Multiplikatoren: So schulen Sie Kunden und Mitarbeiter in kurzer Zeit! (Teil II)

Veröffentlicht am 2. Januar 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

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Viele Mitarbeiter und Kunden schnell schulenFühren Firmen neue Strategien, Techniken oder Verfahren ein, verfallen sie häufig dem Irrglauben, ihre Mitarbeiter oder Kunden würden sich von alleine darauf einstellen. Wie Sie im ersten Teil des Artikels lesen konnten, muss Mitarbeitern und Kunden jedoch die notwendige Kompetenz beigebracht werden, damit sie z.B. neue Verfahren effektiv nutzen können. Wie es möglich ist, eine Großzahl von Personen in kurzer Zeit zu schulen, erfahren Sie im Folgenden.

Drei Wege zum Ziel

Doch wie können Unternehmen einer großen Zahl von Personen in relativ kurzer Zeit das nötige Bewusstsein, Wissen und Können vermitteln, das sie zum Arbeiten mit einer neuen Problemlösung und in veränderten Strukturen brauchen? Möglich sind drei Wege:

  • Weg 1: Das Unternehmen trainiert alle Mitarbeiter (beziehungsweise Händler und User) mit eigenem Schulungspersonal. Das scheitert oft daran, dass den Betrieben zu wenig Weiterbildungsprofis zur Verfügung stehen.
  • Weg 2: Das Unternehmen überträgt die Schulungsaufgabe einem externen Trainingsanbieter. Der Nachteil hiervon: Mit dem Schulen durch externe Dienstleister sind meist hohe Kosten verbunden. Außerdem kennen die Mitarbeiter des externen Dienstleisters in der Regel die Abläufe und Feinstrukturen im Unternehmen nicht. Also müssen sie selbst erst aufwändig geschult werden, bevor sie die Schulungsfunktion übernehmen können.
  • Weg 3: Das Unternehmen bildet firmenintern, bevor es die Neuerung einführt, so genannte „Multiplikatoren“ aus. Das heißt: Es lässt ausgewählten Mitarbeitern zunächst durch Weiterbildungsprofis in der eigenen Organisation oder durch externe Spezialisten das nötige Know-how und die erforderliche Kompetenz zum Schulen anderer Personen vermitteln. Danach trainieren diese wiederum ihre Kollegen oder die Kunden des Unternehmens. Durch ein solch mehrstufiges Vorgehen lässt sich die für das Schulen großer Personengruppen benötigte Zeit erheblich verkürzen.

Eigene Mitarbeiter als „Trainer“ qualifizieren

Ein solches Vorgehen hat gegenüber einem Schulen durch externe Trainingsanbieter weitere Vorteile: Die internen „Trainer“ stehen, wenn beim Umsetzen im Alltag Probleme auftauchen, weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Hinzu kommt folgendes Plus: Verfügen die Mitarbeiter oder Führungskräfte erst einmal über die nötige Kompetenz, um Wissen anderen Personen strukturiert zu vermitteln, kann auf diese Kompetenz immer wieder zurückgegriffen werden. Außerdem erhöht sich, wenn die Personen, die zu Trainern ausbildet werden, Führungskräfte sind, auch deren Kompetenz ihre Mitarbeiter im Arbeitsalltag anzuleiten und zu coachen.

Solche „Train-the-Trainer-Ausbildungen“, die vor allem darauf abzielen, zum Beispiel Meister oder Führungskräfte im Vertrieb oder Teamleiter in Servicecentern zu Trainern ihrer Mitarbeiter zu qualifizieren, müssen anders konzipiert sein, als Trainerausbildungen für hauptberufliche Trainer. Sie dürfen sich zum Beispiel nicht über ein oder gar zwei Jahre erstrecken. Sie müssen sich zudem auf die „bullet points“ fokussieren, die für die Wissensvermittlung an Mitarbeiter oder Kollegen unabdingbar sind.

In maximal einer Woche „Trainer“ werden

Wie eine solche Ausbildung konzipiert sein kann, sei exemplarisch am Beispiel der Voss+Partner Trainergrundbildung erläutert, in der Mitarbeitern von Unternehmen binnen vier Tagen das erforderliche Basis-Wissen zum Schulen von Mitarbeitern, Kollegen oder Kunden vermittelt wird. In dieser Ausbildung wird den Teilnehmern weitgehend das Know-how vermittelt, das auch im Programm der klassischen Trainerausbildungen steht – in komprimierter Form.

So werden in der Ausbildung zum Beispiel Themen behandelt wie „Mein Selbstverständnis als Trainer“, „Menschliche Wahrnehmung und Kommunikation“, „Lernprozesse planen und steuern“, „(Kreative) Lernmethoden“ und „Professioneller Umgang mit den Trainings- und Präsentationsmedien“ – Themen, die man auch in den Programmen der klassischen Trainerausbildungen, die sich über ein, zwei Jahre erstrecken, findet. Was jedoch fehlt sind Themen wie Auftragsklärung. Warum? Bei firmeninternen Schulungsmaßnahmen ist der Auftrag nebst den Zielen, die mit der Maßnahme verbunden sind, in der Regel vorgegeben. Also braucht man hierüber nicht lange debattieren.

Gestrichen wurden aus dem Programm auch alle Elemente, die sich im weitesten Sinn mit der Frage befassen: Wie vermarkte ich als Trainer mich und meine Leistungen? Denn diese Themen sind primär für Personen interessant, die eine selbstständige Existenz als Trainer oder Berater anstreben – jedoch nicht für festangestellte Mitarbeiter von Unternehmen, die sich für das Schulen von Kollegen qualifizieren möchten. Auch Männer und Frauen, die bereits seit Jahren als Fachtrainer arbeiten und primär ihr methodisch-didaktisches Handwerkszeug schleifen möchten, interessieren sich hierfür nicht. Und wenn doch? Dann können sie ein Aufbauseminar besuchen.

Steigende Nachfrage von Unternehmen

Gemäß der Maxime „Was ist für die Zielgruppe interessant und relevant?“ muss also, wenn es um das Ausbilden von firmeninternen „Trainern“ oder „Wissensvermittlern“ geht, das Programm der klassische Trainer-Ausbildungen so „entschlackt“ werden, dass der Stoff in maximal einer Woche vermittelbar wird.

Solche „abgespeckten“ beziehungsweise auf den Firmenbedarf zugespitzten Trainerausbildungen stoßen bei den Unternehmen seit einigen Jahren auf eine immer größere Resonanz. Aus einem ganz einfachen Grund: Neben dem Marktumfeld, ändern sich in den Unternehmen auch in immer kürzeren Zeitabständen die Strategien, Abläufe sowie die genutzten (technischen) Verfahren. Also steigt auch der Schulungsbedarf. Folglich brauchen die Unternehmen auch mehr Mitarbeiter, die über die erforderliche Kompetenz verfügen, Kollegen oder Kunden zu schulen – und zwar nicht irgendwann und irgendwo, sondern zeit- und arbeitsplatznah.

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(Bild: © Albert Ziganshin - Fotolia.de)