Das Startup-Interview: 11 Fragen an Susann Reimers – Elly & Stoffl Privatkindergarten

Veröffentlicht am 25. Mai 2010 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Susann Reimers hat den Schritt gewagt, den sich viele nicht zutrauen: Sie hat sich nach dem Studium mit einem Privatkindergarten selbstständig gemacht. Was den bilingualen Kindergarten Elly & Stoffl so besonders macht, ist sein Konzept: Besondere pädagogische Förderung, Stärkung und Ausbau der kindlichen Gesundheit, sowie höchste Flexibilität für berufstätige Eltern.

Unternehmer.de-Redakteurin Patricia Scholz sprach mit Susann Reimers, Gründerin des Elly & Stoffl Privatkindergartens und Krippe München, über ihren Weg in die Selbstständigkeit.

Ideenfindung & Finanzierung

Frau Reimers, wann und warum reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Susann Reimers: Dieser Entschluss musste gar nicht reifen, er stand am ersten Tag im ersten Job nach dem Studium fest. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass mir alles viel zu langsam und bürokratisch von statten ging. Ein großes Unternehmen steht sich oft träge und behäbig selbst im Weg.

Wenn ich dies tagtäglich ertragen muss, kann ich meine Potentiale nicht nutzen und das wiederum macht mich unglücklich. Außerdem besitze ich die persönliche Schwäche, nur in Ausnahmefällen belehrbar zu sein, das macht sich im Angestelltenverhältnis gar nicht gut.

Und was waren Ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?

Susann Reimers: Ich hatte Angst, dass mich die Mütter, so kinderlos wie ich damals war, nicht ernst nehmen und unser Konzept dadurch für unglaubwürdig abstempeln würden. Diese Befürchtung trat nicht ein und das war auch gut.

Die am weitesten verbreitete Angst unter Existenzgründern ist, nehme ich an, der Verlust der Sicherheit. Doch welcher Job ist heute sicher? Und, Hand aufs Herz, was wäre diese Sicherheit wert, wenn man im Anstellungsverhältnis nicht glücklich wird. Belastende Unzufriedenheit, aber dafür lang anhaltend und sicher!

In meinem Freundeskreis lamentieren viele über ihre Arbeitgeber und denken dabei oft laut über die eigene Selbstständigkeit nach. Leider setzen es die wenigsten dann auch um. Das finde ich sehr schade.

Welche Möglichkeiten der Finanzierung hatten Sie, welche Quellen standen Ihnen zur Verfügung?

Susann Reimers: Da ich vom Elternhaus nicht mit finanziellen Polstern ausgestattet war, habe ich mich fremdfinanzieren müssen. Ich habe mich größtenteils über Existenzgründerkredite der LfA finanziert. Doch hierfür braucht man getreu des Hausbankprinzips eine Bank, die diese Kredite beantragt und durchsteuert. Eine solche Bank zu finden, war mein größtes Problem. Von 25 Gesprächen sagten 24 Institutionen ab. Das dafür notwendige Eigenkapital habe ich in den vorangegangenen 5 Jahren Berufstätigkeit erarbeitet.

Meine eher asketische Lebensweise hatte dazu geführt, dass ich einen hohen Teil meines Gehaltes auf die hohe Kante legen konnte. Außerdem half mir das Preisgeld über 50.000€ des enable2start-Businessplan-Wettbewerbs, auf meine Eigenkapitalzielquote zu kommen.

Haben es Frauen schwerer als Männer beim Weg in die Selbstständigkeit?

Susann Reimers: Nein, warum sollten sie? Ich würde mir wünschen, dass solche Fragen gar nicht erst gestellt werden würden. Diese bringen Frauen erst auf die Idee, dass sie es schwerer haben könnten. Doch das ist meines Erachtens, salopp gesagt, Quatsch. Wir können nicht von den Frauen oder auch nicht von den Männern im generellen Sinne sprechen, das wäre viel zu einfach.

Was denken Sie, gründen Frauen anders als Männer?

Susann Reimers: Ich halte, um ehrlich zu sein, nicht viel davon, in dieser Thematik geschlechtsspezifische Besonderheiten zu ziehen. Meines Erachtens führt dies zu einer selektiven Wahrnehmung. Ich glaube, dass jeder Gründer auf seine ganz eigene Weise in die Selbständigkeit startet und ich glaube auch, dass es aber auch viele Gemeinsamkeiten unter uns gibt. Ich sehe dies jedoch nicht in einem Zusammenhang mit dem jeweiligen Geschlecht sondern eher in Abhängigkeit von der Branche sowie von persönlichen Ausgangsvoraussetzungen.

Erfolge & Tipps

Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

Susann Reimers: Stolz ist nicht gut, er hemmt den Willen, weiter am Unternehmen zu arbeiten. Ich bin froh, heute die Freiheit zu besitzen, neue Expansionsprojekte anstoßen zu können ohne bei 25 Banken vorstellig zu werden. Wir haben einen "proof of concept", der überzeugt und beweißt, dass die Idee funktioniert. Außerdem kann ich einfacher anderen Gründungsideen, wie beispielsweise dem Projekt Bildungsmesse Expo Educatio nachgehen. Das gibt mir die unternehmerische Freiheit, die ich brauche.

Was war Ihnen die größte Hilfe beim Unternehmen Selbstständigkeit?

Susann Reimers: Mein Partner, der an die Idee glaubt und mich ohne Vorbehalte immer unterstützt hat. Wenn es schwierige Situationen gab, in den ich am Projekt zweifeln wollte, hat er meinen Ehrgeiz angestachelt, weiterzumachen und nicht aufzugeben.

Welchen Rat können Sie Frauen geben, die sich ebenfalls selbstständig machen möchten?

Susann Reimers:

  1. Nicht zu viel nachdenken. Sich ab einen bestimmten Punkt selbst ins kalte Wasser werfen und darauf vertrauen, dass man zur Höchstleistung aufläuft. Das funktioniert, weil man glaubt, nicht mehr zurück zu können. Somit geht es nur noch nach vorne und das mit gebündelter Energie.
  2. Die Scheu vor der Selbstständigkeit ablegen Der Großteil der Unternehmer würde nicht mehr ins Angestelltenverhältnis zurückgehen wollen. Das allein spricht doch schon für sich.

Was haben Sie unterschätzt? Und was lief besser als gedacht?

Susann Reimers: Ich habe alles recht optimistisch auf mich zukommen lassen ohne jedoch eine klare Vorstellung von den Dingen „nach“ der Gründung zu haben. Daher bin ich weder enttäuscht noch besonders positiv überrascht. Es freut mich natürlich sehr, dass unser Konzept so gut angenommen wird. Wäre es anders gekommen, hätte ich mein Handeln bzw. unser Konzept schnellstmöglich modifiziert und auf die Erkenntnisse aus der Situation abgestimmt.

Besonderheiten & Perspektiven

Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Susann Reimers: Nein.

Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständige Unternehmerin behaupten zu können?

Susann Reimers:

  1. Durchhaltevermögen und Kreativität im Umgang mit Problemen
  2. einen visionären Wille, dass man alles schaffen kann sowie
  3. eine dicke Haut

Vielen Dank Frau Reimers für das Gespräch!

www.ellyundstoffl.de

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