Existenzgründung: Chance oder Risiko? (Teil I)

Veröffentlicht am 28. Mai 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Kurzarbeit bzw. Arbeitslosigkeit denken einige Betroffene darüber nach, sich selbstständig zu machen, um eine sicherere Zukunft zu haben. Aber auch für Frauen, die nach einer Familienphase wieder in die Berufstätigkeit starten, ist eine Existenzgründung eine gute Möglichkeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Daneben gibt es noch den Wunsch, endlich eigenverantwortlich zu entscheiden, eigene Ideen umzusetzen oder die Arbeitszeit frei einzuteilen.

Eine Existenzgründung ist allerdings ein großer Schritt und sollte reiflich überlegt und von langer Hand geplant werden. Der Erfolg hängt nämlich nicht nur vom fachlichen und kaufmännischen Wissen und Können ab, sondern auch von den benötigten Finanzen und den später zu zahlenden Steuern. Insgesamt sollten schon vorab alle Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Die Redaktion von anwalt.de gibt erste Tipps rund um das Thema Existenzgründung.

Planung und Vorbereitung

Vor dem Start in die Selbstständigkeit steht die Geschäftsidee. Hierbei sollte zunächst überlegt werden, mit welchem Angebot man auf den Markt gehen möchte. Es gilt nämlich möglichst etwas Besonderes anzubieten, was die Konkurrenz nicht hat oder man besetzt eine Nische oder Marktlücke im bereits bestehenden Angebot.

Sollte man keine Geschäftsidee haben, so kommt immer noch die Selbstständigkeit durch Gründung eines Franchise-Unternehmens, das man als Lizenz-Unternehmer führt, oder durch die Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens in Betracht.

Bei der Planung und Vorbereitung ist man aber nicht auf sich allein gestellt, sondern man kann sich an eine Vielzahl verschiedener Stellen wenden. Hierzu zählen beispielsweise regionale Gründungsinitiativen, Gründerseminare bei den Industrie- und Handelskammern oder freie Gründungs- bzw. Unternehmensberater.

Erstellung eines Businessplans

In einem Businessplan wird die Geschäftsidee formuliert, es werden möglichst alle Ziele erfasst und alle Kosten kalkuliert. Die Erstellung eines Businessplans zwingt seinen Ersteller dazu, sich schon von vornherein umfassend mit der Geschäftsidee und deren Realisierung auseinanderzusetzen.

Einerseits dient dieser Businessplan dazu, dass der Unternehmer selbst seine Planung nicht aus den Augen verliert, bzw. den Plan an neue Situationen und Erfordernisse anpassen kann. Andererseits dient ein aussagefähiger Businessplan auch dazu, potenzielle Geldgeber, z.B. Banken oder Förderprogramme zur Existenzgründung, vom Unternehmenskonzept zu überzeugen. Im Laufe der Zeit sollte der Businessplan jedoch auch im eigenen Interesse immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Formen der Selbstständigkeit

Vor der Existenzgründung ist ebenfalls zu klären, ob man sich als Gewerbetreibender nach § 15 Einkommensteuergesetz (EStG) oder als Freiberufler selbstständig machen will oder machen kann. Dies ist beispielsweise in steuerlicher Hinsicht ein Unterschied, denn ein Gewerbetreibender unterliegt sowohl der Gewerbesteuer nach § 2 Gewerbesteuergesetz (GewStG) als auch der Einkommensteuer nach § 1 EStG.

Die Einkünfte eines Freiberuflers hingegen sind nur einkommensteuerpflichtig. Zu den freien Berufen gehören nach § 18 I EStG alle selbstständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeiten. Daneben gelten als Freiberufler alle Angehörigen der sog. Katalogberufe. Bei Angehörigen dieser Berufsgruppe steht die höchstpersönliche Erbringung einer Arbeitsleistung unter Einsatz ihrer geistigen Fähigkeiten im Vordergrund.

Zu den Katalogberufen zählen: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnliche Berufe. Eine Abgrenzung zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden erfolgt nach § 1 II Gesetz über Partnerschaftsgesellschaften Angehöriger Freier Berufe (PartGG) durch die „besondere berufliche Qualifikation” und die „eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art”.

Die Unternehmer.de-Leserfrage:

Welche Erfahrungen haben Sie als Existenzgründer gemacht?

Existenzgründung: Chace oder Risiko? (Teil II)

Existenzgründung: Chace oder Risiko? (Teil III)

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