Der Startup-Report: Lokale Netzwerke im Trend

Veröffentlicht am 1. September 2011 in der Kategorie IT & Technik von

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Ein Vorurteil gegenüber sozialen Online-Netzwerken ist, dass sich deren Nutzer immer weiter von der realen Welt entfernen. Kritiker behaupten, durch die Kommunikation über Plattformen wie Facebook oder Twitter würden echte Freundschaften vernachlässigt.

Ein neuer Trend geht in eine ganz andere Richtung: Eine wachsende Zahl an Startups gründen Plattformen, auf denen sich Internetnutzer auch offline miteinander vernetzen können. Die User nutzen das Internet nur noch als Anstoß für ein Treffen in der realen Welt. Anbieter wie Placeboard oder Spreet It verfolgen damit ein ganz anderes Prinzip als Netzwerke wie Facebook oder Google Plus, die ihren Funktionsumfang ständig erweitern, um die Nutzer so lange wie möglich vor dem Rechner und auf ihrem Angebot zu halten.

Schwarzes Brett online

Placeboard ist eine Plattform, die wie ein schwarzes Brett funktioniert. Jeder Nutzer kann darauf ein virtuelles Board anlegen – entweder für den gesamten Stadtteil oder für die eigene Straße. Im ersten Schritt gibt man auf der Startseite seine Adresse ein und wird informiert, ob bereits ein entsprechendes schwarzes Brett besteht. Nun kann man entweder ein neues Board anlegen oder Informationen auf dem bereits existierenden Info-Board hinterlassen. Von Gesuchen, Verkaufsangeboten, Informationen zu Veranstaltungen, Ausschreibungen bis zur Vermisstenanzeige für den entlaufenen Hund kann hier alles veröffentlicht werden.

Doch das Angebot lässt sich auch offline nutzen: Mit Hilfe des Anzeigenkonfigurators kann ein Aushang erstellt werden, der alle Details zur veröffentlichten Mitteilung enthält. Zusätzlich finden sich auf dem Aushang die typischen Abrisszettelchen mit Telefonnummer und ein QR-Code-Feld für weiterführende Informationen.

Ähnlich funktioniert Gemeindebrett.de: Auch hier können Termine und Bekanntmachungen veröffentlicht werden. Der Dienst ist noch sehr neu, daher finden sich noch überwiegend leere Info-Boards auf der Seite.

Die Idee für die Plattform entstand im schwäbischen Ort Kickingen. Alle Vereine des Dorfes pflegen seit 1996 einen gemeinsamen Terminkalender, damit sich die Termine der einzelnen Veranstaltungen nicht überschneiden. Als einige Jahre später ein Nachbarort diese Idee übernahm, entstand auch die Idee, einen lokalen Kalender für alle Orte in Deutschland zu erstellen. Aus dem Fest-Kalender in Papierform wurde gemeindebrett.de.

Menschen aus der Umgebung kennenlernen

Auf Spreet It können Nutzer kurze Botschaften in einer Karte veröffentlichen

Auch das Hamburger Startup Spreet It verbindet die Online- mit der Offline-Welt. Registrierte Mitglieder können über die Plattform sogenannte „Shouts“ veröffentlichen – das sind kurze Anfragen und Nachrichten wie folgende: „Suche Neoprenschuhe in der Größe 45/46, geeignet für Windsurfer. Vorgeschlagener Preis ist 15 Euro“ oder „Suche Jogging-Partner für Mittwoch und Freitag ab 19 Uhr, Strecke ca. 9 Kilometer“. Anderen Nutzern wird der „Shout“ auf einer Karte angezeigt und sie können ganz unkompliziert mit dem Inserenten Kontakt aufnehmen. Zusätzlich kann jede Botschaft mit Schlagworten versehen werden, um eine gezielte Suche nach bestimmten Begriffen zu ermöglichen.

Niriu setzt auf ein ähnliches Prinzip, ist allerdings erst in der Betaphase. Der Nutzerkreis ist vorerst auf die Hamburger Stadtteile Altona, Altstadt, Ottensen und Bahrenfeld beschränkt. Über die Plattform können sich User zu Kochabenden oder zum Tischtennisspielen verabreden – und so die Menschen aus ihrem direkten Umfeld besser kennenlernen.

Blick in die Zukunft

Der Trend zur Online-Offline-Vernetzung ist noch jung, allerdings gibt es dazu einige interessante Ansätze. Sollten die Nutzerzahlen weiter steigen, könnte das Prinzip der sozialen Netzwerke auch in der Welt außerhalb des Internet funktionieren.

Quelle: www.deutsche-startups.de