Freeware für Selbständige und KMU (Teil III): Bildbearbeitung und Publishingsoftware

Veröffentlicht am 18. Juli 2011 in der Kategorie IT & Technik von

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Grafische Arbeiten sind heute beinahe genauso standardisiert - was die verwendete Software angeht - wie die typischen Office-Anwendungen. Für die Bearbeitung und Erstellung von Bildern und Grafiken kommt überwiegend Adobe Photoshop zum Einsatz. Das Layouten und setzen von Magazinen, Zeitschriften, Broschüren und Flyern wird mit Adobe InDesign erledigt. Beide Programme sind hervorragend in Bezug auf Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit, allerdings lässt sich Adobe dies einiges kosten. Die aktuellen Preise im Amazon-Onlineshop betragen 899,- € für Photoshop und 1.090,44 € für die Publishing-Software InDesign (jeweils in der aktuellsten Version CS5). Mit einer ähnlich großen Funktionsvielfalt in den Anwendungsbereichen Bildbearbeitung und Publishing treten die Open Source-Produkte „The GIMP“ und „Scribus“ in klassischer „David gegen Goliath“- Manier an um den etablierten Adobe- Produkten das Fürchten zu lehren.

Hochwertige Bildbearbeitung gratis und auf deutsch – The GIMP

Obwohl relativ unbekannt kann GIMP auf eine lange Geschichte zurückblicken. Bereits 1996 erschien die erste Version, die seitdem von einer regen Entwicklergemeinde kontinuierlich verbessert und erweitert wird. Mittlerweile liegt das Programm in der Version 2.6.11 für Windows-, Macintosh- und Linux-Betriebssysteme vor – Version 2.7. gibt es bereits als Beta-Version. An Photoshop gewöhnte User werden sich nach dem Start von GIMP zunächst über die drei Fenster wundern, die sich nach dem Start öffnen – ein Hauptfenster welches das gerade bearbeitete Bild zeigt und zwei zusätzliche Werkzeugleisten mit Bearbeitungs-Funktionen. Photoshop kommt hier wesentlich konsistenter und aufgeräumter daher und punktet in Sachen Übersichtlichkeit. Wenn man die Benutzerführung allerdings erst einmal verstanden hat, arbeitet GIMP sehr schnell und kommt zudem mit wesentlich niedrigeren Hardwareanforderungen aus als sein großer Konkurrent. Photoshoperfahrene Nutzer von Microsoft Windows können zur Vereinfachung der Bedienung auf GIMPshop umsteigen. Diese Version von GIMP besitzt eine Oberfläche, die der von Adobes Photoshop nachempfunden und deutlich intuitiver zu bedienen ist. Leider wird diese Variante von GIMP seit einiger Zeit nicht mehr weiterentwickelt und funktioniert nur bis Windows XP. Auf den neueren Varianten Vista und Windows 7 ist die Software instabil und neigt zu Abstürzen.

Fazit: The GIMP ist ein sehr solides Bildbearbeitungsprogramm mit umfangreichen Funktionen und flotter Performance. Mit Adobes Photoshop kann es die kostenlose Software nicht in allen Bereichen aufnehmen. Der wesentlichste Kritikpunkt ist die fehlende Unterstützung des CMYK-Farbraumes, der für die Erstellung von Print-Produkten benötigt wird- GIMP beherrscht von Haus aus nur RGB. Dennoch ist die Software schon aufgrund der nicht vorhandenen Kosten empfehlenswert und für einen Großteil kommerzieller Anwendungsszenarien nutzbar.

Desktop Publishing einmal anders – Scribus

Im Gegensatz zu GIMP beherrscht der Publishing-Konkurrent zu Adobes Indesign den Farbraum CMYK, was jedoch auch zu erwarten ist, bei einer Software die primär für die Erstellung von kleinen Zeitungen, Broschüren, Newslettern, Postern und Büchern entwickelt wurde. Weitere Features sind Vektor-Zeichenfunktionen, der Im- und Export von SVG und EPS-Dateien sowie die Möglichkeit, interaktive PDF-Dateien zu erstellen – um nur einige wenige zu nennen. Die Oberfläche von Scribus ist wiederum nicht so aufgeräumt und intuitiv wie bei Adobes InDesign, braucht sich aber in Sachen Benutzerfreundlichkeit nicht zu verstecken. Berichten zufolge wird Scribus sogar teilweise bei professionellen Zeitschriftenredaktionen verwendet, ein klarer Hinweis auf seine mittlerweile ausgereifte und zuverlässige Programmierung.

Fazit: Scribus ist unter allen bekannten Open Source-Programmen die eindeutig beste Variante für das Einsatzgebiet Desktop Publishing. Die Software ist äußerst stabil, wird kontinuierlich verbessert und bringt alle wesentlichen Funktionen outof- the-box mit. Es kann wie GIMP nicht ganz mit seinem kommerziellen Konkurrenten InDesign mithalten, kommt diesem aber schon sehr nahe. Zusammen mit der freien Verfügbarkeit und der Einsetzbarkeit auf allen gängigen Betriebssystemen können wir die Software nur empfehlen.

Open-Source-Konkurrenz als Gefahr für Adobe

Auch in den Anwendungsbereichen Grafik und DTP hat sich eine ernstzunehmende Open-Source-Konkurrenz in Stellung gebracht, die Adobe mit seinen sehr teuren Produkten im Auge behalten muss. Zwar ist der kalifornische Hersteller fest in diesen Marktsegmenten etabliert aber gerade bei kleineren Unternehmen und Selbständigen sind die Open Source Alternativen in vielen Fällen zu empfehlen.

Weitere Artikel dieser Serie:

Freeware für Selbständige & KMU (Teil I): Kostenlose Bürosoftware
Freeware für Selbständige & KMU (Teil II): Thunderbird & Co.

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(Bild: © Carlos Caetano – Fotolia.com)