Affenriegen: Warum Karrieristen ihre Vorgesetzten nachahmen

Veröffentlicht am 21. März 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

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Karrieristen ahmen ihre vorgesetzten nachSie alle kennen den Affen, der nichts hört, nichts sieht und nichts sagt. So verhalten sich auch gerne Aufsteiger. In diesem Taubstummblindflug gleitet es sich gut nach oben. Das gilt aber nicht in ihren Beziehungen zu höher gestellten Vorgesetzten. Da heißt es „Ich sehe dich, ich höre dich, ich spreche dich!“, und das hat seinen guten Grund.

von Jörg Steinfeldt

Wahre Affenliebe

„Er gehört zu mir“ ist der größte Hit von Marianne Rosenberg und genau diese Erkenntnis ist es, die Karrieristen bei Vorgesetzten auslösen möchten. Das tun sie durch eine ganz simple Masche: Nachäffen.

Verräterisch ist die Sprache. Spricht ein Geschäftsführer laufend von „einphasen“ (für „etwas Neues einführen“), „Pros und Cons“ (für „Vor- und Nachteile“) oder „an dieser Stelle“ (für „hier“) so können Mitarbeiter sicher sein, diese Ausdrucksweise bald auch von ihrem Vorgesetzten zu hören. Worthülsen eignen sich besonders gut zum nachäffen. Man kann sie immer einbauen und sie drücken keinen Inhalt aus, der einen belasten könnte.

Ein offen sichtbares Signal, auch über eine gewisse Entfernung hinweg, wie in einem Saal oder der Kantine, ist die äußere Erscheinung. Ein Vorstand tut gut darin, ein äußeres Zeichen zu setzen, zum Beispiel eine Fliege statt einer Krawatte zu tragen oder einen ungewöhnlichen Bart zu pflegen. An den weiteren Fliegen oder Bärten im Unternehmen kann er seine wahren Fans erkennen. Achten Sie auch auf Körperhaltung und Gesten. Gern genommen ist die markante Haltung, den Kopf in eine Hand zu stützen. Schließlich bewegt ein Manager viele schwere Themen im Kopf. Oder ein Spiel mit der Brille. Das wirkt schön intellektuell. Es lässt sich perfekt nachäffen.

Die Nachmacherei zeigt dem Vorbild: Ich finde dich gut, ich bin wie du, wir gehören zusammen, habe mich lieb, Entschuldigung, bitte befördere mich. Je höher das Vorbild in der Hierarchie sitzt, desto besser. Es müssen aber regelmäßige Kontakte möglich sein, sonst klemmt die Kopiererei wie bei gestautem Papier im Kopiergerät.

Affengeile Manager

Was macht eine Frau, wenn sie etwas von ihrem Mann möchte? Sie lobt ihn bei der erstbesten Gelegenheit: „Toll, wie du das gemacht hast!“ Mehr bedürfen Männer nicht. Viele Menschen denken, Macht ist die Droge der Manager. Dem ist nicht so. Macht ist begrenzt. Sie hängt an der Position, die kann schnell auch mal weg sein, wie die Macht dann auch. Macht ist begrenzt. Keiner kann mehr alleine Entscheidungen treffen und durchsetzen. So gut wie jeder hat einen Vorgesetzten, einen Vorstand, einen Aufsichtsrat, eine Muttergesellschaft. Und die Möglichkeiten, auf dreihundert, zweitausend oder zehntausend und mehr Mitarbeiter direkt einwirken zu können, sind begrenzt.

Es ist nicht die Macht, die eigentliche Droge ist die Eitelkeit. „Du bist toll“ ist der süße Honig, an dem Männer kleben bleiben. Eitelkeit ist auf die Person bezogen. Eitle Menschen glauben, eine eigene „innere Magie“ auf Menschen auszuüben. Für sie ist unzweifelhaft, begehrt sein zu müssen. In der Politik signalisieren das Schröder, Fischer, Müntefering, Kohl oder Wulff – alle nicht gerade im Verdacht, Sexsymbole zu sein - mit ihren zum Teil extrem jungen Frauen. Sie glauben, nicht die Möglichkeiten, die sie durch die Beziehung den Frauen eröffnen, treibt die Frauen an, sondern alleine ihr affengeiles Ich. Es ist die Eitelkeit, die gekränkt ist, wenn eine hochgestellte Person ihren Platz räumen muss.

Manager sind auch nur Menschen. Sie haben oft das Gefühl, in ihrem Topjob in dünner Luft mit der ganzen Verantwortung sehr einsam zu sein. Auch ihre Seele bedarf Streicheleinheiten. Sie sind deshalb für Affen sehr empfänglich.

Assimilierte Affen

Viele Menschen aus der ländlichen Provinz oder aus kleineren Städten wie Kiel, Kassel oder Koblenz begeben sich auf in die großen Städte wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt. Sie haben oft nicht nur räumliche Ziele. Sie möchten Karriere machen.

Als fürchteten sie, ihre Herkunft sei ein Makel, sind sie oft selten aktiv, um ja nicht aufzufallen. Eine Frau aus dem Emsland, seit zwei Monaten in Hamburg, wollte mir als gebürtigen Hamburger sagen, was angesagt ist in der Stadt. Ein ehemaliger Kollege aus dem Ruhrpott, weit über 50 und seit über 30 Jahren in der Stadt, jagt heute noch jeder Mode hinterher; ob Kinofilm, Theaterstück, Ausstellung oder neues Restaurant – er war schon da. Gebürtige Städter sind da gelassener. Moden kommen und gehen. Nur diese Sicherheit, sich in New York souverän bewegen zu können, gibt den Filmfiguren von Woody Allen den Raum, sich ausschließlich mit ihrer inneren Verfassung beschäftigen zu können.

Im Büro sind solche innerdeutschen Migranten die perfekten Affen. Sie wollen nach oben und sie wollen nicht auffallen. Von ihnen wird kein Widerspruch kommen. Sie wollen sich beweisen und anerkannt (geliebt) werden. Sie passen sich Vorgesetzten perfekt an.

Affen spielen Theater

Sind sich solche Menschen ihrer Affenrolle bewusst? Spielen sie sie bewusst? Die Übergänge scheinen fließend zu sein. Affen setzen sich in Szene und haben gute Chancen, ins Rampenlicht zu kommen. Sie sollten aber wissen, dass ihr Affentheater nicht überzeugt. Sie sind in ihrer Rolle nicht autark, weil sie sich von anderen abhängig machen. Tritt das Vorbild ab, ist auch ihre Rolle weg. Und sie sind nicht souverän, weil sie sich selbst (ein gutes) Stück aufgeben. Sie sind nicht authentisch. So kommen und gehen die Schauspieler. Das Büro wird zum Affenstall. Das ist eine Affenschande.

(Das Buch zum Artikel ist erhältlich im Unternehmer.de-Buchshop: "Was Sie schon immer über Führung wissen wollten" von Jörg Steinfeldt)

(Bild: © Elwynn - Fotolia.de)