Wissenstransfer zwischen Unternehmen: Nutzen Sie die Synergieeffekte!

Veröffentlicht am 29. Juli 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Wissenstranser zwischen Unternehmen: Nutzen Sie die Synergieeffekte!„Wissensmanagement“ sollte heute selbstverständlicher Teil jeder Unternehmens-Strategie sein. Doch die Erfahrung zeigt: Gerade im Mittelstand stößt systematisch angelegter Wissenstransfer noch auf erhebliche Bedenken und ist dort flächendeckend noch immer nicht angekommen. Entscheidendes Hemmnis sind nicht fehlende IT-Tools oder unkreative Personalabteilungen, sondern: der Unternehmer selbst.

Mittelständische Firmen ähnelten über Jahrzehnte hinweg einer mittelalterlichen Trutzburg: Nichts mitteilen, alles geheim halten, Brücken hoch, wenn der Wettbewerber anrückt und sich selbst genug sein. Diese Mentalität entfaltet bis heute ihre Folgen in vielen Chefetagen: Wichtige Informationen liegen exklusiv beim Chef, der sie nicht einmal an die Führungskräfte, geschweige denn an die Mitarbeiter weiterleitet. In einer solchen Atmosphäre scheitern auch gut gemeinte Ansätze: Welcher Chef erhält schon eine ehrliche Antwort, wenn er seine Führungskräfte um Input zur neuen strategischen Ausrichtung des Unternehmens bittet? Außerdem stecken vielen Unternehmern die Erfahrungen der gescheiterten „Knowledge Management“-Projekte aus den 90er Jahren noch in den Knochen. Obwohl Wissen als Erfolgs-Ressource Nummer eins in vielen Sonntagsreden beschworen wird: Die Umsetzung bleibt schwierig.

Denken Sie über Ihr eigenes Unternehmen hinaus

Erfolgreiche mittelständische Unternehmen aber müssen heute weit über ihr eigenes Unternehmen hinaus- und in Synergieeffekten statt in Wettbewerbs-Kategorien denken. Ansätze dafür sind vorhanden: Seit einigen Jahren fördert das Bundesforschungsministerium sogenannte Industrie-Cluster (Software, Logistik u.a.), in denen Firmen ihre Forschungsanstrengungen bündeln; besonders intensive Firmen-Netzwerke (Maschinenbau Nordrhein-Westfalen) tauschen Mitarbeiter aus, gründen eine gemeinsame Führungsakademie oder realisieren Einkaufsvorteile durch gemeinsame Bestellungen.

Andere Modelle – wie die ursprünglich aus den USA stammende Unternehmer-Organisation Vistage - gehen noch einen Schritt weiter: Sie organisiert den systematischen, neutralen und nachhaltigen Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmern und ihren Firmen. In monatlich tagenden „Strategy Boards“ bereiten die Unternehmer wichtige Entscheidungen vor, diskutieren diese und vermeiden so teure Fehlentscheidungen – und beziehen oftmals ihre Führungskräfte mit ein. Die Unternehmer-Gruppen umfassen nie mehr als 15 Personen, die vorher durch einen Chairman, ebenfalls Unternehmer, gezielt ausgewählt werden. In den jeweiligen Gruppen herrscht Branchen-Exklusivität, und die Mitglieder, ausschließlich Geschäftsführer und Unternehmer, unterschreiben eine Verschwiegenheitserklärung.

Meetings: Fragestellungen, die diskutiert werden

Die Fragen in diesen Meetings – die durch persönliche Wissens-Coachings ergänzt werden, ähneln sich: Habe ich irgendetwas übersehen, habe ich einen Gesichtspunkt falsch bewertet, sind die Risiken meiner Entscheidung richtig gewichtet? Deshalb sind der Anspruch und die Vision von Vistage Germany mit zur Zeit über 100 Unternehmern in Deutschland als Mitgliedern auch anspruchsvoll, wie es im Markenversprechen der Organisation heißt: „Sie investieren in die Erfahrung und das Wissen von mehr als zehn anderen Unternehmern und Unternehmen“. Nur in einer solchen neutralen und vertrauensvollen, ohne taktische Überlegungen geprägten Atmosphäre kann es gelingen, auch mal seine kompletten Finanzzahlen auf den Tisch zu legen und offen zu diskutieren. Oder ein „Bid Paper“ für eine Übernahme unter unternehmerischen Gesichtspunkten zu erörtern. Oder eine wichtige Personalie offen zu diskutieren. Oft gehen solche Diskussionen außerordentlich tief und dauern mehrere Stunden.

Das Modell scheint sich zu bewähren: Die durchschnittliche Mitgliedschaft bei Vistage liegt bei über fünf Jahren, nach einer Untersuchung von Dun & Bradstreet erwirtschaften die Firmen 1,8 mal bessere Resultate als der Wettbewerb. Ob man diesen Zugriff auf das Know-how anderer Firmen nun als eine vertiefte Form des Netzwerkens bezeichnet, als eine Methode für praktische „Kollektive Intelligenz“ oder gar als eine neue kollaborative Art der Unternehmensführung der Zukunft, ist letztendlich nicht entscheidend. Es ist wichtig, diese Kooperation mit anderen Unternehmern zu wollen – und nicht mehr nur dem eigenen Bauchgefühl oder der eigenen Erfahrung zu vertrauen, die in unseren extrem komplexen Märkten oft nicht mehr ausreichen, Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

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