Autonome Autos: Wie sollen sie bei einem Unfall entscheiden?

Veröffentlicht am 26. Oktober 2018 in der Kategorie IT & Technik von

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Unausweichlicher Unfall: Moralisches Dilemma auch bei autonomen Autos


In ein Entscheidungsdilemma können auch autonome Fahrzeuge geraten. Die zentrale moralische Frage:

Wie sollen autonome Autos bei einem Unfall reagieren, bei dem es auf jedem Fall zu einen Schaden kommt?

In einer weltweiten Umfrage kamen US-Forscher auf eine Antwort. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer würde eher Kinder als Erwachsenen oder ältere Personen verschonen. Auch Menschen würden sie eher ausweichen als Tieren. Die Forscher um Iyad Rahwan vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge schrieben im Journal "Nature", dass die Ergebnisse stark kulturabhängig sind.

Die Internet-Umfrage "Moral Machine" sorgte auf der ganzen Welt für Schlagzeilen. Fast 40 Millionen Entscheidungen konnten die Forscher, dank der großen Beteiligung an der Umfrage, für bestimmte Dilemma-Situationen analysieren. Überproportional waren junge Männer vertreten, was die Befragung daher nicht repräsentativ macht.

Akzeptiert die Gesellschaft autonome Fahrzeuge?

Wollen sich die Menschen solche Entscheidungen überhaupt abnehmen lassen? Durch ihre Befragung wollten Rahwann und Kollegen herausfinden, ob die Nutzung autonomer Autos überhaupt auf Zustimmung stößt:

"Selbst wenn sich die Ethiker einig wären, wie autonome Fahrzeuge moralische Dilemmata lösen sollten, wäre ihre Arbeit nutzlos, wenn die Bürger ihrer Lösung nicht zustimmten würden."

In einem konkreten Fallbeispiel versagten etwa die Bremen des Fahrzeugs:

  • Sollen lieber drei ältere Personen, die bei einer roten Ampel die Straße überqueren, überfahren werden oder soll der Wagen lieber gegen eine Betonwand gelenkt werden? Letzteres hätte den Tod der Insassen, unter denen ein Junge ist, zur Folge.

Über diese und acht weitere unterschiedliche Situationen mussten die Befragten entscheiden.

Weitere Entscheidungssituationen: Wer soll überfahren werden?

  • Männer oder Frauen?
  • Jüngere oder Ältere?
  • Fahrzeuginsassen oder Fußgänger?
  • Sportliche oder Unsportliche?
  • Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status?

Nach der Befragung ergaben sich bei der Auswertung nach Ländern drei große Gruppen: Das östliche, westliche und das südliche Cluster.

Durch die Entscheidung eher die älteren Menschen als die jüngeren Menschen zu verschonen, hebt sich das östliche Cluster ab. Dazu zählen die asiatischen Länder. In diesen spielt der Respekt gegenüber Älteren in der Gesellschaft eine zentrale Rolle.

Der wesentliche Unterschied zwischen dem westlichen Cluster (Europa, Nordamerika) und dem südlichen Cluster (Mittel- und Südamerika) liegt darin, dass die Mittel- und Südamerikaner viel häufiger selbst eingreifen würden anstatt auf das Lenken zu verzichten.

Teilweise weichen die die Ergebnisse der "Moral Machine" von den Regeln des Berichts "Autonomes und vernetztes Fahren", der von der deutschen Ethik-Kommission im Juni 2017 niedergelegt wurde, ab.

Regel Nummer 9

"Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt."

So heißt es in der Regel Nummer 9. Drei Sätze weiter, in der selben Regel, steht:

"Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern."

Ein Großteil der weltweit Befragten haben, laut den Ergebnissen der Studie, jedoch andere moralische Vorstellungen.

Silja Vöneky, von der Universität Freiburg, findet das Ziel, eine Debatte über die "ethische Programmierung" von selbstfahrenden Autos zu führen, bevor sie auf den Straßen fahren dürfen, grundsätzlich richtig.

"Wir sollten aber nicht glauben, dass wir alle Normen und Prinzipien neu erfinden oder ändern müssen, nur weil es um eine neue Technik geht."

Zusammen mit den Menschenrechten existieren bereits rechtlich bindende ethische Prinzipien. Außerdem gab es Dilemma-Situationen auch schon vorher.

Vor den Schlussfolgerungen der Studie warnt Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie mit folgenden Worten:

"Weder aus Spielen noch aus Umfragen kann etwas über die ethische Zulässigkeit von Normen gelernt werden. Ansonsten könnte nach jedem schweren Verbrechen eine Umfrage gemacht werden, die mit ziemlicher Sicherheit für die Einführung der Todesstrafe ausgehen würde."

Quelle: dpa

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