Click for food: Chancen des Lebensmittelhandels im Internet

Veröffentlicht am 6. April 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Den Wochenendeinkauf per Mausklick bestellen und am nächsten Tag nach Hause geliefert bekommen? Was sich zunächst einfach und bequem anhört, ist für die Online-Händler wie beispielsweise doit24.de eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Das Interesse am Online-Lebensmittelhandel wächst.

Laut der AGOF-Studie internet facts vom Jahr 2008 interessieren sich 67% der deutschen Internetnutzer für den Kauf von Lebensmitteln und Getränken im Internet, jedoch kaufen erst 10,5% tatsächlich Güter des täglichen Bedarfs im Internet ein.

Die Bereitschaft Lebensmittel online einzukaufen ist damit zu den Vorjahresdaten nur leicht gestiegen. Im Vergleich zum Non-Food-Handel bestehen hier einige entscheidende Unterschiede, welche die scheinbar langsame Entwicklung begründen.

Herausforderung Versand

Der Versand von Lebensmitteln stellt für Online-Händler eine große Herausforderung dar. Bei vielen Produkten muss darauf geachtet werden, dass eine unterbrechungsfreie Kühlkette gewährleistet werden kann. Oft sind Lebensmittel druckempfindlich und mit besonderer Vorsicht zu transportieren. Lange Transportwege sind aus diesen Gründen nicht empfehlenswert.

Der Aufbau einer exakt auf die Produkte abgestimmten Distributionskette ist daher unabdingbar und häufig teuer. Die Bereitschaft der Kunden, die Kosten hierfür zu tragen, ist gering und wird durch die in Deutschland meist vorhandene Discount-Kultur bei Lebensmitteln zusätzlich erschwert.

Diese Problematik erklärt, warum selbst große Supermarktketten wie Edeka, Plus oder Aldi bisher ausschließlich unverderbliche Ware über das Internet vertreiben und den Handel über die Online-Shops als Ergänzung neben dem stationären Handel führen.

Fehlende Kundenakzeptanz

In keiner anderen Branche ist das "Look & Feel" der Produkte von ähnlich großer Bedeutung wie im Lebensmittelhandel. Der wöchentliche Einkauf ist größtenteils ein haptisches Erlebnis.

Im Supermarkt können Kunden die Ware anschauen, anfassen und - sollten Mängel existieren - zurücklegen. Anforderungen an Online-Shops sind daher hoch, das Vertrauen der Kunden muss erst gewonnen werden. Der offene Umgang mit der Versandproblematik kann helfen, den Kunden Ängste zu nehmen.

Online-Shops sollten den potenziellen Kunden eine detaillierte Beschreibung des geplanten Versands zugänglich machen. Dann kann sogar der Versandhandel von frischem Fisch erfolgreich sein (Siehe Praxisbeispiel: send-a-fish.de).

Die Akzeptanz der Kunden, unverderbliche, sehr spezielle oder individualisierbare Lebensmittel (Siehe Praxisbeispiel: mymuesli.com) im Internet zu bestellen, wird dagegen als höher eingeschätzt. Dies kann erklären, warum Tiefkühlprodukte & Co. seltener online gekauft werden als beispielsweise Spirituosen oder Süßwaren.

Gründe für einen Einkauf im Internet

Im Rahmen der Studie "Lebensmittelshops im Internet" erhob das Marktforschungsinstitut Phaydon Gründe für einen Lebensmitteleinkauf im Internet.

41 Prozent der befragten Personen gaben an, dass die "bequeme Bestellmöglichkeit vom Computer aus" eine sehr wichtige Rolle spielen würde. Knapp die Hälfte aller Befragten gaben an, dass die "Unabhängigkeit von den Öffnungszeiten" ein entscheidender Grund für einen Online-Lebensmitteleinkauf wäre. Gefolgt von den Faktoren "keine Fahrtkosten" (42 Prozent) und "keine Warteschlange" (40 Prozent).

Potenzielle Online-Lebensmittel-Einkäufer

Als potenzielle Zielgruppe für Online-Lebensmittel-Einkäufe wurden "junge Berufstätige", "Mütter" und "Silver-Surfer" identifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere für Berufstätige und Mütter die Möglichkeit, online einzukaufen, sehr attraktiv ist. Durch eine zeitliche und physische Entlastung lässt sich der Stressfaktor bei "lästigen" Pflichteinkäufen deutlich reduzieren.

Die Nutzungsbereitschaft von Silver-Surfern ist hingegen etwas verhaltener, da der Offline-Einkaufsbummel als attraktive Freizeitbeschäftigung gesehen wird. Im Falle geringer Mobilität und einer einfach zu nutzenden Website wird das Online-Shopping von Lebensmitteln allerdings als hilfreich angesehen.

Der Durst ist groß

Knapp 10 Millionen Nutzer informieren sich generell im Internet über Lebensmittel, die Mehrheit sucht dabei Informationen über alkoholische Getränke. Nicht alkoholische Getränke werden am zweithäufigsten gesucht. Die Marketingkampagnen der Getränkehersteller haben an dieser Entwicklung großen Anteil.

Doch tatsächlich gekauft wird selten. Kunden löschen ihren Durst bislang immer noch im stationären Handel. Fünf Prozent aller Internetnutzer haben bislang alkoholische Getränke online gekauft, bei den nichtalkoholischen Getränken sind es nur knapp drei Prozent.

Fazit

Der Lebensmittelhandel im Internet entwickelt sich verglichen mit anderen Branchen langsam und bis Kunden ihren wöchentlichen Einkauf online erledigen, wird noch einige Zeit verstreichen.

Gute Ansätze zeigen bisher vor allem Nischenanbieter. Als Komplettsupermarkt im Internet buhlt bisher nur doit24.de um die Aufmerksamkeit der deutschen Verbraucher. Die Preise dort liegen, rechnet man die Versandpreise hinzu, meist deutlich über denen der stationären Supermärkte. Kunden müssen also abwägen, ob die Bequemlichkeit oder die niedrigen Preise das entscheidende Kriterium für den Einkauf sind.

Vor allem in Deutschland ist die Bereitschaft gering, für Lebensmittel online mehr zu zahlen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies in Zukunft ändern wird.

(Bild: © ioannis kounadeas - Fotolia.de)