Alles in einem Topf? Coaching ist weder Training noch Beratung!

Veröffentlicht am 13. September 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Alles in einem Topf? Coaching ist weder Training noch Beratung!Vor kurzem habe ich erstaunt einen Beitrag gelesen, in dem es hieß: "Unternehmen können auf Coaching kaum verzichten. Und so haben Trainer gut gefüllte Auftragsbücher." Ich stockte mitten im Lesen und musste nochmals von vorne beginnen, um wirklich sicher zu sein, dass ich das, was da so selbstverständlich stand, auch richtig wahrgenommen hatte. Nochmals langsam und jedes Wort einzeln aufnehmend, las ich also abermals, dass Unternehmen nicht ohne Coaching auskommen und Trainer deswegen gute Konjunktur haben.

Fällt irgendjemandem hier der Widerspruch auf? Mir als Vertreterin des "puren Coachings" auf jeden Fall. Was denn nun, Coach oder Trainer? Oder gar Berater? Die unterschiedlichen Ziele und Herangehensweisen dieser verschiedenen Disziplinen wurden in dem Beitrag einfach nicht näher betrachtet.

Der Unterschied zwischen Coaching und Beratung

Weiter fanden die Coaching-Puristen, die konkrete Ratschläge und Empfehlungen während des Coaching-Prozesses ablehnen, bedauerlicherweise negative Erwähnung. Jedoch gerade hier liegt der entscheidende Unterschied zu effektivem Coaching und zum echten Coach: er gibt weder Ratschläge noch Empfehlungen. Auch wenn "die meisten Klienten Anregungen und Tipps erwarten". Wenn Anregungen und Tipps erwartet werden, sind zwei andere Berufsgruppen gefordert: die Berater und Consultants. Wie der Name schon sagt, stellt der Berater einen Rat zur Verfügung, den er dem Klienten anbietet. Das ist in vielen Fällen sehr nützlich, aber es ist eben kein Coaching.

Beratung heißt, dass ich dem Kunden etwas gebe, das er nutzen kann als Wissen oder Fähigkeit. Coaching heißt, dass ich mit dem Klienten das suche und entdecke, was bereits da ist, aber meist völlig verschüttet liegt unter Ängsten, Gewohnheiten, Dogmen, inneren Grenzen und ähnlichen Mustern, die wir in unserer Lebensgeschichte und den Jahren unserer beruflichen Entwicklung aufbauen.

Alle Methoden haben ihre Berechtigung – am richtigen Ort, zum passenden Zeitpunkt. Trainer und Berater sind genau da richtig, wo der Klient Methoden und Tools erlernen und einüben will, die er bei Bedarf im Management-Alltag zur Anwendung bringen kann. Das Ziel von purem Coaching jedoch ist eine intrinsische Veränderung der Denkstruktur und damit der Handlungsweise – sie verändert den Umgang und die innere Haltung zu Situationen, die bisher problematisch waren.

Der Unterschied zwischen Coaching und Training

Wenn wir nun Training und Coaching vermischen, bekommen wir einen unverträglichen Cocktail. Wenn ich Methoden erlernen, Fähigkeiten aufbauen und unter Begleitung einüben möchte, bin ich beim Trainer hervorragend aufgehoben. Will ich aber Veränderung in meinen Denk- und Bewältigungsstrukturen entwickeln, Blockaden auflösen und innere Grenzen erweitern, ist der Coach mein Begleiter und Partner.

Einfach gesagt: pures Coaching bringt nichts in den Menschen hinein, sondern holt alles aus den vorhandenen Ressourcen heraus. Während eines Coachingprozesses entwickeln die Klienten inneres Wissen um ihre ganz persönlichen und individuellen Handlungsmuster und Persönlichkeitsstrukturen. Sie erleben, wie sie ihre störenden Gewohnheiten, sprich ihren inneren Schweinehund, los werden und wie sie dafür konstruktive Verhaltensweisen, sprich ihr inneres Trüffelschwein - das motiviert und fördert -, verändern und entwickeln können. Nach einem guten Coachingprozess "passieren" die Dinge ebenso "automatisch" in Richtung Erfolg, wie sie vorher in Richtung Problem "passiert" sind.

Nicht verwechseln: Coaching und Therapie

Auch die Verwechslung von Coaching mit Therapie - wie in dem Artikel, der mich zu dem Beitrag inspiriert hat - ist eine gefährliche Vermischung zweier völlig unterschiedlicher Ansätze. Der Coach arbeitet ausschließlich mit gesunden Menschen, die eine Lebenssituation optimieren, einen Konflikt zur Lösung bringen wollen oder nächste eigene Entwicklungsschritte bestmöglich gestalten möchten. Er arbeitet nicht – wie der Therapeut – mit Menschen, die eine Heilung von Symptomen anstreben. Ein Coach muss kein Psychologe oder Therapeut sein, sondern braucht eine gründliche Ausbildung in entlastender Gesprächsführung und geeigneten Methoden für Persönlichkeitsentwicklung und Konfliktlösungsinstrumenten.

Der Coach beeinflusst das Denken und Handeln des Klienten nicht steuernd. Vielmehr begleitet er den Klienten zu einer veränderten oder neuen Sichtweise, die dieser völlig ohne direkte Beeinflussung aus sich selbst heraus entwickelt. Alles, was der Coach tut, ist die richtigen Fragen zu stellen und die geeigneten Impulse zu setzen. Seine eigene Meinung, sein Glauben oder Wissen spielt dabei keine Rolle. Der Berater oder Trainer hingegen weiß, was gut für den Klienten ist aus seiner Sicht und teilt ihm das auch mit. Der Coach tut das auf keinen Fall. Der Coach ist lediglich ein aufdeckender Begleiter, denn alles ist im Klienten selbst bereits vorhanden.

Der innere Schweinehund spielt immer eine Rolle

Im Grunde geht es im Coaching wie im Training oder der Beratung um den Schweinehund, den wir alle haben. Seine Tipps sind es, die uns dazu bringen, das nicht zu tun, was notwendig wäre und das zu tun, was einfacher oder bequemer scheint. Er liefert uns dazu auch die notwendigen Argumente, und Ausreden, so dass wir uns für den Moment gut und im Recht fühlen. Bei einem Training können wir den Schweinehund kurzfristig zum Schweigen bringen, weil wir sehen, wie es gehen kann. Im Coaching ist unser Ziel die dauerhafte Verbannung des Schweinehunds, indem wir unsere persönlichen individuellen Denk- und Handlungsmuster nachhaltig durch eigene Erkenntnis verändern. Training vermittelt Wissen über Methoden, Coaching generiert Weisheit um die Persönlichkeit und den richtigen Umgang damit.

Fazit: Training und Beratung sind eine gute Sache – aber sie stellen definitiv kein Coaching dar. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, hier eine saubere Abgrenzung zu definieren, um Unsicherheiten, Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden. Innerhalb unserer kollegialen Berufssparten und vor allem bei den wichtigsten Menschen für unsere verschiedenen Professionen: unsere Kunden und Klienten, die nichts weniger als Klarheit in unserem Angebot verdient haben.

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