NEG-Umfrage: So nutzen KMU das Internet!

Veröffentlicht am 15. Januar 2009 in der Kategorie IT & Technik von

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© Daniel Fleck #4531335Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit der Nutzung des Internets durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Dennoch bleibt häufig unklar, welchen Informations- und Beratungsbedarf diese Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen tatsächlich hat.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hat daher das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) in den Jahren 2005 und 2007 unter Federführung des E-Commerce-Center Handel (Köln) in einer empirischen Erhebung den Informations- und Beratungsbedarf speziell von kleinen und mittelständischen Unternehmen untersucht.

Aus diesen Untersuchungen konnten zahlreiche interessante Erkenntnisse zur zielgruppenspezifischen Ausgestaltung von Informations- und Beratungsangeboten gewonnen werden.

Die Entwicklungen im E-Business sind teilweise sehr schnelllebig. Angesichts der Dynamik des E-Business besteht die Gefahr, dass Ergebnisse schnell veralten. Um diesen Tendenzen Rechnung zu tragen, wurde die Studie im Juli 2008 wiederholt.

Der ausführliche Berichtsband zur Erhebung 'Elektronischer Geschäftsverkehr im Mittelstand und Handwerk' wurde im Dezember 2008 veröffentlicht und steht als kostenfreier Download zur Verfügung.

E-Business: Einige zentrale Studienergebnisse

Die Nutzung des Internets war auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen bereits in den Jahren 2005 und 2007 Normalität: Über 98 % der befragten Unternehmen verfügen heute wie damals über einen Internetzugang.

DSL hat in den letzten drei Jahren weiter an Bedeutung gewonnen: 81,5 % der Befragten nutzen diese Technologie (2005: 60,9 %; 2007: 79,5 %). Die Einsatzmöglichkeiten des Internets für den elektronischen Geschäftsverkehr sind überaus vielfältig.

Das Internet wird von den befragten Unternehmen zwar weiterhin überwiegend als Informations- und Kommunikationsmedium sowie zum Online-Banking genutzt, aufwändigere Anwendungen gewinnen aber zunehmend an Bedeutung.

Auf der anderen Seite werden die Potenziale vieler Internetoptionen erst ansatzweise ausgeschöpft. Grundsätzlich erwarten die Unternehmen jedoch für die nächsten Jahre einen deutlichen Anstieg ihrer Internetaktivitäten. Basierend auf diesen Ergebnissen kann davon ausgegangen werden, dass bis 2010 eine noch erheblich stärkere Integration des Internets in die Geschäftsprozesse von KMU erfolgt, als dies heute der Fall ist.

Bezüglich des Informationsbedarfs zeigt sich, dass vor allem zu den Themen 'Netz- und Informationssicherheit', 'Datenaustausch mit Externen' und 'Online-Recht' ein großes Informationsbedürfnis besteht.

Eine Vielzahl von Unternehmen interessiert sich darüber hinaus für weitere Aspekte des E-Business, angefangen von speziellen Softwarelösungen, neuen Technologien wie RFID, WLAN oder UMTS über Online-Werbung bis hin zum Wissensmanagement. Nur rund 11 % der Befragten gaben an, keinen Bedarf an Informationen zum E-Business zu haben.

E-Business: Top-Themen bleiben bestehen

Bei einem Vergleich der aktuellen Ergebnisse zum Informationsbedarf der KMU mit den Werten aus dem Jahr 2007 fallen zwei Aspekte sofort ins Auge: Erstens ist die Reihenfolge der Themen nach Wichtigkeit bei beiden Untersuchungen nahezu identisch: Die Top-Themen des Jahres 2007 sind auch die des Jahres 2008. Zweitens liegen die Werte der aktuellen Erhebung zumeist etwas unterhalb derer aus dem Vorjahr. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die umfassenden Informationsangebote von Verbänden, Kammern und nicht zuletzt von Förderinitiativen wie dem NEG Wirkung zeigen.

Eine Analyse des Informationsbedarfs nach Unternehmensgröße zeigt aufschlussreiche Ergebnisse. Es zeigt sich, dass bei der Einschätzung des Informationsbedarfs zu den meisten Themen Einigkeit über Unternehmensgrößen hinweg besteht. Bei drei der wichtigsten Themen des E Business 'Online-Recht', 'Online-Verkauf' sowie 'Zahlungssysteme' existieren jedoch hoch signifikante Unterschiede.

Web 2.0 in aller Munde

Das Schlagwort Web 2.0 ist in aller Munde: Lediglich 13,5 % der befragten Unternehmen gaben an, Web 2.0-Dienste und -Anwendungen nicht zu kennen. Noch spielt Web 2.0 für KMU keine allzu große Rolle, wie die geringe Einbindung von Web 2.0-Diensten aufzeigt.

Die Ziele, die Unternehmen durch die Nutzung von Web 2.0 erreichen möchten, sind jedoch äußerst vielfältig. Informationsgewinnung und Repräsentation des Unternehmens nach außen stehen dabei an erster Stelle.

Ein Vergleich der Bedeutung der Ziele zwischen kleinen und größeren Unternehmen zeigt, dass sowohl Reihenfolge als auch Gewichtung nahezu übereinstimmen. Kleine Unternehmen messen den Zielen von Web 2.0-Diensten und -Anwendungen fast immer eine leicht höhere Bedeutung bei.

Die größten Unterschiede zeigen sich bei den Aspekten 'Umsatzsteigerung' und 'zusätzlicher Absatzkanal', die für die kleinen Unternehmen von größerer Bedeutung sind. Die beiden Ziele 'Kosteneinsparung' und 'Produktivitätssteigerung' zeigen bei großen Unternehmen einen höheren Wert auf.

Web 2.0-Dienste und -Anwendungen bieten jedoch für Unternehmen nicht nur Chancen, sie können auch Risiken mit sich bringen. So sind insbesondere Fälle von Datenmissbrauch, Scheinbewertungen oder gezielter Fehlinformationen in Foren und Blogs immer wieder Gegenstand einer kritischen Diskussion.

Mehr als die Hälfte (58,2 %) der befragten KMU erkennen in Web 2.0 entsprechende Gefahren und Risiken. Lediglich 18,9 % stufen Web 2.0 als grundsätzlich ungefährlich ein, während 22,9 % der Befragten keine Meinung zu diesem Thema äußern.

Second Life?

Die virtuelle Welt Second Life, die eine enorme Medienresonanz erfahren hat, scheint bei den KMU bislang kaum eine Rolle zu spielen. Zwar kennt immerhin jedes zweite Unternehmen Second Life, jedoch nutzen nur 1,7 % der Befragten diese Plattform tatsächlich.

Die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen (96,0 %), die Second Life kennen, ist dort nicht vertreten und plant auch in absehbarer Zeit keinen Unternehmensauftritt. Eine Unterscheidung der Unternehmen nach Branchen zeigt jedoch deutliche Differenzen auf. So kennt lediglich ein Drittel der Unternehmen im Handwerkssegment Second Life, während im Dienstleistungsbereich zwei Drittel der Befragten bereits von dieser virtuellen Welt gehört haben.

Der komplette Berichtsband zur Studie steht als kostenfreier Download zur Verfügung.

Autoren

Dr. Kai Hudetz und Dipl.-Kffr. Aline Eckstein. Dipl.-Kffr. Aline Eckstein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln und dem dort angesiedelten ECC Handel. Schon während ihres Studiums der Betriebswirtschaftslehre, an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt am Main, beschäftigte sie sich intensiv mit E-Commerce. Als Produktmanagerin eines pharmazeutischen Unternehmens sammelte sie erste praktische Erfahrungen in den Bereichen Onlineshops, Seitenoptimierung und Suchmaschinenmarketing. Frau Eckstein ist beim ECC Handel unter anderem für die Bereiche Kundenakquisition, Kundenbindung sowie Zielgruppen und Konsumentenverhalten verantwortlich.

Mehr über Dr. Kai Hudetz erfahren Sie in der unten stehenden Autoren-Information.

(Bild: © Daniel Fleck - Fotolia.de)