Körpersprache richtig deuten: So beugen Sie als Chef Konflikten vor!

Veröffentlicht am 12. April 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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Konflikte bewältigenMeist trainieren Führungskräfte ihre Körpersprache, um ihre Wirkung in öffentlichen Auftritten, Verhandlungen und Präsentationen zu optimieren. Welche Effekte die Körpersprache-Kompetenz auch hinsichtlich der Führungskommunikation und bei Konflikten hat, vermittelt Coach Silke Fritzsche, Expertin für Körpersprache.

Den Abteilungsleiter einer Bank trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Während eines Meetings brüllt der sonst ruhigste Mitarbeiter urplötzlich los und verlässt den Raum – Türe knallend. Eine Mitarbeiterin bricht in Tränen aus, die anderen hüllen sich in betretenes Schweigen. Die Führungskraft versteht die Welt nicht mehr, schließlich geht es nur darum, den Termin für die nächste Telefonkonferenz um eine Stunde vorzuverlegen. Aber genau das ist nicht der Grund. Denn der Konflikt hat andere Ursachen, eine längere Geschichte und genügend Zeit, in Ruhe zu wachsen. Warum? Aus Unkenntnis des Führungsinstruments Körpersprache hat der Chef alle nonverbalen Warnsignale übersehen. Kein Einzelfall.

Mit etwas Wissen über nonverbale Kommunikation hätte der Chef die körpersprachlichen Konfliktsignale, die seine Mitarbeiter sendeten, schon vor dem großen Knall deuten können. Denn in Mimik, Gestik, Körperhaltung und Tonfall war bereits vor Beginn des Meetings die Hölle los: Die Mitarbeiter schauten stumm vor sich hin oder starrten Löcher in die Luft und zeigten den Tischnachbarn die kalte Schulter. Zwei Teilnehmer setzten sich so, dass zwei Stühle zwischen ihnen frei blieben. Mit den Armen wurden auf dem Tisch Barrikaden errichtet und sinnfrei zum zigsten Male die Unterlagen geordnet, eine Kollegin seufzte mehrfach. Solche und tausend andere nonverbale Hinweise sind typische Konfliktsignale, bei denen nur eines gilt: Hinschauen! Nachfragen! Handeln!

Doch nach wie vor fällt es vielen Führungskräften schwer, die Signale, die ihre Mitarbeiter ihnen senden, überhaupt richtig zu „lesen“. Weil sie nur auf das hören, was ihnen in Worten serviert wird und der Körpersprachecode meist unbekannt ist, reagieren die Vorgesetzten viel zu spät auf brodelnde Konflikte innerhalb des Teams. Die Folgen: plötzliche Ausfälle von Mitarbeitern, eine hohe Fluktuation, eine schlechte Arbeitsatmosphäre und sinkende Produktivität.

Machtvolles Führungsinstrument

Die Körpersprache ist die schnellste und die ehrlichste Sprache. Missstimmungen werden lange bevor sie artikuliert werden, per körpersprachlicher Signale thematisiert. Vorgesetzten erleichtert es daher ihre Führungsarbeit, wenn sie die Körpersprache ihrer Mitarbeiter besser lesen und zu deuten verstehen. Die Körpersprache entfaltet zudem etwa zwei Drittel der Kommunikationswirkung und ist ein machtvolles Führungsinstrument. Das gilt umso mehr, wenn eine Führungskraft in der Lage ist, die Deutung der Körpersignale ihrer Mitarbeiter für eine wertschätzende, persönlichkeitsorientierte Kommunikation zu nutzen.

Führungskräfte können ihr tagtägliches Kommunikationsverhalten übrigens selbst sehr einfach hinterfragen. Je besser sie kommunizieren, desto weniger Zeit benötigen sie nämlich. Ein Vorgesetzter, der in Gesprächen einen Redeanteil von über 50 Prozent hat und seinen Fokus vor allem auf das gesprochene Wort richtet, sollte künftig mehr und besser zuhören sowie auf die Körpersprache seines Gegenübers, aber auch auf die eigene (!) achten. Das spart enorm viel Zeit, da sie diese nicht in wiederkehrende Konflikte und Mitarbeitergespräche investieren müssen.

Im Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter oder innerhalb des Teams passt es selten zu hundert Prozent. Woran lassen sich körpersprachliche Konfliktsignale zum Beispiel erkennen?

1. Mimik

Der so genannte gute Blickkontakt ist gestört. Blicke werden vermieden. Es wird kaum gelächelt. Die Mundpartie wirkt zusammengekniffen.

2. Abstand

Gut zu beobachten, wenn ein Team sich vor einem offiziellen Auftakt einer Veranstaltung befindet. Stehen Mitarbeiter am Rand? Wem wird die kalte Schulter gezeigt? Wer steht alleine oder im Zentrum des Teams?

3. Gestik

Die aktive Sprache der Hände ist reduziert, besonders die linke Hand wird gern in die Tasche gesteckt (links = emotionale Körperseite) oder die Hände kleben am Körper (Kontrollhaltung).

4. Körperhaltung

Eine zurückgenommene, passive Sitzhaltung. Der Oberkörperschwerpunkt liegt hinten. Dies signalisiert: „Ich lasse mich berieseln. Hier bringe ich mich nicht aktiv ein!“

5. Tonfall

Häufigere Signale wie etwa unterdrücktes Seufzen und Stöhnen. Die Stimmmelodie im Team verändert sich und geht in die Gegensätze. Die einen werden lauter, die anderen verstummen.

Gerade für Führungskräfte ist es ratsam, aufmerksam auf solche körpersprachlichen Signale ihrer Mitarbeiter zu achten. Das hierarchische Gefüge in Unternehmen behindert häufig das direkte Feedback. Wenn Unstimmigkeiten angesprochen werden, ist davon auszugehen, dass bereits eine längere Konfliktvita für das Problem zugrunde liegt. Wie heißt es in einem geflügelten Satz: „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte!“ Körpersprachewissen ist daher die einfachste Form der Konfliktprophylaxe.

(Bild: © dedMazay - Fotolia.de)