Das Startup-Interview: 11 Fragen an Robin Behlau – Käuferportal.de

Veröffentlicht am 4. Februar 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Die Berliner B2B-Plattform Käuferportal.de wurde im Juli 2008 von Mario Kohle und Robin Behlau gegründet. Mitte November 2008 brachte es das Startup bereits auf  500 gestellte Anfragen und mehr als 150 registrierte Verkäufer - Tendenz stark steigend.

Aktuell vermittelt Käuferportal.de Kopierer, Plotter, Projektoren, Computer, Telefonanlagen und Tresore. Seit November werden auch Dienstleistungen angeboten. Bis zum Oktober 2009 sollen insgesamt 60 Produktkategorien über Käuferportal erhältlich sein.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter aus den Bereichen Marketing, Online-Redaktion, Vertrieb, Informationstechnologie, Personalwesen und Öffentlichkeitsarbeit.

Unternehmer.de sprach mit Robin Behlau, Geschäftsführer der Beko Käuferportal GmbH.

Wille & Entschluss

Herr Behlau, wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Robin Behlau: Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, kam Mario und mir schon während unseres Studiums. Wir haben fast zwei Jahre an unserer ersten Geschäftsidee, einer Buchsuchmaschine, gearbeitet und dadurch auch unseren ersten Investor und Mitgründer Lukasz Gadowski kennengelernt.

Ängste & Finanzierung

Was waren Ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?

Robin Behlau: Wir haben kaum Ängste gehabt. Ich meine, natürlich hätten wir nach dem Studium einen Job in einem großen Unternehmen annehmen und dann ruhig die Karriereleiter aufsteigen können, aber letztlich haben wir darauf einfach keine Lust gehabt. Wir wollten für uns selbst arbeiten und etwas Eigenes schaffen.

Thema Finanzierung - Welche Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung?

Robin Behlau: Vieles haben wir Privatinvestoren zu verdanken. Diese haben von Anfang an an uns und unsere Idee geglaubt. Vor allem Lukasz Gadowski hatte immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und Fragen. Er war es auch, der den Kontakt zur Szene der Business Angels knüpfte. Des Weiteren haben wir natürlich auch privat investiert. Das bisschen was wir hatten, floss in den Start des Unternehmens. Für die große Unterstützung bin ich sehr dankbar. Die besten Ideen und das beste Team nutzen einem nichts, wenn man niemanden hat, der an einen glaubt.

Gab es Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?

Robin Behlau: Nein, ich persönlich habe nie an unserer Idee oder unserer Arbeit gezweifelt. Ich hatte auch keinen Grund dazu. Die ersten Monate nach der Unternehmensgründung waren erfolgreicher als sich je einer von uns hätte vorstellen können. Insgesamt konnten wir schon über 1.000 Anfragen vermitteln.

Dank unserer Vertriebsmitarbeiter haben wir es in kurzer Zeit geschafft, ein 600 Unternehmen starkes Verkäufernetzwerk aufzubauen. Der Weg, den wir beschlossen haben zu gehen, war der richtige. Darin bestand für mich nie ein Zweifel.

Wenn Sie heute zurückblicken - Was waren die größten Fehler, die Sie vor oder nach Ihrer Gründung begangen haben.

Robin Behlau: Ich denke, den größten Fehler haben wir mit unserer alten Geschäftsidee gemacht. Wir haben damals mit zu wenigen Leuten über unsere Pläne geredet. Ein richtiges Feedback haben wir deshalb nie bekommen. Mario und ich waren natürlich überzeugt, dass das Modell Erfolg haben würde. Dabei stellte sich natürlich die Frage, ob diese Idee tatsächlich bei der Zielgruppe angekommen wäre. Diese Frage haben wir uns nie wirklich beantwortet. Wenn man diesen Schritt nicht beachtet, ist man irgendwann in seiner eigenen Idee so festgefahren und verpasst die Chance, sie in die Praxis umzusetzen.

Als wir uns dann das erste Mal mit Lukasz trafen hat er nur gesagt, er habe noch nie ein so gutes Team mit einer so schlechten Idee gesehen. Das war für uns das Zeichen, den Gedanken fallen zu lassen und uns etwas komplett Neues zu überlegen. Aber wir haben aus unserem Fehler gelernt. Vor der letztendlichen Gründung von Käuferportal standen wir mit vielen Verkäufern in Kontakt, um deren Meinung einzuholen.

Erfolge & Tipps

Jetzt zum Positiven! Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

Robin Behlau: Ich bin besonders stolz darauf, dass wir in so kurzer Zeit ein so gutes Team gefunden haben. Unsere Mitarbeiter haben uns rasant schnell die Website ganz nach unseren Wünschen programmiert. Vor allem waren die Jungs sehr geduldig mit Mario und mir. Denn obwohl wir vom Programmieren keine Ahnung hatten, haben wir trotzdem unsere eigenen Vorstellungen gehabt, die technisch manchmal nicht ganz so leicht umzusetzen waren (lacht).

Unseren größten Erfolg feiern wir jeden Tag: Die Zufriedenheit der Käufer und Verkäufer. Das Käuferportal genießt großen Anklang am Markt. Das ist nach einem halben Jahr nicht selbstverständlich und spricht für die Arbeit unserer Mitarbeiter. Darauf sind wir stolz.

Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Robin Behlau: Denjenigen, die so wie Mario und ich planen, ein Unternehmen zu gründen, kann ich nur empfehlen, einmal ein Praktikum in einem Startup zu machen. Wir suchen übrigens auch noch qualifizierte Praktikanten (lacht). Nein, ernsthaft. Solche Erfahrungen sind sinnvoll. Das Unternehmen sollte sich aber auch noch in einer frühen Phase befinden.

Bevor man einen so großen Schritt macht, wie die Gründung eines eigenen Unternehmens, sollte man einfach mal mitbekommen haben, wie es ist, täglich von morgens bis abends zu arbeiten und wie es ist, die Mitarbeiter weitaus öfter zu sehen als die eigene Familie. Das Feeling in einem Startup ist ein ganz besonderes. Daraus kann man lernen und eventuelle Fehler selbst vermeiden. Gründen ist kein Kinderspiel, bei dem man sich auf seinen Lorbeeren ausruhen kann und den Angestellten die ganze Arbeit überlässt. Das sollte von vornherein klar sein.

Angenommen Sie stünden jetzt kurz vor der Gründung. Würde die aktuelle Wirtschaftslage Ihre Entscheidung beeinflussen?

Robin Behlau: Auf keinen Fall. Den Mutigen gehört die Welt. In diesem Fall wäre ich gerne risikobereit, denn woher soll ich denn wissen, dass ich nicht gerade wegen der Finanzkrise Erfolg hätte? Viele große Unternehmen wie beispielsweise Google, Ebay und die Scout Gruppe sind in den Jahren nach der  Dotcom-Blase zu ihrer heutigen Größe angewachsen. Da hätte schon mehr kommen müssen als eine Finanzkrise, um Mario und mich von der Käuferportal-Gründung abzuhalten.

Charakter & Alternativen

Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Robin Behlau: Meiner Meinung nach sind es besonders Begeisterung, Ehrgeiz, Beharrlichkeit, Mut und Leidenschaft, die einen guten Unternehmer auszeichnen. Vor allem mit Begeisterung sollte man in einem Startup handeln. Es geht bei einer Unternehmensgründung ja nicht immer nur darum, viel Geld zu verdienen. Es soll ja auch ein bisschen Spaß machen (lacht).

Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Robin Behlau: Eigentlich nicht. Ich mag es, mein eigener Herr zu sein und die Erfolge eines Unternehmens zu sehen, das ich mit meinem Freund selbst aufgebaut habe. Ich finde es großartig, wie sich unsere Mitarbeiter für uns und die Firma ins Zeug legen. So etwas bekommt man als Angestellter nicht mit. Da steht man ja sozusagen auf der anderen Seite.

Zukunft & Perspektiven

Was sind Ihre Ziele als Unternehmer?

Robin Behlau: Ich möchte ein Unternehmen aufbauen, das wirklich einen Mehrwert schafft und profitabel wirtschaftet. Daran arbeiten wir ja gerade. Wenn das geschafft ist, würde ich mein Wissen und meine gesammelten Erfahrungen gerne an andere Neugründer weitergeben.

Herr Behlau, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

www.kaeuferportal.de

(Bild: © 2jenn - Fotolia.de)