Familienfreundliche Personalpolitik: Fachkräftesicherung oder Employer Branding?

Veröffentlicht am 16. Januar 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: , ,

Familienfreundliche UnternehmenZukünftig werden sich Unternehmen anstrengen müssen, für Bewerber und Mitarbeiter attraktiv zu sein. Denn bald werden sich nicht mehr die Fachkräfte bei den Unternehmen bewerben, sondern die Unternehmen um die Gunst der Fachkräfte werben. Generell gewinnt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben dabei an Bedeutung. Laut einer Studie von Johnson Controls (Johnsons Controls 2010) über junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren sind die zukünftigen Berufstätigen sehr gut qualifiziert, innovativ und haben eine hohe Leistungsbereitschaft, aber sie fühlen sich kaum noch loyal an ein Unternehmen gebunden. Sie sind eigennütziger und mehr denn je an Benefits interessiert.

Um Bewerber von sich zu überzeugen, müssen Unternehmen heute also mehr bieten als ein hohes Gehalt. Gute Karriereaussichten, Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance sind heutzutage bei der Jobwahl mindestens genauso wichtig. Wer diese Interessen ignoriert, verzichtet freiwillig auf die besten Kräfte!

Wie baue ich für mein Unternehmen eine eigene Arbeitgebermarke und ein Employer Branding auf und warum?

Warum? Weil sich familienbewusste Unternehmen in allen relevanten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eindeutig besser darstellen. So weisen sie eine um 17 Prozent höhere Mitarbeiterproduktivität auf. Dieser Mehrwert lässt sich unter anderem zurückführen auf eine um 17 Prozent höhere Motivation der Beschäftigten, 13 Prozent geringere Fehlzeiten und eine um 17 Prozent höhere Bindung von Fachkräften. Damit gelingt es familienbewussten Unternehmen auch, ihre Kunden langfristiger an sich zu binden (12 Prozent).

Unternehmen sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, weil sie sich damit einen Vorteil auf dem immer enger werdenden Personalmarkt verschaffen. In einigen Regionen (z.B. Großräume München und Stuttgart) und Berufen (u.a. Ingenieure, IT-Fachleute) werden die Fachkräfte schon heute knapp. Und der Trend ist eindeutig: Schon ab 2016 wird das Erwerbspersonenpotential in Deutschland insgesamt sinken.

  • Weil die Unternehmen damit zur Gesunderhaltung Ihrer Mitarbeiter beitragen. Der ständige Spagat zwischen Beruf und Familie verursacht Stress: Erleichtern die Arbeitgeber die Vereinbarkeit, sinken Stress und stressbedingte Erkrankungen.
  • Weil die Mitarbeiter motivierter und engagierter sein werden. Denn sie haben den Kopf frei.

Familienfreundlichkeit hängt weder von der Größe noch der Branche ab

Auch kleine und mittelständische Unternehmen können ihre Firma zukunftsfähig machen und hierbei auf bewährte Instrumente zurückgreifen, die helfen, ein Unternehmen familienfreundlicher zu gestalten. Dies ist für KMU genauso umsetzbar, wie für die Großen. Ein grundsätzliches Verständnis für familiäre Anforderungen und ein notwendiges Maß an Flexibilität sind kleine, aber wichtige Schritte auf dem Weg, Fachkräfte zu sichern und zu gewinnen. Die Unterstützung der Mitarbeiter konzentriert sich im Wesentlichen auf wenige Bereiche, doch hier lässt sich viel Druck von den Arbeitnehmern nehmen, damit diese den Kopf frei haben für neue Ideen und für ihr Unternehmen.

Familienfreundliche Personalpolitik beinhaltet:

  • eine offensive und gute Kommunikation,
  • flexible Gestaltung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes,
  • Beratung/Vermittlung rund um die Kinderbetreuung,
  • eine auf Ergebnisse und nicht Präsenz ausgerichtete Unternehmenskultur,
  • ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das den Beschäftigten ermöglicht, ihren Job bis zum Erreichen der Rente auszufüllen und nicht zuletzt die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege (Eldercare Angebote).

Das klingt erst einmal viel und vielleicht auch teuer. Letztendlich kann ein Unternehmen sich nicht nur attraktiv für neue Mitarbeiter machen, die vorhandenen Leistungsträger sichern, sondern auch Kosten sparen, die durch Know-How-Verlust, Fluktuation und Einarbeitung neuer Mitarbeiter entstanden wären.

(Bild: © Yuri Arcurs - Fotolia.de)