Individualismus Made in Germany?

Veröffentlicht am 29. Juli 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

Themen:

Ganz gleichgültig, ob es sich um eine Existenzgründung im Einzelhandel oder um eine Gründung im Bereich der Herstellung von Produkten handelt: Verbraucher in Deutschland wünschen sich oft handgemachte Produkte – am besten aus heimischer Produktion. Viele Gründer nehmen dies zum Anlass, kreative Ideen zu verwirklichen und setzen auf Individualität und Originalität. Doch Vorsicht: Je individueller und origineller die verkauften Produkte sind, desto schwieriger ist es, eine solche Existenzgründung lukrativ zu gestalten.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Ein individuelles und originelles Produktprogramm erfordert oft vielfältige Waren in kleinen Mengen. Das Problem: Der Einkauf und die Herstellung solcher Kleinstmengen ist aufwändig und kompliziert. Noch schwieriger gestaltet sich oft die Zahlungsbereitschaft potentieller Kunden. So wünscht sich zwar mancher Verbraucher „Kreativität und Individualismus made in Germany“, ist aber kaum bereit, den angemessenen Preis dafür zu zahlen. Das erschwert den Durchbruch für viele kreative Ideen. Es gibt dennoch Wege aus dem Dilemma.

Die Exklusivitätsschiene

Ein Teddybär für 200 Euro oder mehr? Das ist nicht unmöglich. Um solche Preise zu realisieren, gibt es nur eine Möglichkeit: Sie müssen die richtigen Kunden ansprechen. Nur wer es schafft, eine Marke mit hochwertigem Standing aufzubauen, kann auf Erfolge mit dieser Strategie hoffen. Das Marketing und der Vertrieb müssen diesem Exklusivitätsanspruch der Kunden genügen. Oft ist auch ein repräsentativer und damit kostspieliger Standort mit dieser Strategie verbunden. Wenn das Marketing und der Vertrieb und andere Kriterien nicht richtig sitzen, wird ein solches Geschäftsmodell zum Flop.

Individualität aus dem Ausland

Kaufen Sie hier und da Produkte, auf denen steht „Handgemacht“? Sicherlich ist Ihnen das schon begegnet und trotzdem war der Preis fair. Meist sind diese Produkte tatsächlich von Hand gefertigt – aber nicht in Deutschland. Schlaue Einkäufer und Hersteller lassen schon lange im Ausland produzieren. Von Polen über die Türkei oder Indien gibt es zahlreiche Unternehmen, die attraktive Produkte bieten, zum Niedrigpreis.

Die Produktion von Kleinserien nach eigenen Entwürfen ist keineswegs eine Seltenheit. Bei diesem Geschäftsmodell sind dann aber keine Kleinstmengen möglich. Das erleichtert andererseits aber die Abwicklung, Lagerhaltung und gestalterische Arbeit. Um die Herstellung von Ladenhütern zu vermeiden, können im Vorfeld Protoypen, die von Hand gefertigt wurden, ins Programm aufgenommen werden. Auch wenn diese „Testmodelle“ wenig lukrativ sind: Eine gefertigte Serie, die nicht verkauft werden kann, kommt meist deutlich teurer daher.

Mischkonzepte schaffen Spielräume

Wer großen Wert darauf legt, dass sich im Produktprogramm echte Handarbeit aus heimischen Gefilden findet, kann über eine Mischung aus solchen Homemade-Produkten und dem Zukauf von Produkten aus Billiglohnländern nachdenken. So geht einerseits das Image von Originalität nicht verloren und andererseits werfen die zugekauften Produkte genug Gewinn ab, um das Geschäftsmodell lukrativ zu machen. Allerdings: Die „Originalitätsprodukte“ bleiben oft unrentabel und müssen durch den Verkauf der Produkte aus Billiglohnländern kompensiert werden.

Alternativ können aber auch Produkte entstehen, die allesamt hierzulande hergestellt werden. Viele Modehersteller der Premiumklasse machen es vor: Exklusive Bekleidung ist kostspielig. Das passende Parfum dagegen ist für die meisten Verbraucher aber erschwinglich. Aus gutem Grund hat fast jedes große Modelabel ein eigenes Parfum. Es erschließt damit die weniger finanzkräftige Klientel. Vielleicht können auch Sie eine Mischung aus Exklusivität und Erschwinglichkeit schaffen?

Ganz gleich, welche Lösung am Ende passend ist: Globalisierung fordert ihren Tribut. Wer das ignoriert, läuft Gefahr, mit einem Gründungsvorhaben schon frühzeitig zu scheitern und möglicherweise sogar viel Geld zu verlieren. Eine gute Gründungsvorbereitung ist deshalb das A und O für alle Gründungen.

(Bild: © AKS - fotolia.com)