Tradition oder Innovation? Familienunternehmen brauchen neue Strategien

Veröffentlicht am 8. Januar 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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Tradition oder Innovation? Familienunternehmen brauchen neue StrategienIn der Vergangenheit haben viele Familienunternehmen vielleicht intuitiv das Richtige getan. Aber ist dieses Bauchgefühl noch zeitgemäß? Sichern daraus resultierende Entscheidungen das Unternehmen für die Mitarbeiter und die nachfolgenden Generationen? In der Weltwirtschaft 3.0 müssen Familienunternehmen, die auch in Zukunft weiterhin erfolgreich bestehen wollen, spätestens jetzt neue Wege gehen.

Familienunternehmen bilden nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sie sind ihr Herz und Motor. Doch was jahrzehntelang funktioniert hat, lässt Unternehmen erschreckend schnell zugrunde gehen. Immer häufiger und schneller werden namhafte Marken familiengeführter Unternehmen gnadenlos vom Markt gedrängt.

Analysiert man einmal, was Familienunternehmen in der Vergangenheit erfolgreich wachsen hat lassen, stößt man vor allem auf ein Erfolgsrezept: Die Hidden Champions im Kreise der Familienunternehmen verteilen die Aufgaben innerhalb der Familie so, dass generationsübergreifend ein Zusammenhalt entsteht. Wird ein Weg gefunden, zu jedem Zeitpunkt intern und extern den Lebenszyklus jedes Familienmitglieds so intelligent mit der Unternehmensstrategie in Einklang zu bringen, dass eine möglichst breite Überlappung der Interessen besteht, wird das Gesamtsystem gestärkt. Gefährlich wird es immer dann, wenn die wahren Stärken eines Familienmitglieds unerkannt und ungenutzt bleiben oder wenn der „Tradition halber“ Rollen erfüllt werden müssen.

Konstellationen in Frage stellen

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung für die oft jahrelang im Betrieb tätigen Mitarbeiter, verbindet die Unternehmerfamilie vor allem Werte mit ihrem Unternehmen. Deswegen hängt man häufig an Konstellationen, die, wie die Entwicklung der Bilanzen zeigt, weder für das einzelne Familienmitglied noch für das Unternehmen förderlich sind. Geht es – wie aktuell in sehr vielen Familienunternehmen – beispielsweise um das Thema Nachfolge, sollten deshalb immer alle möglichen Szenarien durchdacht werden: Von der Nachfolge innerhalb der Familie, einer Übernahme durch ehemalige Mitarbeiter, vom möglichen Fremdmanagement bis hin zum Verkauf. Entscheidet sich das Gesamtsystem nach sorgfältiger Analyse und fairen Kommunikationsregeln für einen stimmigen Weg, ist dies eine Voraussetzung dafür, dass Unternehmen und Familie den globalen Wettbewerb als Chance erleben.

Generationsübergreifend für eine erfolgreiche Zukunft sorgen

Unterschiedliche Generationen innerhalb des Familienunternehmens haben oft stark diametrale Meinungen zum Thema Strategie: Die genialen Tüftler der Nachkriegsgeneration haben mit ihren Erfindungen und technischen Entwicklungen für einen kometenartigen Aufstieg des Unternehmens gesorgt. Neben der starken visionären Kraft fehlt ihnen jedoch manchmal das Know-how, das operative Tagesgeschäft in der heutigen Zeit erfolgreich zu gestalten. Die neuen Anforderungen des Marktes und die Globalisierung lassen sie an Grenzen stoßen – nicht nur persönlich, sondern vor allem was die Entwicklung des Unternehmens anbelangt. Die Führung eines Unternehmens ist ein komplexes Thema. Kommt die Führung einer Familie dazu und sind beide Bereiche eng miteinander verzahnt, häufen sich die Herausforderungen. Es müssen drängende Fragen geklärt werden:

  • Wie stellen wir unser Familienunternehmen für die Zukunft optimal auf?
  • Welche Führungskräfte braucht unsere Organisation?
  • Sind wir als Unternehmerfamilie in der Lage, diese Entwicklungen erfolgreich zu begleiten?
  • Wollen wir das überhaupt?
  • Wie entwickelt sich unsere Kostenstruktur?
  • Sind wir für zukünftige Krisen gewappnet?

Immer wieder den Gesamtkontext zu betrachten und sich auch mit (selbst-) kritischen Fragen zu beschäftigen, zeichnet erfolgreiche Unternehmer/Unternehmen aus. Diese beschäftigen sich in guten Zeiten –  wohl wissend, dass die nächste Rezession unweigerlich kommt – bereits gedanklich mit schwierigen Situationen. Sie setzen sich mit unangenehmen Themen auseinander, bevor sie möglicherweise eintreten. Der mentale Vorsprung verhilft ihnen dazu, vorbereitet zu sein. Das Spannungsfeld eines Familienunternehmens ist dabei oftmals die entscheidende Antriebsfeder. Dabei stimmt ein Blick in die Vergangenheit optimistisch: Deutsche mittelständische Familienunternehmer haben erfahrungsgemäß stets das eigene Leben und die Entwicklung des Unternehmens in die Hand genommen – jedweder Widerstände zum Trotz und unabhängig von wirtschaftspolitischen Gegebenheiten. Warum sollte es in Zukunft anders sein?

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