„Einen neuen Chef, bitte!“ – Führungskräfte als Reputationsbotschafter

Veröffentlicht am 3. September 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

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Führungskräfte als ReputationsbotschafterMitarbeiter haben einen sehr hohen und glaubwürdigen Einfluss auf die Reputationsbildung eines Unternehmens, vermutet man doch aus externer Sicht Informationen aus erster Hand. Sie nehmen jedoch noch in anderer Hinsicht eine Sonderstellung innerhalb des Reputationmanagements ein: Zum einen strahlt die positive Reputation eines Unternehmens auf Mitarbeiter aus, indem sich diese viel besser mit "ihrem" Arbeitgeber identifizieren können, mit Stolz das Firmenlogo auf ihrer Visitenkarte tragen. Ein Arbeitgeber mit einer hohen Reputation wird so zum Status-Symbol im sozialen Umfeld des Mitarbeiters.

Und zufriedene oder gar begeisterte Mitarbeiter sind zum anderen loyale Mitarbeiter und die besten Reputationsbotschafter einer Organisation. Praktisch frei Haus tragen sie zum guten Ruf und zur Imagebildung des Unternehmens bei, indem sie in ihrem sozialen Umfeld die personifizierte Zufriedenheit einer durchgängig gelebten und überzeugenden Unternehmensorganisation darstellen. Vorausgesetzt, sie erfahren eine respektvolle, wertschätzende und transparente Arbeitsumgebung, in der sie nicht nur als Funktionsträger behandelt, sondern auch als Mensch gesehen werden. Der Schlüssel dazu: Ihre Führungskräfte.

Schlechte Führung findet sich auf vielfältigen Plattformen wieder und schadet der Reputation des Unternehmens. Nicht nur Arbeitgeber informieren sich online über künftige Mitarbeiter, sondern auch künftige Mitarbeiter über ihre künftigen Arbeitgeber. Gute Führung wirkt nach innen und nach außen. "Extrem viel Arbeit für wenig Geld“, “viel Image Blabla“, “Wäre der Austausch mit der Fachabteilung nicht so gut gewesen, hätte ich die Bewerbung zurückgezogen“ – Arbeitnehmer bewerten zunehmend auf den jeweiligen Internet-Plattformen wie jobvoting, Arbeitgebercheck oder kununu ungeschönt ihre Vorgesetzten und agieren meist unbewusst als Reputationsbotschafter. Potentielle Bewerber nutzen dies als zusätzliches Informationstool für ihr Bewerbungsgespräch und entscheiden sich dann dafür oder dagegen. Auffällig ist auch, dass die Zusammenarbeit mit Kollegen häufig besser eingeschätzt wird als die Arbeitsbeziehung zu Führungskräften. Die Reputation als attraktiver Arbeitgeber kann empfindlich gestört werden

Reputation ist Chef-Sache und hat heute ganz besondere Relevanz. In Zeiten gestiegener Transparenz für Unternehmer genauso wie für Geschäftsführer und für Führungskräfte jeden Unternehmensbereiches. Gute Führung wirkt nach innen wie nach außen. Denn Kunden, Mitarbeiter, Partner trennen sich nur in seltenen Fällen von dem Unternehmen selbst, sondern meist von konkreten Ansprechpartnern im Unternehmen.

Wenn der Ton die Musik macht

In Zeiten reibungsloser Geschäftsprozesse spielt das Thema zunächst keine auffällige Rolle. Produkte und Service sind hervorragend, Kunden kaufen gerne ein, Mitarbeiter sind zufrieden, die Fluktuation und der Krankenstand auf Tiefststand, auch die Banken räumen bereitwillig notwendige Kredite ein. Für Führungskräfte ‚Business as usual‘. In der Dynamik einer sich schnell verändernden Geschäftswelt wird dieses Szenario eher zur Ausnahme werden. Heute bereits ist von Führungskräfte gefordert, wachsende Komplexität zu meistern, schneller Entscheidungen mit ungewissen Determinanten zu treffen, anspruchsvolle Produkt- und Serviceerwartungen zu realisieren, Mitarbeiter zu fördern und zu fordern. Oder wie es der französische Historiker Tocqueville ausdrückte: „Der Mensch bleibt in kritischen Situationen selten auf seinem gewohnten Niveau. Er hebt sich darüber oder sinkt darunter.“

Permanenter Erfolgs- und Erwartungsdruck lassen eine Führungskraft nur selten dauerhaft über sich hinaus wachsen. Physische und psychische Leistungsgrenzen sind schnell erreicht. Die Folge: Unangemessene Kommunikation, druck- statt kraftvolle Führung, Demotivation, Qualitätsmängel. Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Folgen daraus an dem guten Ruf eines Unternehmens kratzen.

Haben Sie schon Antworten auf folgende beispielhafte Fragen?

Einstellung:

  • Welchen Stellenwert hat Reputationsbildung und Pflege in Ihrem Haus?
  • Wissen Sie um die Bedeutung guter Führung für eine positive Reputationsbildung?
  • Wissen Ihre Führungskräfte über ihre Funktion als Reputationsbotschafter?
  • Ist der praktizierte Führungsstil die logische Fortführung der einmal definierten Werte und des Leitbildes?
  • Sind entsprechende Reputationsfaktoren Bestandteil der jährlichen Fördergespräche?
  • Mit welchen Methoden überprüfen Sie regelmäßig die interne Führungsqualität?
  • Wie konsequent handeln Sie im Falle von drohenden Reputationsrisiken?

Kommunikation:

  • Wie transparent wissen Führungskräfte und Teams um ihren konkreten Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele?
  • Wie gut sind diese informiert über die erwünschten und angestrebten wahrnehmbaren Reputationsfaktoren?
  • Welches ist der dominierende Kommunikationsstil in Ihrem Haus?
  • Wie konsequent wird Feedback-Kultur gepflegt?

Methoden:

  • Verfügen Sie über regelmäßige und fundierte Rückmeldungen aus Umfragen über die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter?
  • Verfügen Sie über eine verbindliche Social Media-Guideline?
  • Wie messen Sie die interne Reputation Ihrer Führungskräfte?
  • Welche Unterstützung erfahren sogenannte ‚verhaltensauffällige‘ Führungskräfte, um drohende Risiken abzuwenden.

Begeistern Sie Ihre Führungskräfte für diese Verantwortung. Zweifellos verfügen Führungskräfte und Mitarbeiter einer Organisation über eine hohe reputative Wirkung – nach innen wie nach außen, positiv wie negativ. Eine Organisation ist zunächst etwas Anonymes, das erst durch die Auftritte der Führungskräfte in der Öffentlichkeit personifiziert wird.

Der obersten Ebene bleibt vorenthalten, glaubwürdig und transparent über die Identität und Werte des Unternehmens und das nachhaltige soziale und gesellschaftlich relevante Engagement zu kommunizieren. Denn keiner kann so durch sein öffentlich jederzeit beobachtbares Persönlichkeitsprofil, die Reputation des Unternehmens nach innen und außen gestalten.

Die Erwartungen an Führungskräfte, an ihre Haltung und Handlung, an die Kommunikationsfähigkeit sind aktuell vielfältig und hoch. Es wird daher im Ermessen des Unternehmers und der Geschäftsführung liegen, inwieweit eine Führungskraft Reputationsverantwortung nach innen und außen wahrnimmt. Positiv- wie Negativ-Beispiele gibt es zuhauf, letztendlich geht es jedoch stets auch um die persönliche Reputation, die wiederum und idealerweise in Übereinstimmung mit der Identität, den Werten und dem Image des Unternehmens steht. Und dort fängt Reputationsbildung an, systematisch und konsequent. Wie steht es um die Reputation Ihrer Führungskräfte?

(Bild: © FotolEdhar - Fotolia.de)