Interview: Ein guter Trainer ist auch eine kleine „Rampensau“

Veröffentlicht am 18. November 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Und ab geht die Show: Mitreißende Präsentationen trotz PowerPoint! (Teil I)Was macht einen guten Trainer aus? Reicht es, ein Menschenfreund zu sein und zu wissen, wie Lernprozesse ablaufen? Oder muss man auch die Seminarteilnehmer in seinen Bann ziehen können?

Sabine Prohaska, deren Unternehmen seminar consult prohaska, Wien, unter anderem Trainer ausbildet, erklärt, worauf es im Trainerberuf ankommt.

Unternehmer.de: Frau Prohaska, welche Grundvoraussetzungen sollte ein angehender Trainer mitbringen?

Sabine Prohaska: Ein Trainer muss die Menschen in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit gern haben.

Unternehmer.de: Warum?

Sabine Prohaska: Ein gut gebuchter Trainer arbeitet jede Woche mit circa 30 bis 50 Menschen, die er meist zuvor nicht kannte, zusammen – Menschen, die häufig sehr unterschiedlich „ticken“. Deshalb muss sich ein Trainer schnell auf die unterschiedlichsten Personen einstellen können. Zudem muss er jedem Teilnehmer das Gefühl vermitteln können: Ich schätze Dich als Person – gerade, wenn in den Seminaren auch eine Einstellungs- und Verhaltensänderung erreicht werden soll. Denn Vertrauen und Wertschätzung sind die Grundpfeiler dafür, dass Menschen eine solche Veränderung überhaupt erwägen.

Unternehmer.de: Aber ein Menschenfreund zu sein, das allein genügt für den Trainerberuf doch nicht. Oder?

Sabine Prohaska: Selbstverständlich gehört mehr dazu. Eine didaktische und gruppendynamische Kompetenz ist ein Muss, um Wissen vermitteln zu können. Außerdem sollte jeder Trainer eine kleine „Rampensau“ sein. Denn sein Platz im Seminar ist nun einmal vorne – sozusagen im Rampenlicht – und nicht im Auditorium. Wen das zu sehr stresst, der ist im Trainerberuf nicht lange glücklich. Zugleich darf ein Trainer aber nicht zu selbstverliebt sein. Ihm muss stets bewusst sein: Es geht nicht um meine Entwicklung, sondern um die der Teilnehmer. Also muss er sich bei Bedarf auch zurücknehmen können.

Gut oder nur routiniert?

Unternehmer.de: Wie wichtig ist die eigene Weiterbildung bei Trainern?

Sabine Prohaska: Ein Trainer muss sich laufend weiterbilden – fachlich und methodisch-didaktisch. Sonst besteht die Gefahr, dass er irgendwann nur noch ein routinierter, aber kein guter Trainer mehr ist, weil sein Wissen veraltet ist. Wichtig ist zudem, sich regelmäßig ein Feedback auch von erfahrenen Kollegen einzuholen. Denn Trainer stehen in der Regel, wie Lehrer, alleine vor der Gruppe. Entsprechend selten erhalten sie ein qualifiziertes Feedback.

Unternehmer.de: Mit der Gefahr, dass sie sich irgendwann für die Größten halten oder fachlich und methodisch-didaktisch nicht mehr up-to-date sind, ohne dass sie es merken?

Sabine Prohaska: Richtig, oder nicht registrieren, dass sie mit den Teilnehmern nicht mehr wertschätzend umgehen.

Unternehmer.de: Worauf sollte sich das Feedback beziehen?

Sabine Prohaska: Eigentlich auf alles, was den Trainerberuf ausmacht. Zum Beispiel darauf, wie der Trainer oder die Trainerin Lerninhalte präsentiert. Oder wie er oder sie mit Gruppen interagiert. Oder in schwierigen Trainingssituationen reagiert. Denn jeder Mensch hat blinde Flecken – auch Trainer.

Ziel: selbstbestimmt leben und arbeiten

Unternehmer.de: Warum werden so viele Menschen Trainer, Berater oder Coach? Lockt sie das große Geld?

Sabine Prohaska: Viele Teilnehmer unserer Trainer- und Coachausbildungen kommen aus gut bezahlten angestellten Jobs. Äußere Umstände oder die Frage nach dem Sinn ließen in ihnen jedoch den Entschluss reifen: Ich will Trainer und/oder Coach werden. Bei unseren Teilnehmern ist der Wunsch nach Erfüllung das wichtigste Motiv. Viele wollen zudem selbstbestimmter leben und arbeiten, weshalb sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Unternehmer.de: Verdienen Trainer heute noch das große Geld?

Sabine Prohaska: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn welche Tagessätze ein Trainer erzielt, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Branche. Im Bankensektor werden höhere Tagessätze als im Sozialbereich bezahlt. Auch die Inhalte spielen eine Rolle. Verhandlungstrainings werden besser honoriert als Kommunikations-Grundlagenseminare. Und keinesfalls sollte man das Thema Selbstvermarktung vergessen. Ein Trainer, der in seiner Zielgruppe eine hohe Bekanntheit hat, erzielt in der Regel höhere Honorare als ein No-name-Trainer. So gibt es zum Beispiel Trainer, die Selbstmanagement-Seminare für 400 Euro durchführen, andere hingegen erzielen für scheinbar dasselbe Seminar 2000 Euro pro Tag.

Unternehmer.de: Wie gut sind Trainer heute ausgelastet?

Sabine Prohaska: Auch diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt Trainer, die schon ein Jahr im Voraus ausgebucht sind, und solche, die Tag für Tag zittern: Hoffentlich bekomme ich einen Auftrag. Generell gilt jedoch: Das Trainergeschäft ist heute härter als vor zehn Jahren. Unter anderem, weil es mehr Trainingsanbieter gibt. Deshalb brauchen gerade Newcomer im Markt, die als selbstständige Trainer arbeiten möchten, auch einen gewissen unternehmerischen „Biss“. Unabdingbar sind auch gewisse Marketingkenntnisse.

Authentisch sein, authentisch bleiben

Unternehmer.de: Brauchen Newcomer auch eine eindeutige Positionierung?

Sabine Prohaska: Mit den Fragen „Wofür stehe ich?“, „Was kann ich besonders gut?“ und „Wer sind folglich meine Zielkunden?“ muss sich jeder Trainer intensiv befassen.

Unternehmer.de: Warum?

Sabine Prohaska: Zum einen, damit er ein effektives Marketing betreiben kann, zum anderen aber auch, damit er als Person authentisch bleibt. Denn Training ist ein „people business“. Das heißt: Wenn sich Unternehmen für einen Trainer entscheiden, dann tun sie dies auch aufgrund von dessen Persönlichkeit. Zum Beispiel, weil sie überzeugt sind: Dieser Trainer kommt, weil er ein eher hemdsärmeliger Typ ist, bei unseren Produktionsmitarbeitern gut an. Deshalb sollten Trainer auch als Person Flagge zeigen – auch um sich erkennbar von ihren Mitbewerbern abzuheben.

Unternehmer.de: Was gilt es beim Beruf „Trainer“ noch zu beachten?

Sabine Prohaska: Dasselbe wie für bei jedem anderen Beruf: Nicht jeder ist für ihn geeignet. Wer Angst vor fremden Menschen hat, sollte kein Verkäufer werden – und auch kein Trainer. Bringt jemand jedoch die erforderlichen Voraussetzungen mit, dann ist der Trainerberuf sehr erfüllend – gerade weil er so vielseitig und -schichtig ist. Und in ihm lässt sich auch noch gutes Geld verdienen, obwohl auch für ihn wie für alle selbstständigen Tätigkeiten gilt: Ohne Fleiß kein Preis.

Unternehmer.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Prohaska.

(Bild: © Albert Ziganshin – Fotolia.de)