Die Existenzgründung: Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten!

Veröffentlicht am 23. Juni 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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In der April-Ausgabe des Fachmagazins Mittelstand Wissen erklärte Univ.-Prof. Dr. Heinz Klandt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship am Strascheg Institut der European Business School, warum Existenzgründungen gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten Sinn machen. Im Folgenden lesen Sie seinen Leitartikel zum Thema Best Practices Existenzgründung.

Von Univ.-Prof. Dr. Heinz Klandt

Wer erfolgreich sein will, braucht eine gute Konjunkturlage, so die landläufige Meinung. Doch gerade in Krisenzeiten bieten sich Chancen, wie man sie sonst nicht findet. Denn Krisenzeiten sind Zeiten des Umbruchs, der Unbalanciertheit, der kleinen und großen Katastrophen, wo plötzlich unerwartete Situationen entstehen, die Karten frisch gemischt, die Rollen neu verteilt werden, und damit sind dies Zeiten mit besonderen Geschäftschancen.

Entstehung des Neuen

Es sind Zeiten der Marktbereinigung, der Zerstörung der bisherigen Verhältnisse und schon Schumpeter („der dynamische Unternehmer“) sprach von der kreativen und schöpferischen Kraft, die in der Zerstörung des Alten liegt und aus der heraus das Neue entstehen kann.

Nicht zu Unrecht beinhaltet der chinesische Begriff für Krise gleichermaßen das Risiko wie auch die Chance. Man kann in Krisenzeiten versuchen mit alten, bewährten Konzepten zu überwintern, wenn die angesammelten Polster dafür ausreichen. Sinnvoll ist aber meist eine Neuorientierung, die Suche nach alternativen Geschäftschancen (opportunities).

Solche Chancen stecken in allen Arten von technischen, organisatorischen, gesellschaftlichen Veränderungen - also in neuen Produkten, Dienstleistungen, Zielgruppen, Vertriebswegen, neuen Absatzregionen, Kommunikationsmedien, andersartigen Organisationsformen. Sie ergeben sich aus dem demographischen Wandel, Veränderung der Werte und Normen, neuen Gesetzen und Vorschriften oder technischen Megatrends.

Durch gehäufte Zusammenbrüche von etablierten Unternehmen in Krisenzeiten bieten sich zusätzliche Chancen, da über Jahre gut eingespielte Lieferstrukturen verschwinden, die Kundennachfrage nicht wie bisher befriedigt wird, alte Wertschöpfungsketten auseinanderbrechen.

Es gibt die Chance, Produktionsmittel von insolventen Anbietern weit unter Wert zu kaufen und damit auf längere Sicht eine günstigere Kostenstruktur als die etablierte Konkurrenz zu gewinnen. Vielleicht ist der „lucky buy“ für einen Euro, das Drehen des Geschäftsmodells, der Umbau des fast insolventen Unternehmens mit überschaubaren Mitteln möglich.

Chancen des Wachstums

Auch wenn kostenoptimierende Controller es so sehen, Krisenzeiten sind nicht so sehr die Zeiten der Optimierung von Routineprozessen, der Kostenreduzierung, sondern Zeiten um neue Geschäftsfelder aufzustellen, Zeiten für den Start oder eine Neuausrichtung des vorhandenen Unternehmens, Zeiten für kreatives, reaktionsschnelles Handeln, um sich auf die Wachstumschancen der wieder anspringenden Konjunktur vorzubereiten.

Neue Impulse für ein unternehmerisches Handeln erwachsen nicht nur aus dem positiven Willen zum Unternehmerengagement, sondern haben ihren Keim oft auch in einer negativen Deplatzierung, wie insbesondere dem Verlust des lange Jahre sichergeglaubten Arbeitsplatzes.

Mit „me too“-Produkten und -Dienstleistungen ist aber schwer Fuß zu fassen. In Abhängigkeit von der gegebenen und in überschaubarer Zeit akquirierbaren eigenen Qualifikation muss nach einem Alleinstellungsmerkmal (USP) für das Existenzgründungsvorhaben, einer wahrnehmbaren Attraktivität mit den Augen des Kunden gesucht bzw. dieses gefunden werden. Auch hier sollte eine unternehmerische Vision auf dem absehbaren gesellschaftlichen Wandel basiert werden.

Ein wichtiger Impuls für die Chancen durch Neuausrichtung liegt im nachhaltigen Unternehmertum. Hier können der etablierte Mittelstand, eigentümergeführte Unternehmen, aber auch neugegründete Existenzen gegenüber dem Imageverlust, den angestellte Manager weltweit durch ihre Verantwortungslosigkeit und ihre Gier in der Gesellschaft momentan erleben, mit besonderer Akzeptanz und Wohlwollen bei Politikern, Bürgern und Arbeitnehmern punkten.

Langfristige Orientierung - nicht das schnelle Geld - und soziale sowie ökologische Verträglichkeiten werden immer mehr wichtige Begleitphänomene der Respektierung unternehmerischer, ökonomischer Tätigkeit in der öffentlichen Meinung. Die Abkehr vom eindimensionalen Shareholder-Value Ansatz und einem rein monetären Erfolgsbegriff hin zu Nachhaltigkeit als Leitbild des Unternehmens ist eine Reaktion auf die weltweite Finanz- und Kapitalmarktkrise.

Die Lösung liegt in einem Erfolgsverständnis, das mit „Triple Bottom Line“ umschrieben wird: Neben der ökonomischen Prosperität ist die Forderung nach Umweltqualität und sozialem Ausgleich gleichermaßen wichtig. Neben der Notwendigkeit gewisser Begrenzungen der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist die Erhöhung der Effizienz der Nutzung natürlicher Ressourcen ein Weg, der unternehmerischen Weitblick fordert, um die Chancen zukünftiger menschlicher Generationen nicht zu gefährden.

In dieser Neuausrichtung bieten sich aber auch neue unternehmerische Marktchancen und Wettbewerbsvorteile.

Als Resumée kann also auf die Überschrift Bezug genommen werden: Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten, machen Sie daraus Ihre persönliche Bonanza, Ihr Eldorado!

Ihre Meinung ist gefragt!

Noch ein Wort in eigener Sache: Als wissenschaftliche Hochschule und als Forschungsinstitut wollen wir praxisrelevante Ergebnisse unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erzielen und vermitteln. Dabei sind wir ständig auf möglichst viele Praxiskontakte angewiesen.

Schauen Sie bitte einmal auf unsere Website unter www.unternehmerspiegel.de. Dort finden Sie unter anderem einen Unternehmertest, dessen individuelles Ergebnis Ihnen kostenfrei per E-Mail zugesendet wird.

Außerdem würden wir uns freuen, wenn Sie als Existenzgründerin und Unternehmerin bei einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Entwicklung eines biographischen Instrumentes zur gender-balancierten Beurteilung helfen würden oder uns bei unserer Untersuchung zum nachhaltigen Unternehmertum unterstützen.

(Bild: © Marem - Fotolia.de)