Zwischen Kontrolle und Loslassen: Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern!

Veröffentlicht am 22. März 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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Eigenständiges Handeln von Mitarbeitern fürchtet FührungskräfteIngo V. hat innerhalb von 10 Jahren ein erfolgreiches IT-Unternehmen mit 12 Mitarbeitern aufgebaut. Dennoch ist er unzufrieden mit seinem Team: „Sie machen nur Dienst nach Vorschrift; das Unternehmen ist ihnen völlig egal. Weder mit Druck noch mit Incentives komme ich weiter. Außerdem verliere ich ständig gute Leute an die Konkurrenz.“

Spricht man mit seinen Mitarbeitern, so erzählt eine der besten Programmiererinnen exemplarisch für viele Kollegen: „Er schaut mir ständig über die Schulter und redet mir ins Zeug. Er traut mir nicht zu, dass ich die Aufgaben selbstständig und im Kundeninteresse lösen kann. Eigene Ideen kann ich kaum verwirklichen, weil der Chef immer alles besser weiß. Das macht keinen Spaß. Ich bin ziemlich fit in meinem Job, das weiß ich genau. Aber wenn der Chef mir nicht vertraut, mag ich nicht länger für ihn arbeiten.“

Warum ist ein erfolgreicher Unternehmer oft ein „Kontrollfreak“?

Weil er das Unternehmen selbst aufgebaut hat. Weil er seine ganze Energie und sein Kapital hineingesteckt hat. Weil er das volle Risiko trägt. Weil sein ganzes Herz daran hängt. Weil er gewohnt ist, allein zu entscheiden. Doch je erfolgreicher er ist, je schneller das Unternehmen wächst, desto mehr ist er auf die Arbeitskraft und Unterstützung anderer angewiesen. Wer gut in seinem Fachgebiet ist, ist noch lange keine gute Führungskraft. Wer gewohnt ist, alles selbst in die Hand zu nehmen, hat oft Probleme loszulassen.

Viele Unternehmer betreiben einen hohen Kontrollaufwand, weil sie glauben, nur so das Heft in der Hand behalten zu können. Sie bedenken dabei nicht, dass der moderne Arbeitnehmer nach Selbstverwirklichung strebt. Sie erkennen nicht, dass sie selbst der Auslöser für die mangelnde Motivation ihrer Mitarbeiter sind. Es ist gar nicht so schwierig, das Ruder herumzureißen und das eigene Führungsverhalten zu verbessern.

4 Schritte zur Änderung des Führungsverhaltens

  1. Sich die eigenen Verhaltensweisen und deren Wirkung auf die Mitarbeiter bewusst machen. Der AHA-Effekt ist oftmals so groß, dass eine Umstellung anschließend sehr schnell erfolgen kann.
  2. Sich wirksame Führungstechniken aneignen, wie man mit weniger Kontrolle effektiv führen kann. Regelmäßige Mitarbeitergespräche mit klaren Zielvorgaben sind die Grundlage dafür. Die hohe Kunst, Aufgaben situativ zu delegieren, erfordert Übung, ist aber dauerhaft von großem Nutzen.
  3. Diese Techniken konsequent einsetzen und durch eine geschulte Eigenwahrnehmung die Auswirkungen beobachten. Manche Menschen brauchen in dieser Phase einen Coach, der sie dabei unterstützt.
  4. Beobachten Sie sich selbst und die Reaktionen der Mitarbeiter aufmerksam! Bleiben Sie geduldig und freuen Sie sich auch über Teilerfolge! Mitarbeiterführung ist eine komplexe Aufgabe, bei der Sie nie auslernen werden.

In der Regel sind bei der Motivation und damit auch bei den Leistungen der Mitarbeiter riesige Sprünge zu beobachten, sobald sie merken, dass ihnen Vertrauen geschenkt wird. Ingo V. hat es ausprobiert und war erstaunt: „Sie sind viel besser, als ich je für möglich gehalten habe. Ich merke, dass sie jetzt stärker hinter mir stehen.“ Klar, ganz ohne Kontrolle geht es nicht. Jeden Führungskraft muss den goldenen Mittelweg zwischen Loslassen und Kontrolle ausüben für sich selbst finden.

(Bild: © Yuri Schipakin - Fotolia.de)