Verpatzter Auftritt? Sorgen Sie mit Medientrainings vor! (Teil I)

Veröffentlicht am 19. April 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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In Auftritts- und Medientrainings machen sich Unternehmer und Manager fit für Reden, Präsentationen, Talkshows und den Umgang mit Journalisten. Wer in den Zeitungen und Sendungen vorkommt, fördert das eigene Image und das seiner Firma.

Die Workshops sind Teil der Krisenprävention und damit so etwas wie eine Versicherung der Unternehmenswerte. Denn eine erfolgreiche Medienpräsenz mit positiver Publikumswirkung ist erlernbar. Und umgekehrt: Wer nicht übt, bleibt unsicher, erlebt Kalamitäten und verliert möglicherweise seinen Job.

Ein Beispiel: Der geschäftsführende Gesellschafter eines Unternehmens soll von einem Fernsehmagazin interviewt werden. Eigentlich will er keine Stellungnahme abgeben, denn es geht um ein unangenehmes Thema für die Firma. Aber sein Mehrheitsgesellschafter verlangt es von ihm. Also beantwortet er die Fragen des Reporters, ehrlich und offen geht er auf die Provokationen, Suggestivfragen und Unterstellungen ein. Zwar ist er nach dem Interview etwas verunsichert, doch er findet seine Argumentation schlüssig.

Als er dann aber einige Tage später vor dem Fernseher sitzend erlebt, was der Redakteur aus seinen Statements gemacht hat, ist er schockiert. Dass der Beitrag so vernichtend ausfallen würde, hatte er nicht für möglich gehalten. Offenbar sehr bewusst sind genau diejenigen Passagen ausgewählt worden, die den Geschäftsführer und sein Unternehmen maximal schlecht aussehen lassen. In dem Film wird der Eindruck erweckt, der kritikwürdige Einzelfall sei gang und gäbe bei dem Unternehmen und der befragte Geschäftsführer sei zu keiner Zeit Herr der Lage gewesen. Der Verlust an Reputation ist nicht in Zahlen zu beziffern; der Geschäftsführer erkennt den enormen kurz- und mittelfristigen Schaden.

Kampfthesen-Berichterstattung mit Unternehmen unter Generalverdacht

Solche Thesenfilme sind täglich in politischen und zeitkritischen Fernsehmagazinen wie Monitor, Frontal21 und Spiegel-TV-Magazin, in Wirtschaftssendungen wie Plusminus, WiSo und Markt, in Boulevardmagazinen wie Brisant, taff und Explosiv und sogar in Test-, Lebenshilfe- und Verbraucher-Sendungen zu sehen. Ganz abgesehen von lokalen und regionalen Sendern und ihren Programmen. Und selbst in Printmedien – vor allem bei Boulevardzeitungen – ist solcherlei Kampfthesen-Berichterstattung an der Tagesordnung: zuerst die Schlagzeile, dann deren bemühter Beweis – selbst wenn sie falsch ist.

Unternehmen stehen bei einigen Medien gleichsam unter Generalverdacht. Kurzum: Die Gefahren für die Wirtschaft sind groß, verrissen und schlecht gemacht zu werden – mitunter mit Existenz bedrohenden Folgen für die betroffenen Betriebe. Andererseits kann, wer die Regeln versteht, das Massenmedium nutzen, um sein Unternehmen bekannt zu machen und mit einem sympathischen, kompetenten, zukunftsfähigen und/oder pfiffigen Image zu versehen.

Ganz nebenbei sind Auftritte und Stellungnahmen im redaktionellen Umfeld um ein Vielfaches glaubwürdiger als Anzeigen und Werbeaussagen. Eine professionelle interne und externe Kommunikation mit viel Präsenz in den Medien spart einer Organisation u.U. viele Marketingausgaben ein. Es gibt also mindestens ebenso große Chancen wie Risiken im Umgang mit den Medien und vor allem mit dem Fernsehen.

Als Problemlöser statt als emotionsloser Technokrat auftreten

Doch noch zu oft divergieren Form und Inhalt. Wenn etwa der oberste Manager eines börsennotierten Unternehmens nach Werksstilllegungen und gleichsam als Trost für Tausende ehemaliger Mitarbeiter und deren Familien als wichtigste Botschaften im Fernsehinterview lediglich anzubieten hat, die für das laufende Jahr geplante 30-prozentige Erhöhung des Grundgehalts der Vorstandsmitglieder in einen Hilfsfonds einzubringen, dann wird dieses Verhalten von vielen Zuschauern als Zumutung empfunden.

Verantwortung, Fürsorge und Menschlichkeit hören sich anders an. Wer die Fehler bei anderen sucht, den „Opfern“ keine konkreten Angebote macht, keine Vision artikuliert und insgesamt wie ein Teil des Problems wirkt, statt wie dessen „Löser“, der bringt die Zuseher gegen sich auf und steht am Ende als technokratischer Unternehmensfunktionär da. Viele sehen sich in ihren Vorurteilen über gierige Manager bestätigt – selbst wenn der tatsächlich nur das Wohl des Gesamtunternehmens im Auge hat, wird es anders wahrgenommen.

Was wäre richtig gewesen? Verständnis zeigen: „Da sind uns Fehler unterlaufen. Das tut mir und allen Mitarbeitern sehr, sehr leid. Wir haben Verständnis für die Menschen, die uns jetzt Vorhaltungen machen.“ Das sind Sätze, die Menschlichkeit und Verantwortungsbewusstsein artikulieren. Anschließend sollten Lösungen, Ziele und erste Schritte präsentiert werden – vielleicht sogar die Vision, den meisten der Gekündigten in den nächsten Jahren wieder eine Stelle im Konzern anzubieten.

Der Problemlöser muss glaubwürdig eine kurzfristige, eine mittelfristige und eine langfristige Strategie aufzeigen, mit der die Krise überwunden werden kann. Und diese Schritte müssen plausibel sein. So macht er deutlich, dass er die Sache unter Kontrolle hat, dass er alles Nötige veranlasst hat und sich selbst kümmert.

Im zweiten Teil des Artikel erfahren Sie mehr darüber, wie sich Manager und PR-Verantwortliche mit Auftritts- und Medientrainings für den Krisenfall rüsten können.

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(Bild: © James Steidl – Fotolia.com)