Heute den Burnout von morgen vermeiden (Teil II)

Veröffentlicht am 4. Oktober 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Heute den Burnout von morgen vermeidenUnser Leben stellt heutzutage viele verschiedene Herausforderungen an uns und man fühlt sich daher schnell nicht nur gefordert, sondern überfordert. Im ersten Teil des Artikels haben Sie bereits erfahren, wie wichtig es ist, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen, um die richtige Balance im Leben zu finden und auch zu wahren. Die vier Lebensbereiche - Soziales Leben, Körper/Gesundheit, Berufliches Leben, Sinn/Kultur/Stille - sollten ausgeglichen sein und das kann nur gelingen, wenn Sie eine Vision von Ihrem zukünftigem Leben haben.

Ziel: physisch und psychisch gesund bleiben

Dass wir eine solche Lebensvision haben, wird zunehmend wichtig, wenn wir unsere (seelische) Gesundheit und somit unsere Leistungskraft und Lebensfreude bewahren möchten. Das erkannte vor fast 20 Jahren bereits der Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow, der in seinem Buch „Der sechste Kondratieff“ unter anderem schrieb: Nach der Informationstechnologie wird in den kommenden 40 bis 60 Jahren das Thema Gesundheit nicht nur der Wachstumsmotor der Wirtschaft, sondern auch das zentrale gesellschaftliche Thema sein.

Dass dies zutrifft, zeigt sich unter anderem darin, dass in der medizinischen Forschung zunehmend das Thema Salutogenese an Bedeutung gewinnt: Also die Frage: Warum werden gewisse Menschen nicht krank – obwohl sie in ihrem Leben den selben gesundheitsbelastenden Faktoren ausgesetzt sind wie viele erkrankte Menschen? Und damit verbunden ist die Frage: Wie kann man die Widerstandskraft von Menschen so stärken, dass sie gesund bleiben, selbst wenn sie – sei es beruflich oder privat – großen Belastungen unterworfen sind?

Schlüsselkompetenz Gelassenheit und Zuversicht

Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschung ist: Ob uns etwas krank macht, hängt auch davon ab, wie wir auf die Herausforderungen, vor die das Leben uns stellt, reagieren. Eher passiv, ängstlich mit der Grundhaltung: „Das schaffe ich nicht“? Oder eher selbstbewusst und getragen von der Zuversicht: „Irgendwie schaffe ich das schon, denn in meinem Leben habe ich schon viele Herausforderungen gemeistert.“

Wie selbstbewusst wir mit Herausforderungen umgehen, hängt auch davon ab, ob wir eine Vision von unserem künftigen Leben haben. Diese ist unter anderem wichtig, weil heute an uns immer mehr Anforderungen gestellt werden, die sich nur bedingt miteinander vereinbaren lassen. Dies werden die meisten berufstätigen Mütter sofort bestätigen. Denn in den meisten höher qualifizierten Jobs sind unregelmäßige Arbeitszeiten normal.

Für berufstätige Mütter bedeutet dies: Sie können nicht mehr täglich beispielsweise Punkt 16 Uhr das Büro verlassen. Was sollen sie aber tun, wenn der Kindergarten um 16 Uhr schließt? Noch ein Beispiel: Vielen Vertriebsmitarbeitern von Unternehmen fällt es zunehmend schwer, regelmäßige private Termine wahrzunehmen. Denn immer wieder müssen kurzfristig Angebote für Kunden erstellt werden oder dauert ein Kundentermin länger als geplant. Entsprechendes gilt für viele Projektverantwortliche in Unternehmen. Also sind (Interessen-)Konflikte vorprogrammiert.

Für solche Konflikte bietet uns das klassische Zeit- und Selbstmanagement keine Lösung. Denn irgendwann ist unser Terminplan einfach voll. Und auch das empfohlene Delegieren von Aufgaben stößt an seine Grenzen – zum Beispiel, weil uns schlicht das Geld zum Beschäftigen einer Haushaltshilfe oder zum Einstellen eines weiteren Mitarbeiters fehlt.

Herausforderung: Das eigene Leben managen

Hinzu kommt: Das klassische Zeit- und Selbstmanagement berücksichtigt nicht, dass unsere größten Konflikte meist daraus resultieren, dass wir in ein soziales Beziehungsnetz eingebunden sind. Hierfür zwei Beispiele: Ein Angestellter kann sich zwar vornehmen „Heute Abend, Punkt 18 Uhr, verlasse ich das Büro.“ Wenn sein Chef jedoch kurz vor 18 Uhr sagt „Dieses Angebot muss heute noch raus“, dann hat er ein Problem. Ebenso verhält es sich, wenn er sich vornimmt „Ich gehe abends regelmäßig joggen“, sein Lebenspartner aber sagt: „Wenn du schon so spät von der Arbeit kommst, könntest du wenigstens dann bei mir und den Kindern bleiben.“

Solche Konflikte berücksichtigt das klassische Zeit- und Selbstmanagement nicht. Es tut so, als würden wir als „lonely heroes“ durchs Leben gehen. Dies können wir zwar, aber ein erfülltes Leben führen wir so nicht, denn: Menschliches Leben ist Leben in Gemeinschaft. Hinzu kommt: Wenn unser Privat- und Berufsleben an uns Anforderungen stellt, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen, dann können wir diese meist nur mit Hilfe anderer Menschen meistern. Zum Beispiel, indem wir mit Bekannten vereinbaren: „Montags und donnerstags holst du meine Kinder ab, damit ich länger arbeiten kann. Dafür nehme ich deine Kinder am Dienstag und Freitag mit.“

Hieraus resultiert eine weitere Anforderung: Wir müssen sozusagen „Manager“ unseres eigenen Lebens werden – also Personen, die durch ihr heutiges Handeln dafür sorgen, dass sie auch künftig ein glückliches und erfülltes Leben führen.

Zeitmanagement, Selbstmanagement, Lifemanagement

Eine Grundvoraussetzung hierfür ist: Wir müssen heute dafür (vor-)sorgen, dass wir auch künftig nicht unsere Lebensbalance verlieren. Zum Beispiel, weil

  • wir unseren Arbeitsplatz verlieren (Bereich „Berufliches Leben“),
  • uns unser Lebenspartner verlässt (Bereich „Soziales Leben“),
  • wir einen Herzinfarkt erleiden (Bereich „Körper/Gesundheit“) oder
  • uns das Burn-out-Syndrom und damit die Sinnkrise packt (Bereich „Sinn/Kultur/Stille“).

Der erste Schritt hierzu besteht darin, dass wir eine Vision von unserem künftigen Leben entwickeln. Hierzu müssen wir uns bezogen auf die vier Lebensbereiche fragen:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
  • Worin zeigt sich für mich ein erfülltes Leben?
  • Was muss ich tun, damit ich auch morgen ein glückliches und erfülltes Leben führe?

Pro-aktiv handeln statt re-agieren

Fragen sollten wir uns zudem regelmäßig: Gibt es in meinem Lebensumfeld oder in meiner aktuellen Lebenssituation Anzeichen dafür, dass künftig die Balance in meinem Leben bedroht sein könnte? Diese Signale können vielfältig sein. Zum Beispiel:

  • Zwischen Ihnen und Ihrem Lebenspartner herrscht zunehmend Schweigen. Auch wichtige Freunde melden sich nicht mehr (Bereich „Soziales Leben“).
  • In Ihrem Betrieb lautet die oberste Maxime plötzlich „Sparen“ (Bereich „Berufliches Leben“).
  • Sie fragen sich immer häufiger: Was soll das Ganze? (Bereich „Sinn/Kultur/Stille“).
  • Sie spüren ab und zu ein Stechen in Ihrer Herzgegend (Bereich „Körper/Gesundheit“).

Spätestens, wenn wir solche „Warnsignale“ registrieren, sollten wir aktiv werden. Denn dann können wir oft noch vermeiden, dass wir die Lebensbalance verlieren. Dann haben wir auch noch die Kraft, Weichen neu zu stellen. Wenn wir bereits in der Krise stecken, fehlt uns diese zumeist.

Wenn wir ein Bild von unserem künftigen Leben geistig vor Augen haben, können wir auch einen Maßnahmenplan entwerfen, um unsere Lebensziele zu erreichen. Doch Vorsicht! Sprechen Sie hierüber auch mit den Personen, die Ihnen wichtig sind – zum Beispiel Ihrem Lebenspartner. Denn nur dann können sie die Kompromisse und Übereinkünfte schließen, die nötig sind, damit sie beide die Dinge, die ihnen wichtig sind, erreichen. Sonst ist die Gefahr groß, dass Sie irgendwann beispielsweise mit Schrecken registrieren: „Verflixt, mein Karriereziel habe ich zwar erreicht. Doch auf dem Weg dorthin, habe ich leider meinen Lebenspartner verloren.“

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(Bild: © ATromley – Fotolia.com)