„Ich dachte, Sie fliegen“ oder: „Wenn Zuständigkeiten verschwimmen“ (Teil V)

Veröffentlicht am 16. Mai 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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„Ich dachte, Sie fliegen oder: Wenn Zuständigkeiten verschwimmen“ (Teil V)Unsere siebenteilige Serie „Crash Kommunikation – Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen“ beschäftigt sich mit den erstaunlichen Parallelen zwischen der Fliegerei und dem Management von Unternehmen.

Je einem verhängnisvollen Flugzeugcrash wird eine auf ihre Art ebenso gravierende Firmenpleite gegenübergestellt und Kommunikationspannen werden aufgedeckt. In Teil V geht es darum, dass ungeklärte Zuständigkeiten - im Cockpit wie im Unternehmen - zu Auseinandersetzungen führen, die schwere Krisen verursachen können.

Ein Irrflug-Beispiel: Minneapolis, Oktober 2009

„240 Kilometer zu weit geflogen“ meldete die Süddeutsche im Oktober 2009. Etwas Ungeheuerliches war geschehen. Auf dem Flug von San Diego nach Minneapolis düste ein amerikanischer Airbus 320 glatt am Zielflughafen vorbei.

„Eingeschlafen? Piloten verpassen Flughafen“ schrieb der Kölner Stadtanzeiger. 147 Passagiere erhielten fast 500 unfreiwillige Freikilometer an Bord, weil die Piloten eine erregte Diskussion über die Richtlinien ihrer Fluggesellschaft geführt hatten. Und da sie fast eineinhalb Stunden auch nicht mehr auf Funksprüche reagierten, ließ die US-Luftwaffe Kampfflugzeuge aufsteigen, weil man mit einer Entführung rechnete.

Erst als eine Flugbegleiterin nach dem Grund für die erhebliche Verspätung fragte, ging den beiden pflichtvergessenen Piloten ein Licht auf. Zum Lachen? Vielleicht – aber nur weil nichts passiert ist und die Tanks ausreichend gefüllt waren.

Aber wie ist es in Ihrem Unternehmen? Arbeitet jeder produktiv nach vorne? Oder gibt es nicht vielleicht auch Diskussionen zu unklaren Zuständigkeiten, durch die die eigentliche Arbeit liegenbleibt? Egal wie groß oder klein ein Unternehmen ist: Die Kommunikationscrashs sind immer die gleichen.

CRASH-WARNUNG: Sind Zuständigkeiten in zentralen Fragen unklar oder geraten sie über Auseinandersetzungen in Vergessenheit, besteht Absturzgefahr!

Führungskapriolen bei Airbus – Doppelspitze mit Strömungsabriss

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS leistete sich 2006 eine originelle Managementstruktur: Der Konzern gönnte sich den Luxus zweier Verwaltungsratsvorsitzender, einem Deutschen und einem Franzosen. Und als sei das nicht kompliziert genug, installierten die beiden Regierungen auch gleich noch zwei Vorstandsvorsitzende.

Als es zu Lieferschwierigkeiten für das neue Großflugzeug A380 kam, schoben sich die Airbus-Chefs abwechselnd die Verantwortung zu. Obwohl sich die Katastrophenmeldungen häuften und Kunden mit der Stornierung ihrer Aufträge drohten, schien man im Management lieber schwarzer Peter zu spielen, als den Schaden zu begrenzen.

Nachdem Präsident Jacques Chirac im Fernsehen öffentlich über Sinn und Unsinn der Doppelspitze nachgedacht hatte, dauerte es noch sechs Tage, und beide Airbus-Chefs mussten zurücktreten. Erst ein Jahr später verabschiedete EADS sich dann endgültig von der Doppelspitze. Ein Franzose wurde alleiniger CEO und bekam einen deutschen Verwaltungsratschef zur Seite gestellt.

Übrigens: EADS- Nordamerika-Chef Sean O'Keefe überlebte in dieser Woche einen Flugzeugabsturz im US-Bundesstaat Alaska.

ANTI-CRASH-FORMEL: Damit es nicht zum Crash kommt, muss jeder seinen Job erfüllen. Grabenkriege im (Unternehmens-)Cockpit sind gefährlich, weil sie von eigentlichen Aufgaben ablenken.

Weitere Artikel der Reihe “Crash-Kommunikation”:

„Vergessen, die Landeklappen auszufahren oder: Wenn der Stress die Regie übernimmt“. (Teil I)
„Wer kritisiert schon den Kapitän oder: Wenn der Chef das Problem ist“. (Teil II)
„Landen bei schlechtem Wetter“ oder: „Wenn man auf sein Ziel fixiert ist“ (Teil III)
„Maschine unbemerkt im Sinkflug oder: Wenn man Wesentliches aus den Augen verliert“ (Teil IV)
„Blame Culture“ oder: „Warum Fehler vertuscht werden“ (Teil VI)
„Crash Kommunikation“ oder: „Wenn Killerphrasen den Ton angeben“ (Teil VII)

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