Ein Begriff, viele Bedeutungen – Was hat Gollum mit Franchising zu tun?

Veröffentlicht am 12. Juli 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Der Deutsche Franchise-Verband (DFV) definiert Franchising heute als „ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem mit dem Ziel der Verkaufsförderung. Dabei räumt das Unternehmen, das als so genannter Franchise-Geber auftritt, meist mehreren Partnern (Franchise-Nehmern) das Recht ein, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen unter seinem Namen ein Geschäft zu betreiben.“

Doch das Wort Franchise fand und findet auch in anderen Bereichen Verwendung.

Der Begriff entstand im Frankreich des Mittelalters und bezeichnete damals die Befreiung von Abgaben sowie den teilweisen Verzicht der Feudalherren auf Vasallendienste ihrer Untertanen. Später konnten Handwerker und Kaufleute Franchisen erwerben, um Märkte oder Messen auf dem Boden der Feudalherren zu veranstalten. Im 17. und 18. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung zur Beschreibung von Privilegien, die der Staat an Einzelpersonen vergab.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb Franchise die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung von Geschäftskonzepten. So stattete zum Beispiel die amerikanische Singer Sewing Machine Company um 1860 fahrende Händler mit dem Recht aus, ihre Nähmaschinen auf eigene Rechnung und im eigenen Namen zu vertreiben, was als eine frühe Form des Franchising betrachtet werden kann.

Eines der bekanntesten Beispiele für dieses moderne Verständis des Franchisings dürfte McDonald’s sein. Die Fast-Food-Kette vergibt bereits seit Anfang der Fünfziger Franchise-Lizenzen im heutigen Sinn.

Franchising in den Medien: Frodo, Gollum, Gandalf & Co.

Doch auch in der Medienbranche wird der Begriff eingesetzt. Hier bezeichnet er geistiges Eigentum, das auf vielfältige Art und Weise vermarktet werden kann. Meist liegen einer Franchise im Medienbereich erfolgreiche Geschichten oder Charaktere zugrunde.

Ein gutes Bespiel dafür ist „Herr der Ringe“. Zunächst nur als Buch erfolgreich, entstanden parallel zur Filmproduktion auch Videospiele, Begleitbücher, Sammelalben, Plastikfiguren und viele andere Produkte. Im Rahmen der Franchise werden Nutzungsrechte vergeben, die die Produktion von solchen Artikeln gestatten. Umfassendes Merchandising und Sponsoring sind Bestandteile solcher Franchises.

Der Sportverein als Wirtschaftsunternehmen

Im Sport wird das Wort Franchise hauptsächlich in den nordamerikanischen Sportligen verwendet. In diesem System gibt es weder Auf- noch Absteiger und die Ligen sind auf eine bestimmte Anzahl von Teams beschränkt. Professionelle Sportclubs gehören meist Privatpersonen, werden als Wirtschaftsunternehmen geführt und als solche Franchises genannt.

Sie haben nicht wie hierzulande meist üblich einen Sonderstatus als Vereine. Sportfranchises können daher auch relativ leicht ihren Besitzer oder sogar ihren Standort wechseln.

Franchising im Versicherungswesen

Franchise ist zudem ein Begriff, der im Versicherungswesen verwendet wird. Dort bezeichnet Franchise einen zwischen Versicherung und Versicherungsnehmer vereinbarten Betrag, bis zu dem der Versicherungsnehmer den Schaden selbst trägt. Bekannter als das Wort Franchise ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Selbstbeteiligung“.

Ein umfassendes Online-Lexikon, das Begriffe aus dem Franchising im Sinne der Vertriebsform erklärt, und weitere Informationen zur Geschichte des Franchisings bietet das Franchiseportal in der Rubrik "Wissen & Tools".

(Bild: ©Shariff Che'Lah – Fotolia.de)