„Bei Familiennachfolgen heißt es oft: Die Jungen wollen, aber dürfen nicht!“

Veröffentlicht am 18. Mai 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Unternehmensnachfolgen sind häufig ein heikles Thema. Es stellt sich die Frage, wer als Nachfolger in Frage kommt. Übergibt man sein Unternehmen lieber einem "Fremden" oder doch einem Familienmitglied? Welchen Anspruch haben Übernehmer eigentlich auf Fördermittel und gibt es spezielle Programme für sie? Das und noch viel mehr fragte Unternehmer.de-Redakteurin Patricia Scholz den Übergabeberater Günter Balden.

Unternehmer.de: Was bringen Förderprogramme für die Übernahme von Unternehmen?

Günter Balden: Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der „Fördermittelberater“ hat ergeben, dass 70% der Befragten die Förderung von Unternehmensnachfolgen befürworten. Das hat seine Gründe. Zum einen würde es weniger Übernahmen geben, da die Kapitaldecke bei den Übernehmern in den meisten Fällen gering ist. Dadurch würden gute und sichere Arbeitsplätze gefährdet. Es ist für den Übernehmer zwar immer günstiger ohne fremdes Kapital auszukommen, jedoch ist eine Anschubfinanzierung sinnvoll, wenn ein marktfähiges Unternehmen übernommen werden soll und der Übernehmer in der Lage ist das zu übernehmende Unternehmen auch führen kann.

Sicherlich ist immer genau zu prüfen, ob er es kann und ob ein Unternehmen übergabefähig ist oder es unter dem abgebenden Inhaber noch übergabefähig gemacht werden muss („die Braut muss noch schön gemacht werden“). Ist aber zu erkennen, dass das Unternehmen saniert werden müsste ist 1. dem Übernehmer von der Übernahme abzuraten und 2. sollten dann schon gar keine Fördermittel eingesetzt werden, was die Hausbank mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sowieso nicht befürworten würde. Für den Übernehmer erschließt sich durch die Vergabe von Fördermitteln die Möglichkeit seinen Lebenstraum der Selbständigkeit zu verwirklichen. Auch für den Übergeber besteht mit Hilfe von Fördermitteln die Chance, dass sein Lebenswerk weitergeführt werden kann.

Unternehmer.de: Nur wenige Jungunternehmer bringen so viel Eigenkapital mit, dass sie den Übernahmepreis zahlen können. Wie geht man am besten an dieses Thema heran?

Günter Balden: Es sind diverse Prüfungen vorzunehmen:

  1. Ist der Übernehmer ein Unternehmertyp? Ist er fachlich, kaufmännisch und menschlich in der Lage ein Unternehmen zu führen? Kann er mit Schulden leben? Hat er den Biss „sein“ Unternehmen so schnell wie möglich schuldenfrei zu bekommen? Ist er allein oder hat er Partner? Spielt sein/e Familie/Partner mit?
  2. Um welche Summen handelt es sich? Ist der Kaufpreis gerechtfertigt? Wurde eine Unternehmensbewertung durchgeführt? Hat der Übernehmer genug Eigenkapital (15%)? Kann der Übernehmer ausreichend Sicherheiten stellen?
  3. Muss gekauft oder kann auch gepachtet werden?
  4. Kann das Unternehmen den Kapitaldienst bedienen?

Es gibt noch eine Vielzahl von Fragen, die vor Beantragung von Fördermitteln zu klären sind. Das hängt von der Art der Übergabe und von den Menschen, die sie durchführen wollen ab. Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, dass die Menschen zusammen passen müssen – die Chemie muss stimmen. Über das Finanzielle wird zum Schluss gesprochen, wenn man sich grundsätzlich einig ist – und bleibt.

Unternehmer.de: Muss man solche Förderungen nicht auch skeptisch sehen? Wer sich schon entschieden hat, zu übernehmen, der nimmt nur schnell das Fördergeld mit, wer nicht übernehmen will, wird doch selbst durch eine Förderung nicht umgestimmt, oder?

Günter Balden: Wenn es keine Förderung von Unternehmensnachfolgen gäbe, würde eine Vielzahl von Unternehmen und damit auch eine große Anzahl von Arbeitsplätzen gerade im Mittelstand vernichtet werden. Ich denke, es ist auch eine Aufgabe der Berater zu prüfen, ob der Übernehmer will. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sehr schnell erkennt, ob ein „Jungunternehmer“ es nur auf Fördermittel abgesehen hat oder er damit seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie und den der Mitarbeiter erwirtschaften will.

Günter Balden, Balden Consulting, www.balden-consulting.com

Selbst bei Übernehmern, die sich aus der Arbeitslosigkeit selbständig machen in dem sie ein Unternehmen übernehmen, ist schnell zu erkennen, ob sie den Gründungszuschuss als Sicherung des Lebensunterhaltes während der Gründungs-/Übernahmephase ansehen oder von ihrem Berater bei der Agentur für Arbeit in die Selbständigkeit – und somit aus der Statistik – gedrängt werden. Für die Bewilligung des Gründungszuschusses ist eine „fachliche Stellungnahme“ erforderlich. Auch hier sind die Berater, die diese Stellungnahme unterschreiben gefordert, nur dann das Gründungsoder Übernahmevorhaben zu befürworten, wenn sie geprüft haben ob das Vorhaben in Gänze eine auf Dauer angelegte Vollexistenz begründet.

Unternehmer.de: Welche Förderprogramme gibt es und welche sind besonders empfehlenswert?

Günter Balden: Die Frage ist nicht in dieser Abhandlung zu beantworten. Es gibt eine Fülle von Fördermitteln des Bundes, der Länder und Kommunen. Es ist auch entscheidend, wo das Vorhaben finanziert werden soll. Es kommt auf die Höhe des Eigenkapitals an, es kommt auf die Sicherheiten an und vieles mehr. Es gibt Fördermittel, die für bestimmte Branchen nicht zugänglich sind. Wenn man weiß, was man will und was man hat bzw. braucht, bietet sich neben den Förderberatern auch das Internet zu Recherche an. Es gibt vom Bund und von den unterschiedlichsten Verbänden und Unternehmen Angebote - die so genannten Förderrechner – die man als erste Informationsquelle nutzen kann. An einer detaillierten Beratung kommt man aber in der Regel nicht vorbei.

Unternehmer.de: Fördermittelanträge ausfüllen, macht den wenigsten Spaß und den meisten Angst. Warum? Und wie kann man dem entgegenwirken?

Günter Balden: Wenn man sich intensiv mit der Übernahme und somit auch mit der Finanzierung auseinander gesetzt hat, sollte es als zukünftiger Unternehmer nicht das größte Problem sein, einen Förderantrag auszufüllen. In den meisten Fällen macht das die Hausbank, die die Übernahme und die Finanzierung begleitet und die Förderanträge an die KfW weiterleitet. Förderungen für z.B. die Beratungsleistung eines Unternehmensberaters wird der Berater ausfüllen und dem Unternehmer zur Unterschrift vorlegen. Einige Anträge sind auch bereits online auszufüllen.

Unternehmer.de: Was ist vorteilhafter: Ein Unternehmen in der eigenen Familie weiterzugeben oder an einen "Fremden"?

Günter Balden: Wenn man einen potenziellen Nachfolger in der Familie hat, ist es sicherlich – auch für den Übergeber – erstrebenswert, das Unternehmen im Familienbesitz zu erhalten. Aber auch hier lauern Gefahren: der Generationskonflikt. Ich habe einige Familiennachfolgen begleitet. Es hat immer Konfliktstoff zwischen Übergeber (Vater oder Mutter oder beide) und Übernehmer (Sohn und Tochter oder beide) gegeben. Es hängt auch viel von der Weitsicht und der Entscheidungsfreudigkeit und vom Alter der Übergeber ab, wann sie ihre Unternehmen an ihre Nachkommen übergeben wollen. Sie müssen „Loslassen“ können. Die Jungen wollen - aber dürfen oft nicht.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmer der Auffassung sind, ihre Kinder sind noch nicht so weit. Sie verlangen von dem eigenen Nachwuchs auch wesentlich mehr Know-how, als von einem Fremden. Wichtig ist – und dass ist grundsätzlich meine Auffassung – man muss über alles rechtzeitig reden. Kommunikation ist der Weg. Wenn man Privates und Geschäftliches voneinander trennen kann, dann findet man auch heraus, ob der Junior es will oder kann. Mann kommt zu einem Ergebnis das entweder heißt: der Spross übernimmt oder es wird ein fremder Dritter gesucht.

Unternehmer.de: Gibt es Förderprogramme speziell für den Fall, dass die Übernahme zwischen Familienmitgliedern geschieht? Wie unterscheiden sie sich?

Günter Balden: Grundsätzlich ist jeder Übernehmer auch Existenzgründer. Es ist für einen Übernehmer aus der Familie, der ein gut eingesessenes Familienunternehmen übernehmen möchte sicherlich etwas leichter bei der Hausbank des Familienunternehmens, die die Geschäftslage und Entwicklung des Unternehmens kennt. Dennoch muss auch hier das volle Programm einer Existenzgründung/Übernahme bearbeitet werden. Für einen fremden Dritten, der sich auch bei den Banken als Unternehmer verkaufen muss, ist es insoweit aufwändiger, da er sich erst einmal in das bestehende Unternehmen hineinfinden muss. Die Fördermittel sind für Familienmitglieder und fremde Dritte aus meiner Kenntnis dieselben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Unternehmer.de: Wäre nicht eine Mitarbeiterbeteiligung eine schöne Lösung für eine Übernahme? Wird dies auch gefördert?

Günter Balden: Gerade im Bereich von KMU werden Mitarbeiter an den Unternehmensleistungen immer öfter beteiligt. Das hängt natürlich vom Führungsstil des Unternehmers ab. Wenn ein oder mehrere Mitarbeiter das Unternehmen übernehmen möchten sind sie auch Existenzgründer und haben dieselben Möglichkeiten der Übernahme wie ein fremder Dritter. Sie haben jedoch einen entscheidenden Vorteil – sie kennen das Unternehmen mit ihren Stärken und Schwächen.

Unternehmer.de: Vielen Dank Herr Balden für das interessante Gespräch!

(Bild: © pressmaster – Fotolia.com)