Der Internet-Auftritt: So betreiben Sie strategisches Domain Management

Veröffentlicht am 9. März 2010 in der Kategorie IT & Technik von

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BrowserMarkenschutz durch strategisches Domain Management: Die Wahl der richtigen Domains spielt für einen professionellen Internet-Auftritt eine zentrale Rolle.

Ein strategischer Ansatz ist nicht schwierig, wenn man ein paar Grundregeln befolgt. Sieben dieser Regeln nennt Ihnen der folgende Artikel von Frank Schulz.

Regel Nr. 1: Domain-Management-Ziele unternehmensweit festlegen

Die Online-Strategie eines Unternehmens bestimmt sein Domainportfolio. Je nach Geschäftsmodell und gewünschter Internetpräsenz kann die Verantwortung für Aufbau, Verwaltung und Schutz eines solchen Portfolios z.B. bei Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb oder auch Rechtsabteilung liegen.

Bei der Domainregistrierung werden die Markenschutz- und die Markenpromotions-Strategie unterschieden.

Die Markenschutz-Strategie bietet sich an, wenn Marken vor Missbrauch oder Verwässerung geschützt werden sollen:

  • Registrierung populärer generischer Top Level Domains (gTLDs): biz, com, info, net, org
  • Registrierung kostengünstiger länderspezifischer Top Level Domains (country code TLDs, ccTLDs): at, be, cc, ch, cn, co.uk, dk, eu, it, nl, ru, tv, us, ws
  • Beschränkung der Registrierung auf Ziele, für die Domainmissbrauch wahrscheinlich ist, wie berühmte Marken, Handelsmarken, Slogans "Suck sites", Slogans für Namen, die aus zwei Wörtern bestehen, Marken und Produkttypen (z.B. www.banknamehypothek.com), Singular und Plural, übliche Tippfehler inklusive internationalisierter Domainnamen oder Namen bekannter Führungkräfte

Die Markenpromotions-Strategie eignet sich v.a. für Unternehmen, die ihre Marken weltweit bekannt machen wollen.

  • Registrierung sämtlicher gTLDs
  • Fokussierung auf wichtige ccTLD-Erweiterungen: ar, asia, at, au, be, br, ca, cc, ch, cn, cz, de, dk, eu, fr, it, jp, kr, nl, no, nu, nz, pl, ru, se, tv, tw, uk, us, ws, za
  • Fokussierung auf die Top E-Commerce-Länder: at, br, ca, co.mx, co.uk, de, fr, jp, it, nl
  • Registrierung einer Vielzahl von Variationen wie Handelsmarken, Slogans, Marken und Produkttypen, Singular und Plural, übliche Tippfehler, internationalsierte Domainnamen, Third-Level-Domains.

Regel Nr. 2: Unternehmensweite Richtlinien und Prozesse für Transparenz und Sicherheit

Fraglich ist: Wer darf Domainnamen neu erwerben, verändern oder verlängern? Wer löst Konflikte? Wer soll vom Registrar z.B. über erforderliche Domainverlängerungen informiert weden?

Gibt es einen Überblick über die unternehmensweit zu registrierenden Marken, können kurzfristig verfügbare ccTLD-Angebote schnell genutzt werden. Gehen Domains doch einmal verloren, hilft ein vorbereiteter Notfallplan, Schaden zu minimieren.

Regel Nr. 3: Einheitliche Domainnamen sorgen für Klarheit

Hierfür sind nicht nur alle registrierten Domains zu identifizieren, es muss auch sichergestellt werden, dass die gefundenen Domains definierte Standards einhalten und alle Kontaktinformationen aktuell sind. Schließlich müssen die Domains mit Hilfe einer Online-Datenbank verwaltet und überwacht werden.

Anforderungen an die Datenbank sind eine anpassbare Benutzeroberfläche mit (Rechte-) Verwaltung für eine Vielzahl von Usern und Niederlassungen, die Möglichkeit von Massenregistrierungen und -änderungen, Sortier- und Filterfunktionen, einer Funktion für die automatische Erneuerung und eine detaillierte und flexible Abrechnung

Regel Nr. 4: Nur ein Registrar, der alles kann

Die steigende Popularität von ccTLDs hat die Zunahme missbräuchlicher Registrierungen geschützter Namen zur Folge. Die ccTLD-Richtlinien sind international sehr unterschiedlich und machen es schwer, Rechte durchzusetzen.

Der beauftragte Registrar sollte daher das komplette ccTLD-Spektrum abdecken und über lokale Niederlassungen verfügen. Nur einen einziger Registrar zu beauftragen, reduziert die Kosten und erhöht die Qualität des Domainportfolios.

Regel Nr. 5: Wertvolle Domains sichern und schützen

Domains, die zu Unternehmenswebseiten, Webseiten mit hohem Traffic-Aufkommen oder zu E-Commerce-Seiten führen, sind wertvoller als solche, die nur Cyber- oder Typosquatting verhindern sollen. Hochwertige Domains sind zu schützen, indem sie für die maximal mögliche Dauer registriert und regelmäßig erneuert werden.

Eine Sperrung der Domain verhindert ihren unauthorisierten Transfer zwischen Registrierungsstellen und DNS-Änderungen.

Regel Nr. 6: Ein Auge auf Domains haben

Domain Name Monitoring zeigt, welche Domains Dritte registrieren und hilft so, Missbrauch vorherzusehen und zu bekämpfen.

Diverse Dienstleister informieren über neu registrierte sowie zurückgegebene Domains sowie den Status jeder gefundenen Domain und sie liefern Echtzeit-Links zum Whois-Datensatz der gefundenen Domains.

Regel Nr. 7: Verlorene Domains zurückerobern

Für den Fall, dass Domains zurückerobert werden müssen, kann ein Unternehmen auf gerichtliche Verfahren setzen oder schiedsgerichtliche und nichttraditionelle Methoden nutzen. Zu den schiedsgerichtlichen Methoden zählen UDRP-Verfahren von ICANN, die zu rund 85 Prozent der Fälle zugunsten der Beschwerdeführer entschieden werden. Eine Alternative sind Verfahren nach ACPA, dem Anti-Cybersquatting Protection Act. Mit Hilfe des ACPA erreicht man seine Ziele meist schneller als mit UDRP.

Nichttraditionelle Methoden eignen sich, wenn UDRP oder gerichtliche Auseinandersetzungen z.B. wegen der damit verbundenen öffentlichen Aufmerksamkeit oder Dauer nicht in Frage kommen. Ein Dienstleister, der Services für die Domain-Akquisition anbietet, kann hier die gewünschten Domains für das Unternehmen anonym und oft kostengünstiger erwerben als das Unternehmen selbst.

Eine weitere Möglichkeit, Domainnamen schnell wiederzuerlangen, bietet die Meldung inkorrekter Whois-Angaben an ICANN. Drängt die Zeit nicht, können auch die Ablaufdaten von Domains beobachtet und frei werdende Namen registriert werden. Allerdings nur, wenn der Erwerb einer Domain kein Muss ist.

Fazit

Domainportfolios können für Unternehmen eine Herausforderung sein. Durch dezentralisierte und uneinheitliche Prozesse riskieren Markeninhaber gravierende Lücken im Domain-Portfolio, das Ablaufen der Registrierungsfrist oder den Verlust von Domains an oft böswillige Dritte.

Unternehmen, die ihre Domains als wertvoll erkennen, setzen auf strategisches Domainmanagement. Ausgereifte Instrumente und erfahrene Dienstleister schützen ihre Rechte aktiv wie passiv.

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(Bild: © Alexey Lemeshkov - Fotolia.com)