Ehemalige Selbstständige: Probleme bei der Kreditaufnahme

Veröffentlicht am 3. Mai 2018 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Ehemalige Selbstständige: Probleme bei der Kreditaufnahme

Müssen Selbstständige aufgeben, ist das nicht einfach. In Deutschland wird das Scheitern immer noch als Makel und große Niederlage gesehen. Es prangt über einem Gescheiterten wie ein Damoklesschwert und macht die eigentliche Situation nicht unbedingt einfacher. Denn viele ehemalige Selbstständige haben auch finanzielle Probleme. Das zeigt sich nicht selten, wenn sie später einen Kredit aufnehmen möchten.

Für etliche Kreditgeber spielt es keine Rolle, ob ein ehemaliger Unternehmer längst eine Festanstellung und ein gutes Gehalt hat, der Kredit wird trotzdem abgelehnt. Aber warum ist das eigentlich so? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Wieso kriegen ehemalige Selbstständige oft keinen Kredit?

Grundsätzlich muss bei einer gescheiterten Selbstständigkeit zwischen den Unternehmensarten unterschieden werden.

Wer eine GmbH hatte oder nur bis zur Höhe der Einlage mit dem Privatvermögen haftete, hat häufig weniger Probleme.

Wer jedoch eine Unternehmensform hatte, bei der das Privatvermögen auch zählte, kann beim Scheitern tatsächlich ernste finanzielle Schwierigkeiten haben. Und das zeigt sich in der Privatperson des Unternehmers:

Unternehmerische Verbindlichkeiten

Vielfach gibt ein Selbstständiger auf, weil er das Unternehmen nicht mehr aufrecht halten kann. In dieser Situation laufen Verbindlichkeiten an, für die der Selbstständige geradestehen muss. Gläubiger können das Mahnverfahren gegen ihn beantragen und natürlich auch vollstrecken.

Leasingverträge

Viele Unternehmen leasen die Firmenfahrzeuge oder auch Produktionsanlagen und andere Maschinen. Geht es der Firma schlecht, sind diese Kosten oft nicht mehr zu tragen. Wieder kommt es zum Mahn- und Vollstreckungsverfahren.

Kredite

Die wenigsten Unternehmen kommen gerade in den Anfangszeiten ohne Kredite oder Darlehen aus. Läuft der Betrieb gut, werden sie zurückgezahlt. Nur lief es bei einem gescheiterten Unternehmer nicht gut genug. Die Kredit- und Darlehensverträge werden gekündigt, die Summe direkt eingefordert und können natürlich nicht gezahlt werden.

All diese Beispiele führen zu Forderungen, die mitunter in einem negativen Bonitätseintrag bei Auskunfteien wie der SCHUFA enden können. Problematisch ist, dass Selbstständige von Kreditgebern generell als Risikogruppe eingestuft werden und oft einen schlechteren Score haben als Angestellte. Kommen nun noch negative Einträge hinzu, sinkt der Bonitäts-Score massiv ab. Zudem gilt:

Löschung

Einträge mit höheren Verbindlichkeiten werden erst drei Jahre nach der endgültigen Forderungserledigung gelöscht. Ein Unternehmer kann also seine Finanzen wieder bestens im Griff haben und finanziell gut dastehen, trotzdem meldet die Bonitätsauskunft Probleme.

Nicht durchgeführte Löschungen

Nicht selten werden Einträge aus Versehen auch gar nicht gelöscht. Es empfiehlt sich daher, einmal jährlich eine Selbstauskunft einzuholen, um die Einträge zu prüfen.

Bei der Kreditaufnahme prüfen Banken automatisch die Bonität eines Kunden. Ergibt sich daraus ein schlechter Score, wird der Kredit abgelehnt.

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3 alternative Möglichkeiten

Hat ein gescheiterter Selbstständiger jetzt wirklich keine Chance, einen Kredit aufzunehmen? Gerade bei Personen, die eine gute Festanstellung gefunden und ihre unternehmerischen Verbindlichkeiten abgebaut haben, ist das natürlich ein echtes Problem. Sie könnten nun abwarten, bis alle Einträge gelöscht wurden, aber das bedeutet auch, dass in mindestens drei Jahren kein Auto oder eine Anschaffung auf Raten getätigt werden kann. Glücklicherweise gibt es Lösungen:

1. Partner

Wenn die finanziellen Voraussetzungen zum Abbezahlen des Kredits gegeben sind, kann natürlich der Partner einen Kredit aufnehmen. Das geht bei Eheleuten, aber auch bei anderen Lebensgemeinschaften.

Wichtig ist allerdings, dass zwischen den Partnern ein zusätzlicher Vertrag geschlossen werden sollte, der die Kreditbegleichung innerhalb der Partnerschaft regelt.

2. Privatkredite

Kleinere Darlehen lassen sich häufig in der Verwandtschaft aufnehmen. Doch auch größere Summen können von Privatpersonen geliehen werden. Es gibt im Internet spezielle Portale, auf denen Privatpersonen Gelder im Rahmen eines Privatkredits zur Verfügung stellen. Manche Portale legen spezielle Regeln fest, andere überlassen es den Parteien, eine Lösung zu finden.

Wichtig ist nur, dass auch über diesen Kredit ein fester Vertrag geschlossen wird, der die Kredithöhe, Rückzahlungsbedingungen und Zinsen aufführt. An das Portal muss zumeist eine Provision entrichtet werden, die sich an der Kredithöhe orientiert.

3. Schufafreie Kredite

Eine weitere Möglichkeit sind Kredite, die ohne oder trotz Bonitätsauskunft bei der Schufa aufgenommen werden. Auch diese gibt es in seriöser Form online. Die Zinskosten liegen ein wenig höher als bei üblichen Krediten, zudem sind die Kreditsummen beschränkter oder orientieren sich am Einkommen.

Für die Aufnahme eines solchen Kredits ist es wichtig, die finanzielle Situation darlegen zu können. Gehaltsnachweise, etwaiges Vermögen oder auch Eigentum wie Immobilien oder Aktien müssen vorgewiesen werden. Einige Anbieter erwarten eine Sicherheitsleistung in Form einer Abtretung des jeweils pfändbaren Teils vom Lohn und Gehalt.

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass auch bei vorläufig gescheiterten Selbstständigen die Höhe des gewünschten Kredits entscheidet. Wer nur einen Kleinkredit sucht und nicht mehr als 2.500,00 Euro aufnimmt, der hat oft gar bei der Hausbank eine Chance. Zumindest dann, wenn bei der Bank keine Verbindlichkeiten offen sind, die Konten im Plus sind und die Bank sehen kann, dass seit längerer Zeit monatlich ein fester Geldeingang kommt. Auch Klein- und Sofortkredite sind in diesen Fällen problemlos möglich. Wer ein Eigenheim besitzt, hat ebenfalls wesentlich geringere Schwierigkeiten, einen Kredit zu erhalten. Trotzdem gilt:

Rechnen

Wer finanziell in der Selbstständigkeit gescheitert ist, sollte achtgeben, sich nicht wieder zu verschulden. Anderenfalls kommen nur noch neue Bonitätseinträge hinzu.

Verschuldung

Wer noch aus der Selbstständigkeit hoch verschuldet ist, sollte haargenau aufpassen, wenn er einen weiteren Kredit aufnimmt. Kann er diesen nicht zurückzahlen, könnte dies als Betrug gewertet werden, weil die finanzielle Situation bekannt war.

Insolvenz

Wer sich in der Privatinsolvenz befindet, darf keinen Kredit aufnehmen.

Anders sieht es natürlich aus, wenn vor der Insolvenzeröffnung ein Kredit in der Höhe aufgenommen wird, die es erlaubt, einen Vergleich mit den Gläubigern zu schließen und die Insolvenz abzuwenden. Dies sollte aber ausschließlich mit einem Rechtsanwalt besprochen werden.

Fazit: Lösungen sind vorhanden

Auch ein ehemaliger Unternehmer muss nicht dauerhaft auf einen Kredit verzichten. Sind regelmäßige Einnahmen ist ausreichender Höhe vorhanden, wurden die bisherigen Schulden getilgt oder handelt es sich nur um eine überschaubare Summe, ist die Kreditaufnahme sogar relativ leicht.

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