Existenzgründung in 48 Stunden: „Berufseinsteiger sind genauso willkommen wie Business Angels!“

Veröffentlicht am 14. September 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

Themen: ,

growing & fragile bambooIn den USA schon längst ein Renner, fasst das Phänomen „Startup-Weekend“ nun langsam auch in Deutschland Fuß. Vom 18. bis zum 20. September treffen sich Gründungswillige in Nürnberg, um ihrem Traum vom eigenen Unternehmen ein Stückchen näherzukommen.

Unternehmer.de sprach mit SWNUE (Startup-Weekend Nürnberg)-Initiator Stefan Probst über Sinn, Potential und Inhalt des Events. Stefan Probst ist Vorstandsmitglied der Open Source Business Foundation und berät mit Entresol Unternehmen zu Open Source Kultur und Entrepreneurship.

Inhalt & Programm

Herr Probst, in drei Sätzen: Was ist das Startup-Weekend?

Stefan Probst: Wir werden mit mehr als 100 Teilnehmern im Laufe eines Wochenendes ein neues Unternehmen entstehen lassen – von der ersten Idee über einen komplett ausgearbeiteten Business Plan bis zur Punktlandung am Sonntagabend in Form einer notariell beurkundeten Gründung. Wir stellen dabei die Rahmenbedingungen in Form von Technik, Material und Räumlichkeiten, die konkrete Umsetzung kommt von den Teilnehmern auf Basis von Crowdsourcing und Selbstorganisation. Jeder Teilnehmer kann dabei seine ganz persönlichen Stärken einbringen und um vielfältige Erfahrungen ergänzen.

Was bietet das Startup-Weekend seinen Teilnehmern?

Stefan Probst: Die Teilnehmer können sich mit Gleichgesinnten austauschen und vernetzen, eigene Ideen testen und zur Diskussion stellen sowie Mitstreiter oder Partner finden. Es bleibt dabei die eigene Entscheidung, ob man nur beobachtet, sich aktiv miteinbringt oder sich am Ende des Wochenendes als Gründer an einem der neuen Unternehmen beteiligt. In jedem Fall kann man aus dem Event unterschiedlichste Eindrücke, neue Impulse und wertvolle Kontakte mitnehmen.

Wie ist der Programmablauf?

Stefan Probst: Freitagabend steht das Socialising im Vordergrund. Die Teilnehmer treffen ein, lernen sich kennen und tauschen erste Gedanken aus. Es wird die Möglichkeit geben, erste Ideen und Konzepte kurz vorzustellen. Samstagvormittag werden alle Ideen in zwei Runden präsentiert und es wird entschieden, welche Konzepte ab Nachmittag umgesetzt werden sollen. Im Laufe des Samstags und Sonntags werden dann alle Aspekte eines vollständigen Businessplans ausgearbeitet. Die Gründerteams mit den stärksten Konzepten erhalten dann am Sonntagabend die Gelegenheit, ein neues Unternehmen in der Rechtsform einer UG & Co. KG zu gründen.

Nutzen & Perspektive

Ist das Event nur etwas für bestimmte Branchen und Altersgruppen?

Stefan Probst: Das Event ist für alle Interessierten offen, die sich von dem Umfeld einer Unternehmensgründung angesprochen fühlen. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchen Bereichen sie kommen und wie viel Erfahrung sie einbringen können. Berufseinsteiger sind genauso willkommen wie Business Angels. Gerade der Mix aus unterschiedlichsten Skills und Interessen ergibt eine ganz besondere Mischung, die den besonderen Reiz dieses Events ausmachen.

Inwieweit hilft die Teilnahme als Vorbereitung auf eine reale Existenzgründung?

Stefan Probst: Man kann gezielt in das Wochenende gehen, um eigene Ideen und Konzepte auszuprobieren, zu testen und reifen zu lassen. Man kann sich vielfältiges Feedback holen, Ideen weiterentwickeln und potentielle Partner finden, um ein geeignetes Gründerteam zusammenzustellen. Dieses Team kann sich vom Startup-Weekend auch einfach nur inspirieren lassen, der Gründung wesentliche Schritte näherkommen, diese aber erst zu einem späteren Zeitpunkt durchführen.

Ich habe DIE Idee – was bringt es mir, diese Idee auf dem Startup-Weekend zu präsentieren?

Stefan Probst: Der naheliegenste Effekt besteht darin zu überprüfen, ob man in der Lage ist, seine Idee als „elevator pitch“ in 2-3 Minuten vor einem größerem Publikum erfolgreich zu vermitteln. Besteht sie diese Feuerprobe, dann hat man die Chance, die Idee aus vielen Blickwinkeln beleuchten zu lassen, und kann Kritik und Anregungen von anderen Teilnehmern aufnehmen. Ist die Idee so überzeugend, dass sich eine Gruppe von Mitstreitern findet, dann hat man die Gelegenheit sie bis zur Unternehmensgründung zu bringen.

Was sagen Sie Menschen, die eigentlich gründen wollen, aber aus Angst davor zurückschrecken?

Stefan Probst: Wir bieten allen die Gelegenheit, sich mit vielen anderen Teilnehmern auszutauschen und ihre ganz besonderen Stärken herauszufinden. Jeder sollte dabei auch einen „reality check“  machen, um herauszufinden, ob man die richtigen Voraussetzungen und Eigenschaften für einen Unternehmer mitbringt. Wir haben gerade in Deutschland keine wirklich ausgeprägte Unternehmerkultur, obwohl gerade darin ein enormes Potential für Innovation und Wachstum liegt.

Atmosphäre & Dynamik

Besonders die Dynamik der Startup-Weekends wird von vielen Besuchern als beeindruckend erlebt. Was macht es so besonders, mit 100 fremden Menschen ein Unternehmen zu gründen?

Stefan Probst: Ich denke, vor allem das Miterleben, was durch Selbstorganisation und Gruppendynamik möglich ist. Ganz besonders spannend ist die Tatsache, dass sich viele der Teilnehmer nie zuvor getroffen haben und neben fachlichem Wissen besonders auch „social skills“ gefragt sind, um die richtigen Mitstreiter zu finden und erfolgreich ein Gründerteam auf die Beine zu stellen. Alle Teilnehmer sind aus eigenem Antrieb bei diesem Event und investieren ein ganzes Wochenende ihrer Zeit. Diese hohe Grundmotivation ist vergleichbar mit Open Source Projekten, an denen ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlichster Menschen mitarbeitet und die häufig erstaunliche Ergebnisse hervorbringen. Wir hoffen, dass die Teilnehmer im Anschluss möglichst viel von diesem Potential in das neue Unternehmen transportieren und sich dort bewahren können.

Nun findet mit dem SWNUE das erste Startup Weekend in Süddeutschland statt. Welche Chancen bietet speziell die Metropolregion Nürnberg Gründern?

Stefan Probst: Die Metropolregion Nürnberg muss sich nicht vor „Hochburgen“ wie München, Hamburg oder Berlin verstecken. Neben einer hohen Lebensqualität, nicht zuletzt durch die fränkische Schweiz oder das Nürnberg Seenland, sowie moderaten Lebenshaltungskosten überzeugt der Großraum mit einer vielfältigen Gründerunterstützung wie z.B. durch das Netzwerk-Nordbayern, das Wirtschaftsreferat Nürnberg oder die Open Source Business Foundation, die ihren Sitz in Nürnberg hat.

Herr Probst, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Informationen zum Startup-Weekend Nürnberg

http://swnue.de

(Bild: © Andreas Fischer - Fotolia.com)