Das Startup-Interview: 11 Fragen an Franz Durst und Martin Gillert – FMP Technology GmbH

Veröffentlicht am 28. Juli 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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2006 wurde die FMP TECHNOLOGY mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche Entwicklungen vom Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Universität Erlangen-Nürnberg aufzugreifen und auf deren Basis neuartige, innovative Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Insbesondere auf dem Feld der Beschichtungs- und Einspritztechnik konnte FMP große Fortschritte verbuchen.

Dieses Jahr wurde das Unternehmen gleich dreifach ausgezeichnet: Mit dem IHK Gründerpreis 2010, dem Gründerpreis Mittelfranken und dem Bayerischen Gründerpreis 2010.

Unternehmer.de sprach mit Franz Durst und Martin Gillert, den beiden Geschäftsführern der FMP Technology GmbH, über die Startphase ihres Unternehmens.

Ideenfindung & Entschluss

Unternehmer.de: Wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

F. Durst: Die Firma FMP Technology GmbH wurde im Jahr 2006 als innovatives Unternehmen aus dem Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Universität Erlangen-Nürnberg ausgegründet, um gesammelte Grundlagenforschungen, darauf aufbauende Entwicklungen und praktische Erfahrungen aus den Bereichen des Lehrstuhls für praxisnahe Produkte für die Industrie weiter zu entwickeln.

Fokus der Firma ist hierbei das nachhaltige Schaffen von Arbeitsplätzen am Standort Mittelfranken, was gerade in der heutigen Weltkonjunktur nicht durch das reine Erarbeiten von Publikationen gelingt, sondern durch das Schaffen neuartiger, innovativer und patentierter Produkte in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen. Das Engineering in den aktivierten Geschäftsbereichen stellt dennoch ein wichtiges Standbein dar, insbesondere zur Unterstützung der Europa- und weltweiten Vermarktung der FMP-Produkte.

Unternehmer.de: Was waren denn Ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?

M. Gillert: Die Entwicklungen im Bereich Beschichtungs- und Trocknungstechnik zeichneten sich - nicht zuletzt aufgrund der durchweg positiven Kundenresonanz - sehr frühzeitig als sehr vielversprechend ab. Durch das breit gestreute, universitäre Grundlagenwissen konnte zudem die Produktentwicklungsphase zeitlich sehr eingeschränkt werden.

Schwierigkeiten ergaben sich hierbei insbesondere durch die erforderliche Auswahl und den technischen Aufbau möglicher Lieferanten, da gerade in der Anfangsphase Fertigungsarbeiten an Externe ausgelagert wurden. Zwischenzeitlich werden die fertigungsspezifischen Anforderungen an die unterschiedlichen Produkt-Systeme der FMP Technology GmbH durch die sehr gute Zusammenarbeit von Zulieferanten mit FMP-Mitarbeitern eingehalten, obgleich immer weitere Optimierungsmaßnahmen in die Kooperationen einfließen.

Thema Finanzierung

Unternehmer.de: Welche Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung?

F. Durst: Die finanzielle Ausstattung eines Startups ist nicht immer ganz einfach und muss auf verschiedene Standbeine gestellt werden, um gerade in der Produktentwicklungs- und Etablierungsphase eine solide Basis vorzuweisen.

Die wesentliche Erst-Finanzierung der Firma erfolgte über darlehensbasiertes Eigenkapital mit Unterstützung der Hausbank Sparkasse Erlangen. Gleichzeitig konnten aufgrund der Innovationskraft der zu entwickelnden Produkte öffentliche Fördergelder von spezifischen Programmen beantragt werden. Beispiele hierfür sind das ZIM-Progamm oder auch das Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Zahlreiche Teilnahmen an Businessplan- und Startup-Wettbewerben führten zudem zu einer nicht vernachlässigbaren finanziellen Unterstützung (Preisgeldern). So wurde die FMP Technology GmbH beispielsweise im Mai 2010 mit dem Fränkischen und dem Bayerischen Gründerpreis 2010 ausgezeichnet. Unter Federführung des Sparkassenverbands Bayern und des Sparkassen-Bezirksverbands Mittelfranken wurde mit den Auszeichnungen das Engagement für vorbildhafte Leistungen bei der Entwicklung von innovativen, tragfähigen Produkten und dem Aufbau des Unternehmens gewürdigt.

Zusätzlich konnte die FMP Technology GmbH im Juli 2010 den Gründerpreis der IHK-Mittelfranken erhalten, in der Kategorie „Innovation & Qualität“.

Unternehmer.de: Gab es auch Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?

M. Gillert: In den Anfangsjahren der Firmengründung wurden die erzielten Umsätze überproportional in die Forschung und Entwicklung neuartiger Produkte reinvestiert, so dass bis einschließlich 2008 rote Zahlen geschrieben werden mussten. Durch eine Verdreifachung des Umsatzes auf 1,2 Mio. EUR konnte im Jahr 2009 der Break-Even erreicht und die Mitarbeiter-Anzahl um ca. 60% erweitert werden. Für das Geschäftsjahr 2010 werden ca. 2,0 Mio. EUR Umsatz erwartet, mit einem entsprechenden Ausbau der Belegschaft.

Gerade das Geschäftsjahr 2008 war ein schwieriges Jahr für die junge Firma. Rückschläge bei der Kooperation mit Lieferanten und der dadurch bedingte eigene Aufbau bestimmter Kompetenzen waren mit hohen Investitionen verbunden. Gerade in dieser Phase wurde der „sprießende Keim Start-Up“ durch die Sparkasse Erlangen unterstützt und hierbei Schlimmeres verhindert.

Gegenwärtig ist die FMP Technology GmbH bemüht, das durch die Nachfrage mögliche Wachstum der Firma weiter zu forcieren. Um den zusätzlichen Ausbau nicht aus dem operativen Geschäft zu finanzieren, werden derzeit Gespräche mit möglichen Kapitalbeteiligungsfirmen geführt.

Rückblick & Tipps

Unternehmer.de: Und wenn Sie heute zurückblicken: Was waren die größten Fehler, die Sie vor oder während Ihrer Gründung begangen haben?

F. Durst: Gerade Startups sind auf die Kooperation mit etablierteren Unternehmen angewiesen, wie beispielsweise bei der Entwicklung, Fertigung oder Vermarktung von Produkten. Unterschiedliche Unternehmenskulturen entscheiden hierbei nachhaltig über den Erfolg oder Misserfolg einer eingegangenen Partnerschaft. Auch die FMP Technology GmbH ist in der Aufbauphase ein Joint Venture mit einem Unternehmen eingegangen, welches auf die Fertigung spezialisiert war. Gerade die Kombination aus der bei der FMP Technology GmbH vorhandenen F&E-Kompetenz und dem fertigungstechnischen Wissen und Einrichtungen wurde von beiden Kooperationspartnern als „Win-Win-Situation“ eingeschätzt.

Nicht überbrückbare, kongruente Unternehmenskulturen und unterschiedliche Geschäftsgebaren, die im Vorfeld der Zusammenarbeit nicht absehbar waren, ließen die anfänglich fruchtbare Zusammenarbeit schnell scheitern. Die Trennung und gerade der Neuaufbau der weggefallenen Fertigungskompetenz waren für die FMP Technology GmbH sehr kostenintensiv, aber unabwendbar.

Unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

M. Gillert: Die Produktentwicklungen der FMP Technology GmbH haben in den Bereichen Beschichtungs- und Einspritztechnik das Potential, den Markt nachhaltig zu revolutionieren. Die gerade in der Anfangsphase der Entwicklungen vorherrschende, skeptische Kundenresonanz über die grundsätzliche Machbarkeit und die Vorteile der FMP-Systeme konnte zwischenzeitlich - insbesondere im Bereich der Beschichtungstechnik - durch Verifikationsexperimente ins Positive gewandelt werden.

Im Bereich der Beschichtung betrifft eine Entwicklung beispielsweise neuartige Beschichtungsdüsen. Im Gegensatz zum derzeitigen Stand der Technik können erstmalig unterschiedlichste Produkte mit nur einer Beschichtungsdüse ohne Qualitätseinbußen veredelt werden - ein Novum in der Beschichtungsbranche.

Im Bereich der Einspritztechnik hat die FMP Technology GmbH ein neuartiges Einspritzsystem für Diesel- und Ottomotoren entwickelt. Damit lassen sich Spritverbrauch und CO2-Emissionen gleichermaßen in erheblichem Maße senken, bei gleichzeitiger „Lifetime“-Steigerung derzeitiger Motorenkomponenten.

Unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie dann Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

F. Durst: Gerade im Hinblick auf mögliche Geschäftspartner, die aus dem industriellen wie aus dem Finanzsektor kommen können, ist eine genaue, gegenseitige Prüfung - ähnlich einer Eheschließung - essentiell. Im optimalen Fall harmonisieren die Auffassungen über die Geschäftsentwicklung aller beteiligten Partner. Kooperationen, „die aus der Not geboren werden“, z.B. in finanziell angespannten Phasen, sind grundsätzlich zu vermeiden.

Unternehmer.de: Angenommen Sie stünden jetzt kurz vor der Gründung. Wie würde die aktuelle Wirtschaftslage Ihre Entscheidung beeinflussen?

M. Gillert: Auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen sind Unternehmensgründungen realisierbar. Mit dem richtigen Geschäftsmodell und innovativen Produkten, die sich in erheblichem Maße von Wettbewerber-Produkten im Hinblick auf Kosten und erreichbare Effizienz unterscheiden, sind finanzielle Unterstützungen durch Fördermittel oder Hausbanken erschließbar. Gerade bei den Sparkassen gab und gibt es keine Finanzierungsklemme, lediglich die Anzahl finanzierungswürdiger Projekte, die auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region führen, ist tendenziell rar.

Charakter & Ziele

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

F. Durst: Um ein tieferes Verständnis vom jeweiligen Arbeitsgebiet zu erhalten, ist das Studium von Fachliteratur sicherlich ein probates Mittel. Dennoch kann dies nicht ein gesundes Gespür und Bauchgefühl ersetzen. Letztendlich ist es auch die ergänzende Fähigkeit, stets für sämtliche Informationen und Neuigkeiten - auch in den Randgebieten seines Tätigkeitsbereichs - eine gewisse Lernbereitschaft zu zeigen, insbesondere, wenn diese durch beruflich erfahrene Mitarbeiter und Mentoren eingebracht werden.

Unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

M. Gillert: Der allgemeine Wunsch von Universitäts- und Fachhochschulabsolventen nach einem Angestelltenverhältnis bei einem der weltumspannenden Großkonzerne ist nach wie vor ungebrochen. In den meisten Fällen ist die Suche nach einem gewissen „Schutz“ hierfür ausschlaggebend. Gerade dieses Argument verliert jedoch in der heutigen, schnelllebigen Wirtschaft seine Grundlage - wie dies die aktuellen Freistellungen der Großkonzerne eindrücklich dokumentieren.

Persönliche flexiblere Entfaltungsmöglichkeiten, raschere Übernahme von Verantwortlichkeiten und ein breiterer Geschäftsüberblick sowie Kompetenzausbau zählen zweifelsohne zu den Vorteilen von kleinen Unternehmen. Diese Vorteile im Vergleich zu den etablierten Konzernen gelten für die Mitarbeiter der FMP Technology GmbH gleichermaßen wie für die Führungskräfte.

Unternehmer.de: Was sind Ihre Ziele als Unternehmer?

F. Durst: Das Schaffen von Arbeitsplätzen in der Region Mittelfranken, mit dem Fokus der Internationalisierung zum Zweck der Markt- und Innovationsführerschaft in den jeweiligen Bereichen der FMP Technology GmbH.

Unternehmer.de: Herr Durst, Herr Gillert, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteurin Patricia Scholz.

www.fmp-technology.de

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