert sie ihre Emotionen. Wenn eine Führungskraft mit dem anstehenden Veränderungsprojekt nicht einverstanden ist und trotzdem versucht, seine Mitarbeiter dazu zu motivieren, steuert sie ihre Emotionen.

Emotionssteuerung beschreibt also die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben. Resiliente Menschen nehmen ihre Gefühle bewusster wahr als andere Menschen, erkennen diese und können sie durch unterschiedliche Verhaltensweisen und Techniken steuern. Meist geschieht das unbewusst. Sie können dies auch, wenn sie sehr große persönliche Herausforderungen zu bewältigen haben oder schwere Rückschläge erleben. Ihre Leistungsfähigkeit wird entsprechend nur wenig durch ihre Emotionen beeinträchtigt.

Faktor 2: Impulskontrolle

Der Kopfstoß von Zidane gegen Materazzi im Finale der Fußball-WM 2006 ist eines der eindrucksvollsten Beispiele für verlorene Impulskontrolle und die negativen Konsequenzen, die dies nach sich ziehen kann. Es hat ihn und seine Mannschaft weniger erfolgreich gemacht. Impulskontrolle beschreibt also die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten in Drucksituationen zu steuern. Darüber hinaus beschreibt dieser Faktor die Fähigkeit, sich in unseren immer komplexer werdenden Arbeitsumfeldern über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe zu konzentrieren und nicht permanent, z.B. von eingehenden E-Mails, ablenken zu lassen. Menschen mit hoher Impulskontrolle haben eine klare Strategie, um Ziele zu erreichen, planen im Voraus, folgen nicht gleich ihren ersten Impulsen und geben in der Regel seltener auf, wenn etwas nicht gut läuft. Sie bringen Dinge zu Ende und erleben darüber eine große Zufriedenheit. Sie sind also, auch wenn kaum jemand diesen Begriff mag, vor allem diszipliniert.

Faktor 3: Kausalanalyse

Kausalanalyse beschreibt die Bereitschaft, ein Problem zeitlich und inhaltlich, gründlich und treffend zu analysieren. Diese Fähigkeit hilft Menschen dabei, den selben Fehler nicht wieder und wieder zu machen und nicht zu früh aufzugeben. Also ihre Ressourcen zu verschwenden. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn Menschen auf der Basis dieser Analyse die Gründe für Erfolge und Misserfolge treffend einschätzen können. Wenn sich ein Mensch zum Beispiel aufgrund eines für ihn spezifischen "Denkstils" immer die Schuld für einen Rückschlag gibt und gleichzeitig Erfolge immer auf den Zufall zurückführt, wird dies zu wenig Motivation und zu wenig positiven Gefühlen führen.

Faktor 4: Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit beschreibt unseren Wunsch, Herausforderungen anzunehmen, und unsere Überzeugung, dass wir durch unser eigenes Handeln Dinge verändern können. Menschen mit hohen Werten auf diesem Faktor erwarten, dass sie Dinge gut machen werden und engagieren sich entsprechend intensiv, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Sie bevorzugen statt Routinetätigkeiten Aufgaben, die eine Herausforderung für sie darstellen, auch wenn dies vielleicht erst einmal mit einer erhöhten Anspannung verbunden ist.

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