Experten-Interview: Der Businessplan!

Veröffentlicht am 21. Dezember 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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iStock_000006414026XSmallOb Existenzgründer oder etablierter Unternehmer: Der Businessplan entscheidet maßgeblich über die Erfolgsaussichten Ihres unternehmerischen Vorhabens. Unternehmer.de fragte beim Start-up-Experten Stefan Probst nach, worauf es in Sachen Businessplan zu achten gilt.

Herr Probst, wie ist die Bedeutung des Businessplans für die Existenzgründung bzw. bei der Suche nach Investoren einzuschätzen?

Stefan Probst: Im Hinblick auf mögliche Investoren hilft ein gut gemachter Businessplan sicher in mehrfacher Hinsicht. Mit seiner Hilfe kann sich ein Risikokapitalgeber schnell einen Überblick zu den wichtigsten Fragen verschaffen. Er lässt aber auch viele Rückschlüsse auf das Gründerteam zu - sind sie in der Lage ihre Ideen kurz, klar und überzeugend darzustellen? Besitzen sie neben der Expertise zur Umsetzung der Idee auch betriebswirtschaftliche Grundlagen? Ist das Geschäftsmodell konsequent durchdacht und sind notwendige Investitionen, erzielbare Umsätze und verbundene Kosten realistisch eingeschätzt? Ein persönliches Gespräch mit den Gründern, bei dem dann auch persönliches Auftreten und Softskills entscheiden, kommt meist erst dann zustande, wenn die Einstiegshürde über den Businessplan genommen ist.

Für die Existenzgründung im Allgemeinen hat der Businessplan einen ganz entscheidenden Effekt. Erst durch das strukturierte und präzise Ausformulieren einer Geschäftsidee wird diese auch für andere Menschen nachvollziehbar und (be)greifbar. Das Aufschreiben hilft hier enorm, um der Idee Profil, Struktur und Klarheit zu geben. Bis zu diesem Zeitpunkt existiert sie nur im Kopf des Gründers, mit dem Businessplan nimmt sie eine konkrete Gestalt an. Spätestens jetzt wird sich der Gründer auch ernste Gedanken über den Kapitalbedarf oder die Kostenstruktur machen.

Stefan Probst - Vorstandsmitglied der Open Source Business Foundation, Geschäftsführer der Entresol Unternehmensberatung und Initiator des Startup Weekend Nürnberg (SWN)Gibt es Faustregeln, die man bei der Erstellung des Businessplans stets berücksichtigen sollte?

Stefan Probst: Es hilft sicher, wenn man sich nicht "verbiegt", sondern authentisch bleibt, also sozusagen die eigene Handschrift und eine persönliche Note verwendet. Dadurch kommen die eigenen Stärken deutlich heraus und bei den Schwächen sollte man sich die Frage stellen, ob sich das Gründerteam um die fehlende Expertise erweitern lässt. Entgegen der üblichen Mentalität alles perfekt machen zu wollen, würde ich persönlich zwei Open Source Prinzipien bei der Erstellung des Businessplans bevorzugen:

In Anlehnung an "release early, release often" sollte der Plan bereits in den ersten Phasen an Freunde, Bekannte und das eigene Netzwerk gegeben werden, um möglichst früh Feedback zu erhalten und aufnehmen/umsetzen zu können. Auf diese Art wird der Plan schneller die notwendige Reife erlangen, die er dann später im Gespräch mit potentiellen Investoren aufweisen muss. Nicht nur in Bezug auf die Länge des Plans würde ich mir noch ein zweites Open Source Prinzip wünschen: KISS - keep it simple, stupid. Kurz, klar, prägnant und einfach nachzuvollziehen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Hilfe bei der Erstellung des Businessplans brauche?

Stefan Probst: Es gibt eine Vielzahl von Anlaufstellen für Gründer, die meistens nicht ausreichend genutzt werden, obwohl sie in den meisten Fällen mit sehr viel Erfahrung und Expertise aufwarten. Für die Metropolregion Nürnberg bietet das Netzwerk|Nordbayern exzellente Unterstützung, und es gibt eine Vielzahl an spezialisierten Initiativen wie das Scientrepreneur-Projekt der Universität Erlangen-Nürnberg. Grundsätzlich sollten aber auch z.B. die Hausbank oder der Steuerberater gute Sparringspartner sein, wenn es um die Entwicklung einer Geschäftsidee geht.

Eine ganz besonders intensive Form der Vorbereitung auf das Unternehmertum ist das Startup Weekend, das wir zuletzt in Nürnberg veranstaltet haben - eine Unternehmensgründung in 48 Stunden, in der die Teilnehmer alle Aspekte einer Gründung sehr intensiv erleben. Stimmt am Sonntagabend neben der Geschäftsidee und dem Businesskonzept auch noch das Gründerteam, dann steht auch gleich der Notar für die konkrete Unternehmensgründung bereit.

Wie zufrieden sind Sie im Rückblick mit Ihrem eigenen Businessplan? Was würden Sie heute anders machen?

Stefan Probst: Bei meinem ersten Startup vor 15 Jahren stand damals viel zu sehr die Technik im Vordergrund, während die betriebswirtschaftlichen Aspekte ins Hintertreffen gerieten. Eine Situation, die oft entsteht, wenn ein Produkt und dessen technische Umsetzung im Mittelpunkt stehen und die restlichen Bereiche zu kurz kommen. Es gibt unzählige Beispiele für technologisch exzellente Produkte, die es leider nie in den Markt geschafft haben.

Man sollte immer versuchen, ein Management-Team zusammenstellen, das möglichst allen Aspekten eines Unternehmens gerecht wird. Zumindest jedoch sollte der allererste Gedanke einer neuen Geschäftsidee beim konkreten Kundennutzen und dem Mehrwert liegen. Wenn sich alle Überlegungen darauf konzentrieren, dann ist ein gesundes Wachstum durch "Bootstrapping" möglich und man kommt am Ende vielleicht sogar ganz ohne den Businessplan ans Ziel.

Herr Probst, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Stefan Probst ist Vorstandsmitglied der Open Source Business Foundation, Geschäftsführer der Entresol Unternehmensberatung und Initiator des Startup Weekend Nürnberg (SWN).

(Bild:© iStockphoto.com)