Der optimale Virtualisierungs-Mix (Teil I)

Veröffentlicht am 6. Dezember 2011 in der Kategorie IT & Technik von

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Fragt man einen IT-Experten nach der Technologie der Stunde, lautet die Antwort oft: Virtualisierung. Doch auf welche Variante sollen Unternehmer setzen? Die Lösung heißt: Virtualisierungs-Mix.

Die Virtualisierung von Computerarbeitsplätzen dürfte die nahe und mittelfristige Zukunft der Informationstechnologie prägen wie einst die Einführung des Personal Computers. Virtualisierung bringt zahlreiche Vorteile mit sich wie etwa eine zentrale und damit erheblich vereinfachte Administration, gepaart mit minimierten Ausfallzeiten und gesteigerter Produktivität. Letztendlich soll die Virtualisierung zu einer nachhaltigen Senkung der Gesamtbetriebskosten einer EDV-Infrastruktur beitragen.

Unter Virtualisierung von User-Arbeitsplätzen versteht man im Allgemeinen zwei unterschiedliche Technologien. Auf der einen Seite gibt es die seit vielen Jahren bewährte Terminalserver-Technik von Microsoft – im heutigen Fachjargon als Remote Desktop Services bezeichnet. Auf der anderen Seite macht die Desktop Virtualisierung, auch unter dem Namen Virtual Desktop Infrastructure (VDI) bekannt, seit relativ kurzer Zeit auf sich aufmerksam. Beide Technologien führen zu einer zentralisierten IT, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Mit der Anwendungsvirtualisierung existiert mittlerweile eine dritte Technologie, die RDS und VDI optimal ergänzt.

Vorteile der Virtualisierung
Eine virtualisierte IT-Umgebung vereint mehrere Vorteile – sowohl in administrativer als auch in kaufmännischer Hinsicht. Die zentrale Erbringung der Rechenleistung verdoppelt in etwa die Nutzungsdauer der Endgeräte. Zudem besteht die Möglichkeit auf Strom sparende, sehr dauerhaltbare Endgeräte, Thin Clients genannt, auszuweichen. Zugleich verringert sich der Administrationsaufwand, da fast alle Aufgaben von zentraler Stelle aus erledigt werden können. Die aufwändige und Zeit raubende Administration der einzelnen Endgeräte entfällt weitestgehend. Da sich Mitarbeiter über einen persönlichen Zugang an den Endgeräten anmelden, können sie praktisch jeden Client im Unternehmen – auch mobil und an Außenstandorten – nutzen. Ausfallzeiten werden überdies extrem verringert, da am Austauschgerät keine Installationen oder Einstellungen vorgenommen werden müssen. Und zu guter Letzt erhöht die zentrale Datenhaltung auch Datenschutz und Datensicherheit.

Virtualisierung – ein kurzer Überblick
Remote Desktop Services (RDS) und Virtual Desktop Infrastructure (VDI) sind moderne Ausprägungen des bereits in den 1980er Jahren entstandenen Server Based Computings. Während bei RDS Applikationen auf zentralen Servern mit einheitlichem Betriebssystem installiert und diese den Anwendern an den Endgeräten mitsamt der grafischen Oberfläche bereitgestellt werden, hält eine VDI-Umgebung für jeden User einen vollständigen personalisierten Desktop mit lokal installierten Anwendungen vor, der innerhalb einer virtuellen Maschine auf dem Server ausgeführt wird. Die wesentlichen Unterschiede dieser beiden Virtualisierungstechnologien zeigen sich in erster Linie beim Administrations- und Kostenaufwand. Auf Anwenderseite hingegen fallen die Unterschiede deutlich weniger ins Gewicht. Während bei RDS alle Anwendungen auf zentralen Terminalservern innerhalb eines Server-Betriebssystems ausgeführt und den einzelnen Anwendern in so genannten Sessions zur Verfügung gestellt werden, stellt VDI den Anwendern vollständige Desktop-Umgebungen mit einem Desktop-Betriebssystem und allen benötigten Applikationen zur Verfügung. Die Desktops selbst werden auf zentralen Servern als virtuelle Maschinen ausgeführt. Jede virtuelle Maschine beinhaltet dabei meist eine vollständige Instanz des Betriebssystems.

Funktionsweise der Virtual Desktop Infrastructure (VDI)

Für die meisten Unternehmen eignet sich die RDS-Technik schon allein aufgrund der sehr einfachen Administration und der geringen Gesamtbetriebskosten – vor allem im Vergleich zu klassischen Client-Server-Architekturen. Der Administrationsaufwand einer RDS-Umgebung steigt auch bei hohen Anwenderzahlen nur marginal an. Anders sieht es hier bei der Nutzung virtueller Desktops aus. Deren Verwaltung bedeutet gerade bei hohen Userzahlen einen deutlichen Mehraufwand gegenüber RDS. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Anwender einen hohen Personalisierungsgrad ihrer Desktops wünschen. Dann steigen neben dem Administrationsaufwand auch der Speicherbedarf und damit die Gesamtbetriebskosten gegenüber einer reinen RDS-Umgebung. Für bestimmte Anwendungsfälle ist VDI dennoch die beste Lösung. Gerade in Unternehmen mit Power-Usern und Knowledge-Workern, die oftmals hochkomplexe Anforderungen an die EDV stellen, spielt die VDI-Technik ihre spezifischen Stärken aus. Denn die erforderlichen, höchst anspruchsvollen Spezialanwendungen lassen sich oftmals nicht auf einem Terminalserver installieren und ausführen, sondern setzen einen dedizierten Desktop voraus.

Darstellung des Remote Desktop Services (RDS)

Eine ebenfalls noch relativ junge Technologie ist die Anwendungsvirtualisierung. Die Idee hinter dieser Technologie ist die Bereitstellung von Anwendungen in Form gestreamter oder paketierter Applikationen, die nicht installiert werden müssen. Vielmehr werden beim Programmaufruf alle benötigten Programmteile geladen und in Form eines geschlossenen Prozesses (in einer sogenannten ‚Sandbox‘) an den Endgeräten bereitgestellt. Einmal vorgenommene Einstellungen lassen sich beim Beenden des Programms auf dem Server speichern, sodass sie beim nächsten Start der Anwendung wieder zur Verfügung stehen. Damit eignet sich Anwendungsvirtualisierung insbesondere als Ergänzung zur RDS-Technik, wenn Anwendungen ausgeführt werden müssen, die sich nicht oder nur mit Einschränkungen auf einem Terminalserver installieren lassen. Auch Anwendungen, die erfahrungsgemäß nicht miteinander harmonieren, können dank Anwendungsvirtualisierung innerhalb einer Terminalserver-Sitzung parallel genutzt werden. Die erforderlichen Lizenzen sind dabei durch die RDS-CALs bereits abgedeckt.

Im zweiten Teil des Beitrags erhalten Sie weitere Informationen zum richtigen Virtualisierungs-Mix sowie Tipps zur Umsetzung einer solchen Rechnerstruktur in einem Unternehmen.

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