Softwareindustrie am Wendepunkt? (Teil II)

Veröffentlicht am 4. Juli 2011 in der Kategorie IT & Technik von

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In Teil I haben Sie bereits von der zunehmenden Bedeutung guter Business-Modelle und Sustainability in der IT-Branche erfahren. Lesen Sie nun welche weiteren Aspekte für lukrative Softwareunternehmen entscheidend sind.

These 3: Kundennutzen/Problemlösung schlägt Anwendung

Früher lautete die zentrale Frage beim Softwarekauf: Welche Aufgabe erleichtert mir die Software? Heute lautet die zentrale Frage: Inwieweit hilft uns die vom Anbieter x offerierte Problemlösung unsere unternehmerischen Ziele zu erreichen (zum Beispiel schneller, kostengünstiger in der Produktion zu werden)?
Empfehlung: Unterstützen Sie Ihre Kunden dabei, selbst erfolgreicher zu sein. Hier haben Sie auch den Vorteil der Kundennähe und der gemeinsamen Sprache im Vergleich zu ausländischen Anbietern.

These 4: Business-Kompetenz schlägt IT-Kompetenz

Früher war die Kenntnis der Software etwas besonderes. Man sprach teilweise von „Künstlern“, die die Komplexität beherrschen. Deshalb war es für die Softwareunternehmen wichtig, über exzellente Programmierer zu verfügen. Heute erwartet der Kunde maßgeschneiderte Problemlösungen. Und das Beherrschen der Software wird selbstverständlich vorausgesetzt. Der USP liegt zunehmend im Verständnis des Geschäfts und der Aufgabenstellungen der Kunden.
Empfehlung: Bauen Sie die nötige Business-Kompetenz (nicht nur) in Ihren Entwicklerteams auf.

These 5: Qualität schlägt „Speed“

Früher akzeptierten Kunden teilweise eine Software mit gewissen „Kinderkrankheiten“, die sozusagen bei ihnen reifte. „Bananensoftware“ hat es immer schwerer. Heute erwarten die Kunden, dass die „Problemlösung“ von Anfang an fehlerfrei funktioniert und ihnen vom ersten Tag an den gewünschten Nutzen bringt.
Empfehlung: Werden Sie ein Markenanbieter, der für Qualität steht. Investieren Sie eher mehr als weniger in das Qualitätsmanagement Ihrer Softwareentwicklung.

These 6: Preis schlägt Feature

Früher versuchten die Unternehmen, ihre Softwareprogramme mit möglichst vielen Features anzureichern, um ihre Produkte von den Wettbewerber-Produkten abzuheben. Die Folge: ein „over-engineering“. Das heißt: Die Programme enthielten viele Features, die die Kunden gar nicht brauchten. Heute lautet die Anforderung, sich zu fragen „Was braucht der Kunde wirklich?“ und „Wofür ist er bereit, Geld zu bezahlen?“, um die Komplexität zu reduzieren und den Kunden die beste Kosten-Nutzen-Relation zu bieten.
Empfehlung: Vermeiden Sie ein „over-engineering“ bei Ihren Softwareprodukten. Implementieren Sie einen Wertanalyseprozess in Ihrer Softwareentwicklung.

These 7: Projektmanagement schlägt Organisation

Früher spielte die Aufbauorganisation in den Unternehmen eine wichtige Rolle. Hier wurden die Aufgaben, Verantwortungen und Prozesse klar definiert. In Zeiten, in denen das Software-Entwickeln immer häufiger „virtuell“, firmenübergreifend und transnational erfolgt, ist ein hochprofessionelles Projektmanagement der wesentliche Stellhebel für Erfolg.
Empfehlung: Führen Sie eine Projekt-Kultur in Ihrem Unternehmen ein und qualifizieren Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend.

These 8: Kultur schlägt Preis für Arbeit

Softwareentwicklung war schon immer ein Paradebeispiel für gute oder schlechte Zusammenarbeit. Wenn die Zusammenarbeit gut funktioniert, Kultur und Umgang stimmen und eine hohe Verbindlichkeit der Absprachen besteht – also die Professionalität hoch ist – sind meist auch die Ergebnisse sehr hochwertig. Die Unternehmenskultur-bedingten Effizienzverluste sind kurzfristig oft nicht messbar; sie zeigen sich aber immer mittelfristig. Auch hier können wir als Europäer punkten. Auch wenn wir manchmal über unsere Zusammenarbeitskultur stöhnen, so ist diese doch die Basis unseres Erfolgs und sollte als Wettbewerbsvorteil weiter ausgebaut werden.
Empfehlung: Betreiben Sie eine gezielte Kulturentwicklung in Ihrer Organisation.

Zusammenfassung: Softwareindustrie am Wendepunkt - 8 Thesen

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