Von sozialen Netzwerken, Business Trollen und innerem Reichtum

Veröffentlicht am 12. März 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

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Komplexe Beziehungsnetzwerke regeln Angebot und Nachfrage im Internet und sind daher soziales Kapital – denn: ohne Kontakte gibt es keine Anbahnung von Aktivitäten, ohne Interaktion keine dynamische Bewegung. Daher ist es wichtig, sich im Web an thematisch geeigneten Plätzen einen Bekanntenkreis („Freunde“, „Kontakte“) aufzubauen, der von den Inhalten und dem Umgang her stimmig ist.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alle derselben Meinung sind oder die gleichen Vorlieben haben. Kaum ein Kontakt dürfte genau dasselbe Profil aufweisen, denn ganz unterschiedliche Bedürfnisse liegen den einzelnen Usern zugrunde. Die Motivation der einzelnen Teilnehmer ist jedoch außerordentlich wichtig beim Eintreten in die Luxuszone „soziales Marketing“.

Nur über wachsendes Vertrauen und Anerkennung können zielorientierte Kooperationen und auch geschäftliche Vorteile entstehen. Das erfordert jedoch Zeit und ein langsam Anwachsen positiver Faktoren. Ein wesentlicher Punkt dabei ist Verlässlichkeit und Ehrlichkeit, diese beiden Punkte spürt der erfahrene User schnell heraus und reagiert darauf. Der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad einer Netzpersönlichkeit hängt von vielen Faktoren ab, dazu zählen unter anderem originärer, guter und unterhaltsamer Content, schlüssig und bestimmt geführte Diskussionen und eloquente Kommentare genauso wie eine große Offenheit für neue Themen – und ein echtes Interesse an den Mitteilungen und Aktivitäten anderer Nutzer.

Nicht jeder, der im Netz bekannt ist, ist auch beliebt. Denn, wer ohne Fingerspitzengefühl und Authentizität im Netz agiert, hat schnell verbrannte Erde hinterlassen. In den meisten sozialen Netzwerken gibt es kollektive Wertvorstellungen - je nachdem, wo man sich dort aufhält. Viele User suchen im Netz Austausch und echte Inspiration und sind schnell verärgert, wenn ein anderer offensichtlich nur darauf aus ist, den „schnellen Euro“ zu machen. Diese Personen sind die unseriösen Staubsaugerverkäufer der Neuzeit.

"Business Trolle", die nur ihre "Waren" anpreisen

Diese „Business Trolle“ sind an den eigentlichen Vorgängen in der Netzgemeinde nicht sonderlich interessiert, für sie ist es nur wichtig, möglichst viele Plattformen zu finden, auf denen sie ungehindert und unreflektiert ihre „Waren“ anpreisen können. Das steht fast immer im Gegensatz zur üblichen Netiquette und wird nicht gerne gesehen, oft aber stillschweigend geduldet in der Hoffnung, dass der Übergriff eine Ausnahme bleibt. Dabei tun sie es nicht nur auf einer Plattform, sondern auf möglichst vielen parallel – irgendwo wird schon etwas hängenbleiben.

Unter dem Vorwand „etwas ganz Besonderes zu haben, was Dich in Deinem Leben weiterbringt“ und/oder „für ein lebenslanges Passiv-Einkommen sorgt“ versuchen sie, die arme User-Seele mit dem Virus der Habgier zu infizieren, um sie dann mit ihren Greifern hinab zu ziehen in die Untiefen von mentaler Bevormundung und finanzieller Abhängigkeit - nicht aber, bevor sie den Betreffenden nicht dreimal umgedreht haben, um auch ans Kleingeld in der letzten Tasche zu kommen.

Im Ernst: Das mag ein apokalyptisches Bild sein, aber im übertragenen Sinne ist das gar nicht so verkehrt. Das Auffällige an den sich immer wiederholenden Strukturen, die man unter unterschiedlichsten Namen findet und die sich ständig umfirmieren, ist die große Verlogenheit, mit der ganz offen hantiert wird. Große Versprechungen bei minimalem Aufwand, familiäres Betriebsklima, Sonderzuwendungen bei Erfolg und dabei – erstaunlicherweise – kaum Kosten, kaum Arbeit.

Zweifelhafte Angebote im Internet

Aber auch außer reinen Strukturvertrieben ist das Internet angefüllt mit zahl- und wahllosen Angeboten, die der genauen Überprüfung dringend bedürfen. Um Angebote angeblich seriöser Unternehmen zu gelangen, muss der User zuerst seine persönlichen Daten und seine Mail-Adresse am Eingang abgeben, um dann in einem 10-minütigen Videoclip darüber informiert zu werden, wie er an das große Glück kommt. Die Methode wird dabei meist nicht verraten. Dazu muss er sich weiter auf die vorbereitete Maschinerie einlassen, die dahinter steht. Und noch eines – er darf löhnen. Eine explizite Erfolgsgarantie wird er vermutlich nicht bekommen.

Ein Blick auf die dazugehörige Internetseite solcher Angebote verrät meist mehr als der erste Chat oder die erste Videokonferenz. Häufig finden wir die famose Geschäftsidee auf einem schnell erstellten Blog Marke „quadratisch, praktisch, gut“ mit fiesen Farben und die Schrift in noch fieseren Farben unterlegt, d.h. die Schriften, denn meistens hat die Seite so viel Aussagekraft, dass mehrere Schrifttypen in verschiedenen Größen und Farben dringend benötigt werden.

Dass Traurige daran ist, dass die Personen, die hinter diesen ganzen Geschäftsversuchen stehen, meistens irgendwann im Leben an der falschen Stelle abgebogen sind, manche sehr früh, manche erst kürzlich. Anstatt ihre Energie und ihren Verstand in eine ausbaufähige Geschäftsidee zu stecken, haben sie nur eines im Kopf: möglichst schnell reich zu werden und andere für sich arbeiten zu lassen.

Wenn Menschen wie Bill Gates, Carsten Maschmeyer oder sogar Kim Schmitz Vermögen anhäufen wie kaum ein anderer, dann ist das eine Sache – aber wenn Otto N. das versucht, geht es meistens kläglich schief. Reichtum wird in unserer Gesellschaft meist grundsätzlich falsch und einseitig verstanden. Geld und Besitztümer sind die sichtbare Seite, die man in Zahlen übersetzen und bewerten kann, um einen bestimmten Status zu erreichen. Die moderne Elitesoziologiebetrachtet die Reichtumsentwicklung als sehr kritisch. Sie geht einher mit einer starken sozialen Verarmung.

Den inneren Reichtum nicht vergessen

Das, was mindestens genauso wichtig ist, nämlich der innere Reichtum, wird häufig als unwesentlich abgetan. Es gilt bereits in einigen Gesellschaftsschichten als Zeichen von Schwäche über ethische Werte wie Freundschaft, Liebe, Gerechtigkeit, Lust, Glück, Wohlbehagen, Harmonie und Bescheidenheit zu reden. Und genau diese Strukturen finden wir im Netz wieder - seit einigen Jahren verstärkt und immer mehr eigennützig. Das dabei immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben, die im Grunde nur irgendwo eine Chance suchen, um aus ihrem „normalen“ Leben auszubrechen, bleibt nicht aus. Sie werden oft noch despektierlich „Versager“ genannt. Dabei haben sie lediglich nicht verstanden, wie man sinnvolle Beziehungsnetzwerke aufbaut und Nachhaltigkeit im eigenen Tun schafft.

Der Zeitgeist ist ein schneller zu Beginn des dritten Jahrtausend. Umso mehr sollten wir hin und wieder innehalten und nachdenken. Nachdenken darüber, ob wir auf dem richtigen Weg sind, mit der richtigen Idee und den richtigen Leuten um uns herum. Wir sollten mehr am Leben teilnehmen und nicht zu viel abstrahieren und technokratisieren. Denn auch virtuelle Welten sind nur eine mögliche Lösung. Oft liegen die größten Wahrheiten ganz einfach am Wegesrand, wir müssen nur lernen wieder mehr hinzuschauen und Gelegenheiten wahrzunehmen und mehr auf das Bauchgefühl zu hören. Dann lernen wir wieder besser, die richtigen Abzweigungen in unseren Lebenswegen zu erspüren und neue Wege zu gehen. Das macht uns Menschen aus.

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