Freudvoll tanzen trotz Diversity Dilemma – So heißen Unternehmen Vielfalt willkommen

Veröffentlicht am 20. Dezember 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

Freudvoll tanzen trotz Diversity Dilemma - So heißen Unternehmen Vielfalt willkommenAls Diversity Expertin komme ich mit wahrlich vielfältigen Aussagen zum Thema Diversity in Berührung. Auf einer Redner-Veranstaltung sagte z. B. kürzlich jemand zu mir: „Wie können Sie über Diversity sprechen, Sie sind ja gar nicht schwarz?“ In manchen Köpfen ist Diversity scheinbar zu einem großen Teil als Hautfarben-Thema verhaftet.

Anderes mit Freude annehmen

Ich habe seitdem viel über diese Aussage nachgedacht. Mir wurde dadurch wieder einmal bewusst, wieviel „Erklärungsbedarf“ in Bezug auf das Thema Diversity noch vorhanden ist. Denn es geht definitiv nicht um Hautfarben! Es geht mir vorrangig darum, die Thematik zu erklären, sie den Menschen und Unternehmen in ihrer gesamten – ja Vielfalt - nahezubringen. Unternehmen wie die Allgemeinheit für diese Themen zu öffnen, aufzuklären und zu begeistern. Alle aufzufordern, das Fremde und Unbekannte freudig anzunehmen, willkommen zu heißen und sich damit zu beschäftigen. Und das ist im Moment noch ein recht weiter Weg.

Diversity ist kein Dilemma!

Ich stelle in meinen Seminaren und Coachings in Unternehmen oft fest, dass das Thema Diversity von vielen Führungskräften und HR-Abteilungen ein wenig abwehrend betrachtet wird. Als Dilemma. „Ach, ja, wir wissen, da ist noch großer Handlungsbedarf“, höre ich dann. „Unsere Diversity-Programme liegen in Schubladen und warten auf Umsetzung.“ Ich habe dann immer das Gefühl, dass ich einen Finger direkt in die Wunde lege. Und das ist gut so! Denn es ist höchste Zeit, das Thema Diversity aus den Schubladen zu holen. Nicht, weil Unternehmen eben mal so „freundlich“ sind, dem Thema Zeit, Gedanken und Lösungen zu geben. Sondern weil sie es müssen. Und zwar jetzt!

Was umfasst Diversity genau?

Diversity kommt nicht erst auf uns zu. Sie ist schon da. Niemand, Unternehmen wie Mitarbeiter, kann ihr „entkommen“. Sehen wir uns an, in welchen Formen Diversity auftritt. Da ist zunächst die „Interkulturelle Vielfalt“. Wenn Unternehmen eine globale Marke aufbauen und Mitarbeiter in Auslandsniederlassungen eingesetzt werden. Diese Menschen auf das Leben und Arbeiten im Ausland vorzubereiten, ist ein wichtiger Teil von Diversity Management. Wer sich und seine Mitarbeiter hier nicht entsprechend vorbereitet, kann nur Scheitern. Es geht um Dinge wie Anpassung an die Sitten und Gebräuche eines Landes, Kennenlernen der Geschäftspraktiken, und vor allem der „verräterischen“ Aussagen und Gesten die – bei uns in Deutschland vollkommen harmlos – in anderen Ländern einen großen Fehler darstellen und damit wichtige Geschäfte verhindern können.

Migranten nicht aus fernen Ländern ...

Der zweite Bereich der interkulturellen Unterschiede kommt zum Tragen, wenn Mitarbeiter aus anderen Kulturen in die Unternehmen kommen. Dieser Aspekt wird tagtäglich brisanter. Denken wir nur an Länder wie Griechenland und Spanien, die ihren Einwohnern nicht mehr genügend Arbeitsplätze und Wohlstand bieten können. Diese Menschen drängen nun massiv auf den restlichen europäischen und deutschen Arbeitsmarkt. Dies ist eine neue Form des Migrantentums, die wir in der Form bisher nicht kannten. Dass Migrantentum sich so stark innerhalb der EU-Länder abspielt, ist eine neue Situation, mit der Unternehmen sich rasch auseinandersetzen sollten. Mitarbeiter müssen auf diese Situationen vorbereitet werden, damit sie ihre neuen „fremden“ Kollegen mit positivem Interesse annehmen können und harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit möglich ist.

 Via Quote zur Führung?

Auch das Thema Frauenquote ist ein wichtiger Punkt der Diversity Thematik. Ich bin als Diversity-Expertin kein Fan von Quoten, aber betrachte die Frauenquote als ein notwendiges Übel, das wir leider brauchen, damit sich überhaupt etwas tut. Unternehmen müssen hier nur sehr gut aufpassen, erfolgreiche Frauen nicht zu reinen Quotenchefinnen zu machen. Sehr oft höre ich in meinem Alltag in Unternehmen, dass Frauen in Führungspositionen als „ach, das ist ja eine Quotenchefin“ abgetan werden. Es wird gar nicht mehr hingesehen, ob diese Frau hochqualifiziert ist, was sie drauf hat oder eben nicht. Die allgemeine Meinung: Sie ist aus der Quote dahingekommen, wo sie ist. Mehr wird nicht gesehen. Das ist negativ für exzellent ausgebildete und hoch qualifizierte Frauen. Hier müssen Unternehmen ihre eigenen funktionierenden Regeln bilden und aufklären.

Diversity – ein freudiger, erfolgreicher Tanz

Ich sehe Diversity als einen Tanz. Wenn zwei Menschen das erste Mal zusammen einen neuen Tanz tanzen, kennen sie die Schritte nicht, kennen einander nicht, kennen den Rhythmus nicht. Der Tanz wird daher ungelenk sein. Aber mit der Übung kommt auch hier der Meister. Wenn Unternehmen das Diversity Thema freudvoll annehmen, sich ihm stellen, und es einfach angehen, dann wird aus dem zu Beginn ungelenken Diversity Tanz, wo sich Dinge noch seltsam anfühlen, ein erfolgreicher und auch ertragreicher perfekter Walzer.

(Bild: © amenasme – Fotolia.de)