„Das Coworking-Konzept passt perfekt zum Alltag unserer Generation!“

Veröffentlicht am 29. Juli 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Coworking ... Co...was? Ganz einfach: Ein aus den USA kommender Trend, bei dem Freiberufler und kleinere Startups unabhängig voneinander in einem meist größeren Raum zusammenarbeiten. Diese Räumlichkeiten nennt man Coworking-Spaces.

Man kann z.B. pro Tag oder Monat einen Schreibtischarbeitsplatz mieten und mit allen anderen Anwesenden die Ressourcen eines Open-Space-Büros (W-Lan, Drucker, Besprechungsraum, usw.) teilen. Unternehmer.de wollte von Madeleine von Mohl, Mit-Gründerin des Coworking-Space "betahaus Berlin", wissen, was es mit dem Trend auf sich hat und wie das Coworking in der Hauptstadt angenommen wird.

Unternehmer.de: Frau von Mohl, im Gegensatz zu den USA ist Coworking in Deutschland immer noch ein Novum. Wann haben Sie das betahaus Berlin gegründet und wie hat sich die Nachfrage seitdem entwickelt?

Madeleine von Mohl: Wir haben zu sechst das betahaus Berlin am 01. April 2009 eröffnet, nachdem wir zuvor zwei Monate lang das Projekt "betalab" mit 30 Coworkern geprobt hatten. Zur Zeit arbeiten bei uns circa 120 User. Vor zwei Wochen haben wir ein betahaus in Hamburg eröffnet und planen weitere in Lissabon und in Köln.

Unternehmer.de: Welche Arten von Coworking-Plätzen gibt es im betahaus Berlin und  was kosten sie?

Madeleine von Mohl: Die Preise liegen zwischen 79 und 229 Euro im Monat - je nachdem, wann und wie oft man arbeiten möchte. Alle Tarife findet man auf unserer Webseite. [Siehe Linktipp am Ende des Artikels - d. Red.]

Unternehmer.de: Wer ist der Besitzer bzw. Betreiber vom Berliner betahaus?

Madeleine von Mohl: Das betahaus wird von uns sechs Gründern betrieben, Christoph Fahle als CEO, Gregor Scheppan, Tonia Welter, Max von der Ahé, Stephan Bielefeldt und Madeleine von Mohl. 

Unternehmer.de: Was macht Ihrer Meinung nach den Reiz des Coworkings aus? Warum sollte ich das Coworking gegenüber dem Homeoffice vorziehen?

Madeleine von Mohl: Das Coworking-Konzept passt perfekt zum Alltag unserer Generation. Zwischen Leben und Arbeiten gibt es nur lose Grenzen. Wir wollen auf der einen Seite flexibel über unsere Zeit und den Ort, an dem wir arbeiten, bestimmen, brauchen aber, egal wo wir sind, ein Surrounding, in dem wir effizient und professionell arbeiten können. Kundengespräche, Drucker, Fax, W-Lan sollten kombiniert werden mit frischem italienischen Essen, 2-Sterne-Küche und inspirierenden Netzwerkevents.

Unternehmer.de: Findet man bei Ihnen eher den treuen Coworker, der Stammgast ist, oder wechseln die Gesichter öfter?

Madeleine von Mohl: Ein Drittel der betahaus User haben einen FixDesk gebucht, sprich ihren festen Arbeitsplatz. Zwei Drittel der User nutzen unsere Flex Angebote, arbeiten ein paar Tage pro Woche aus dem betahaus, den Rest der Woche sind sie unterwegs, z.B. für Interviews, Recherche oder Kundentermine. Dieser Mix bringt immer wieder frischen Wind ins betahaus.

Unternehmer.de: Ist ein konzentriertes Arbeiten in einem Coworking-Space überhaupt möglich? Gibt es diesbezüglich Regeln im betahaus Berlin?

Madeleine von Mohl: In den Offices wird konzentriert gearbeitet, für Brainstorming, Kundentermine oder Präsentationen bucht man sich einfach einen der Meetingräume oder zieht sich in den "Rest and Relax"-Raum zurück. Networking Hotspot ist - abgesehen von Lastenaufzug und Teeküche - das betahaus Café im EG. [Siehe Bild unten - d. Red.]

Unternehmer.de: Gibt es schon so etwas wie Erfolgsstorys, z.B. ein einsamer Freelancer, der den Schritt ins betahaus wagte und dank der Synergieeffekte schließlich richtig durchstartete?

Madeleine von Mohl: Es gibt viele kleine und große Geschichten. Einige der Startups dürfen wir seit der Ideenfindung begleiten. Ich freue mich immer wieder, wenn ich höre, dass sich einige betahaus User zusammengetan haben, um jetzt ein Startup zu gründen, einen Auftrag zusammen an Land ziehen und durchführen oder sich gegenseitig beraten. Es herrscht eine wahnsinnige Offenheit unter den Usern, keiner hat Angst, eine Idee zu verlieren, sondern es ist eher so, dass die Ideen sich verbessern, dort wo Experten aus den verschiedenen Bereichen zusammenkommen. Unsere Aufgabe ist es, genau dafür eine Plattform zu bieten, zu netzwerken, wo es geht, und ab und an auch mal einen Investor ins Haus zu bringen. Zur Zeit planen wir ein Startup-Pitch für Anfang Oktober, zum betapitch können sich auch externe Gründer bewerben.

Unternehmer.de: Zusammensein auf engstem Raum: Haben im betahaus Berlin auch schon einsame Freelancer-Herzen zueinander gefunden bzw. sind auch schon mal so richtig die Fetzen geflogen?

Madeleine von Mohl: Lange bleibt man hier sicher nicht allein (lacht). Vor fünf Tagen ist das erste betahaus-Baby zur Welt gekommen. 4.200 Gramm! Da haben wir alle mitgefiebert. Die Eltern kannten sich allerdings schon vor dem Einzug ins betahaus.

Unternehmer.de: Ihre Wünsche bzw. Prognosen: Wie werden sich das betahaus Berlin im Speziellen und das Coworking im Allgemeinen in den kommenden Jahren entwickeln?

Madeleine von Mohl: Das Coworking ist eine Nische im Wachstum. Zahlreiche Coworking-Spaces entstehen in verschiedenen Städten. Die Nachfrage nach modernen, flexiblen Arbeitsplätzen steigt täglich. Wir freuen uns darüber, scheinbar haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Seit ein paar Wochen gibt es ein betahaus Hamburg. In Planung sind Lissabon, Köln und Zürich. Das ist doch eine schöne Vision: den Winter im betahaus Zürich, die Ski dabei, den Sommer in Lissabon mit Surfbrett im Gepäck. Arbeiten, wo immer ich möchte!

Unternehmer.de: Frau von Mohl, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

Das betahaus Berlin

(Bilder: © Daniel Seiffert)