Ist Ihre Webseite ein Irrgarten? Navigationsmechanismen helfen!

Veröffentlicht am 19. November 2010 in der Kategorie IT & Technik von

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Der Einsatz von Navigationsmechanismen soll dazu führen, dass sich Nutzer schnellstmöglich auf einer Website zurechtfinden und diese einfach und intuitiv nutzen können.

Dieses Ziel wird erreicht, wenn sich die Nutzer nicht mehr mit der Navigation beschäftigen müssen, sondern sich auf den Inhalt konzentrieren können.

Hierzu muss jedoch auf eine Reihe von Aspekten bei der Website-Gestaltung geachtet werden.

Theoretisches Grundlagenwissen

In der Online-Marketing-Literatur lässt sich eine Vielzahl von Regeln, Prinzipien und Methoden finden, die sich mit der Strukturierung und Gestaltung von Websites auseinandersetzen:

  • Die 7+/-2-Regel

Bei der sogenannten 7+/-2-Regel wird davon ausgegangen, dass das menschliche Gehirn sich am besten sieben Elemente, wie beispielsweise Menüpunkte, einprägen kann. Wenn es mehr als neun Elemente sind, kann es sehr schnell zu einer Überforderung der Nutzer kommen. Wenn es wiederum weniger als fünf Elemente sind, wird die Auswahl von den Nutzern kaum noch wahrgenommen. Somit bieten sieben Elemente, die in einem abgegrenzten Bereich sind, einen guten Anhaltspunkt bei der Gestaltung der Website.

Die 7+/-2-Regel bezieht sich auf die Gedächtnis-Leistung des menschlichen Gehirns. Die Regel kann dadurch getestet werden, dass Nutzern nach einer gewissen Weile das Menü weggenommen wird und sie sich anschließend an die einzelnen Menükomponenten erinnern sollen. Üblicherweise ist das Menü einer Website jedoch immer an derselben Stelle platziert, so dass die Regel damit nicht direkt anwendbar ist. Sie kann jedoch mit anderen Methoden, die im Folgenden noch genauer beschrieben werden, gut kombiniert werden und dadurch einen entscheidenden Erklärungsbeitrag leisten.

  • Das KISS-Prinzip

Bei dem sogenannten KISS-Prinzip geht es um den Grundsatz "keep it small and simple". Die Website sollte demnach auf jeder Seite gerade nur so viel Inhalt anzeigen, wie der Nutzer verarbeiten kann. Durch zu viel Inhalt wird der Nutzer in der Regel abgeschreckt, da er die Übersicht verliert. Falls auf der Website jedoch zu wenig Inhalt geboten wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Nutzer die Internetseite verlassen werden.

  • Der Mythos der 3-Klick Regel

Die 3-Klick-Regel geht davon aus, dass Nutzer, die mehr als drei Mausklicks brauchen, um zu dem gesuchten Inhalt zu finden, die Seite verlassen. Der Mythos stimmt jedoch nicht unbedingt, denn die Nutzer geben nicht grundsätzlich nach drei Klicks auf. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Nutzerzufriedenheit in keinem Zusammenhang mit der Klickanzahl steht.

  • Der Breadcrumb-Pfad

Der Breadcrumb-Pfad ist eine hierarchische Staffelung und zeigt dem Nutzer beispielsweise einen Verlaufspfad an. Der Pfad ist in der Regel so gestaffelt, dass er mit der Startseite beginnt und mit der Zielseite, zu dem der Anbieter den Internetnutzer leiten möchte, endet. Dem Nutzer sollte während der Navigation jederzeit die Möglichkeit geboten werden, zum Hauptmenü zurückkehren zu können.

Zwischenfazit zum theoretischen Grundlagenwissen

In der Online-Marketing Literatur wird häufig postuliert, dass es "das" Prinzip oder Modell gibt, das zum gewünschten Erfolg führt. Keines der Modelle bietet jedoch eine einwandfreie Musterlösung an, bei der nach einem Kochbuchrezept die optimale Navigation erstellt werden kann. Es wird klar, dass die Wahl der optimalen Prinzipien keineswegs trivial ist. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Modelle miteinander zu kombinieren und sich die passenden Komponenten auszuwählen, um einen treffenden Kontext- und Zielgruppenbezug herzustellen.

Wahl der Navigationsart

Bei der Gestaltung einer Website ist darauf zu achten, dass sich die Navigation der Nutzer in zwei verschiedene Ebenen unterteilt. So können Internetnutzer sich im Internet oder auf einer Website horizontal und/oder vertikal bewegen.

  • Horizontaler Navigation

Der Einsatz von horizontaler Navigation ist besonders zu empfehlen, wenn es sich um allgemeine und rein informationsbasierte Websites handelt. Kleine und mittlere Unternehmen setzen sie jedoch auch verstärkt auf komplexen Online-Shops ein. Bei der horizontalen Navigation verwenden die Nutzer Navigation Bars, Registrierkarten oder Drop-Down-Menüs. Diese können beispielsweise durch einen farbigen Hintergrund oder durch graphische Abbildungen voneinander abgehoben werden. Der wesentliche Vorteil an dieser Methode ist, dass sie wenig Platz beansprucht und damit wenig Inhalt verloren geht.

  • Vertikale Navigation

Eine vertikale Navigation eignet sich insbesondere bei Websites mit einem hohen Informationsaufkommen. Kleine und mittlere Unternehmen setzen beispielsweise auf vertikale Navigation, wenn sie in ihren Online-Shops über ein breites Sortiment verfügen. Listen von hierarchisch angeordneten Text-Links, aber auch Drop-Down bzw. Fly-Out-Menüs können für die Navigation verwendet werden. Genau wie bei der horizontalen Navigation können auch hier relevante Elemente farblich oder grafisch hervorgehoben werden. In der Literatur gibt es auch zu dem Thema der Platzierung von vertikaler Navigation keine einheitlichen Ergebnisse, in der Regel sind die Menüs jedoch linksbündig, oder zentriert-oben angegeben.

Zwischenfazit zur Wahl der Navigationsart

Sowohl horizontale als auch vertikale Navigation haben ihre Vor- und Nachteile. Diese müssen von jedem Unternehmen individuell gegeneinander abgewogen werden. Häufig kommt es jedoch auch zu Mischformen, bei denen beide Methoden eingesetzt werden.

Fazit: Website-Optimierung ist dynamisch!

Wie aufgezeigt wird, hängt die Gestaltung einer Website von dem Verhalten der Nutzer und deren Navigation auf der Website ab. Unterschiedliche Nutzergruppen haben nicht nur verschiedene Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten, sondern auch verschiedene Interessen, Ziele und Zeitdruck. Kleine und mittlere Unternehmen sollten sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, denn die Entwicklung einer Website ist ein dynamischer und kein statischer Prozess, sodass laufend gelernt und die Website verbessert werden kann.

Anwendungen wie Google Analytics Website Overlay ermöglichen den Unternehmen kostenfrei den Pfad ihrer Nutzer auf ihrer eigenen Internetseite zu analysieren.

Die Unternehmer.de-Leserfrage:

Sind Sie zufrieden mit  Ihrer Webseite? Was steht auf Ihrer To-Do-Liste?

Autoren
Sammar Keddo/Sonja Rodenkirchen (mehr zu Sammar Keddo in der Autorenbox weiter unten)

(Bild: © Winne - Fotolia.de)