Startup-Interview mit Vimcar: Die Digitalisierung des Fahrtenbuchs

Veröffentlicht am 3. Juli 2017 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

Themen:

Startup-Interview mit Vimcar: Die Digitalisierung des FahrtenbuchsDas Fahrtenbuch revolutionieren - dieses Ziel hatten die beiden Vimcar-Gründer Andreas Schneider und Christian Siewek. Wie es zu diesem Ziel kam, welche Tipps sie anderen Gründern geben und was die zukünftigen Pläne der Unternehmer sind, erfährst du hier im Interview:

unternehmer.de: Stellt euch und euer Unternehmen doch einfach mal kurz vor

Andreas Schneider: Wir von Vimcar möchten Autofahren im geschäftlichen Rahmen einfacher und kostengünstiger machen. In Deutschland gibt es Millionen Firmenwagenfahrer. Man mag es kaum glauben, aber bislang ist die Verwaltung von Firmenwagen in vielerlei Hinsicht ineffizient und für zu viele Anwendungsfälle untauglich: Fast jeder Fuhrpark setzt sich aus Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller zusammen.

Die großen Automobilhersteller produzieren bei der Vernetzung ihrer Fahrzeuge allerdings einzig Lösungen für ihre Marke – Insellösungen, die dem Kunden nicht weiterhelfen. Software zur Fuhrparkvernetzung muss nämlich markenübergreifend funktionieren, um auf einen Schlag den gewünschten Überblick über den gesamten Fuhrpark zu gewährleisten.

Vimcar tut genau das. Begonnen haben wir mit einem digitalen Fahrtenbuch zur Firmenwagenversteuerung, das wir gemeinsam mit Steuerberatern entwickelt haben. Der durchschnittliche Vimcar-Nutzer spart gegenüber der alternativen 1%-Versteuerung 2.750 € Steuer pro Jahr. Darauf aufbauend haben wir einen digitalen Fuhrparkleiter entwickelt. Er macht administrative Aufgaben rund um den Firmenwagen in einer sehr einfach zu nutzenden Software abwickelbar und vernetzt den gesamten Fuhrpark (herstellerübergreifend) intelligent zu einer professionell geführten Flotte.

unternehmer.de: Was habt ihr gemacht, bevor ihr euch voll und ganz auf eure Geschäftsidee konzentriert habt? Und wie seid ihr auf die Idee gekommen genau in diese Branche einzusteigen?

Andreas Schneider: Die Idee zu Vimcar ist gemeinsam mit meinem jetzigen Kollegen Christian Siewek entstanden, den ich bereits während meines Masterstudiums in St. Gallen kennengelernt habe. Ein Bestandteil des Studiums war ein einjähriges Forschungsprojekt. Ich habe meines bei Audi absolviert und Christian war bei Haufe Lexware tätig. Sehr schnell habe ich festgestellt, dass es im Automobilbereich mehr herstellerübergreifende Lösungen geben muss - speziell vor dem Hintergrund, dass sich die meisten Unternehmensfuhrparks aus Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller zusammensetzen, die Automobilunternehmen selbst aber nur Lösungen für ihre eigene Marke entwickeln.

Nach und nach kamen wir zu dem Schluss, dass wir mit einem Produkt starten müssen, welches von der Grundidee her jeder kennt. Wir entschieden uns also für das Fahrtenbuch. Hier kam für uns glücklicherweise hinzu, dass Fahrtenbücher bei Steuerzahlern sehr negativ behaftet sind, da sie regelmäßig zu Ärger mit dem Finanzamt führen. Der Bedarf nach Innovation war also längst vorhanden.

Über die Gründung des Startups: Ideen, Ängste & Co.

unternehmer.de: Wie waren die anfänglichen Reaktionen auf eure Idee in eurem direkten Umfeld?

Andreas Schneider: Zu Beginn überwiegte Skepsis - das ist ja klar. Nicht zu Unrecht wie ich finde, denn die eigene Firmengründung ist natürlich mit einem hohen Risiko verbunden. Hinzu kommt, dass Christian und ich unmittelbar nach dem Studium tolle Perspektiven hatten - mir lag beispielsweise ein interessantes Jobangebot aus der Automobilbranche vor. Was will man nach dem Studium denn mehr?

Dennoch war die Lust, etwas eigenes zu machen größer. Wir wollten unsere Vision umsetzen. Direkt nach dem Studium war dazu einfach der ideale Zeitpunkt - wir hatten hier am wenigsten zu verlieren.

Hinzu kam, dass wir quasi ab Minute 1 den Schweizer Business Angel Christophe Maire als Investor an unserer Seite hatten. Er konnte seine jahrelange Erfahrung einbringen und uns die Tür zu anderen Investoren öffnen.

unternehmer.de: Was waren eure größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken daran, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es Momente, in denen ihr an der Idee gezweifelt habt?

Andreas Schneider: Natürlich ist die größte Angst bei der Firmengründung zu scheitern. An unserer Idee gezweifelt haben wir aber nie.

Rückblickend fand ich besonders wichtig, die Firma nicht alleine gegründet zu haben. Wir saßen gemeinsam im Büro und konnten uns gegenseitig immer motivieren. Da geht alles nochmal besser von der Hand.

Bezogen auf das Produkt war es am Anfang natürlich besonders schwierig, da wir es erstmal entwickeln mussten und noch nichts verkauften. Dazu gehörte viel tüfteln, ausprobieren und auch der ein oder andere Fehler. Die ersten Sales waren dafür umso freudiger für uns!

unternehmer.de: Welche Quellen standen euch bei der Gründung zur Verfügung?

Andreas Schneider: Im Nachhinein profitierten wir enorm vom umfassenden Netzwerk der Universität St. Gallen. Wie bereits genannt, gehört dazu der Business Angel Christophe Maire, der noch heute als Mentor an unserer Seite steht. Inzwischen gibt es themenspezifisch sehr guten Online-Content, den die Gründer-Community (v.a. aus dem Silicon Valley) offen teilt. Im SaaS-Bereich sind das z.B. Newsletter wie die Hiten Shah oder der SaaStr Fundus.

unternehmer.de: Welche Tipps für die Gründungsphase und die erste Zeit danach würdet ihr Menschen geben, die gerade mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen?

Andreas Schneider: Man muss wirklich sehr viel Durchhaltevermögen mitbringen. Es mag zwar hart klingen, aber der Anfang wird kein Sprint, sondern ein Marathon.

Man muss immer im Hinterkopf haben, dass es bestimmt schon jemand anderes gemacht hätte, falls es einfach wäre.

Insofern ist der ein oder andere Rückschlag da einfach vorprogrammiert. Wichtig ist, sich an den kleinen Erfolgen hochzuziehen. Dann macht alles doppelt so viel Spaß.

unternehmer.de: Worin unterscheidet sich Vimcar zur Konkurrenz? Inwiefern habt ihr euch während eurer Gründung hierfür Gedanken gemacht?

Andreas Schneider: Von Anfang an war klar, dass die Anerkennung des Systems durch das Finanzamt zunächst ganz oben stehen. Das Produkt soll im Alltag tatsächlich ein “digitaler Helfer” sein und nicht noch für zusätzlichen Aufwand sorgen. Viele der Konkurrenzprodukte des Vimcar Fahrtenbuches sind zwar preiswert, aber reine Software-Lösungen, deren Fahrtenerfassung manuell gestartet werden muss. Das Finanzamt macht da nicht mit. Mit unserer Kombilösung aus Soft- und Hardware, deren Fahrtenerfassung automatisch gestartet wird, schaffen wir bestmögliche Voraussetzungen für eine gelungene Steuerprüfung.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Vimcar-Philosophie - die Benutzerfreundlichkeit des Systems - beginnt bei uns schon bei der Montage: Für die Installation einiger Konkurrenzprodukte sind teure Werkstattbesuche notwendig. Das ist alles andere als zeitgemäß. Der Vimcar Fahrtenbuchstecker ist klein, unauffällig und mit nur einem Handgriff zu installieren. Im Inneren des Systems zeigt sich eine klare Benutzeroberfläche ohne viel Schnickschnack. Genau so wünschen es sich unsere Kunden.

Auch bei Vimcar Fleet, unserer Software zur Fuhrparkverwaltung, grenzt sich die Benutzerfreundlichkeit von der Konkurrenz ab. Die komplizierten und oft sehr teuren Konkurrenzprodukte haben es in der Regel nämlich auf große Fuhrparks abgesehen. Dafür wird eine riesige Bandbreite an Anforderungen berücksichtigt, die das kleine und mittelständische Unternehmen schlichtweg überfordert. Es wünscht ein leicht verständliches und schlankes Produkt für alltägliche Probleme rund um das Thema Firmenwagen. Genau damit erreichen wir mit unserem “digitalen Fuhrparkleiter” die kleinen und mittelgroßen Betriebe.

Über die Führung eines Startups: Persönliche Tipps der Gründer

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Wie nutzt ihr soziale Netzwerke für eure Idee?

Andreas Schneider: Die sozialen Netzwerke sind für uns als SaaS-Unternehmen ein wichtiger Marketingkanal, denn dort stellen wir meist einen ersten Kontakt zum potenziellen Kunden her. Aber nicht nur für den Absatz haben sich soziale Netzwerke für uns als hilfreich erwiesen. Sie helfen uns auch, Feedback von Vimcar-Nutzern zu erhalten. Bekanntlich ist das Feedback bestehender Kunden am wertvollsten und darauf basiert u.a. auch die stetige Weiterentwicklung von Vimcar.

unternehmer.de: Wie geht ihr beim Thema Werbung und Marketing vor?

Andreas Schneider: Wir versuchen offline und online einen Zugang zum Kunden zu bekommen. Das geschieht auf unterschiedliche Weise, beispielsweise in Form von Berichten und Anzeigen in Magazinen, aber auch in unserem Vimcar Blog oder mit Werbung auf Facebook. Durch regelmäßige Newsletter stellen wir sicher, dass wir auch unsere Bestandskunden nicht aus den Augen verlieren. Nach wie vor sind wir noch immer regelmäßig auf Messen vertreten, wo wir im Gegensatz zu herkömmlichen Marketing sehr gut in direkten Kontakt mit den potenziellen Nutzern treten und diesen von uns überzeugen können. Als besonders wichtig hat sich für uns nach und nach allerdings die Rolle der Steuerberater herausgestellt.

Das würde man bei einem Connected Car-Startup zunächst vielleicht nicht so erwarten. In unserem Fall ist das aber genau die Gruppe, die den besten Kundenzugang hat. Unsere Kooperationen mit DATEV und dem Deutschen Steuerberaterverband haben das nochmal verstärkt - mittlerweile empfehlen uns schon über 2.500 Steuerberater ihren Mandanten.

unternehmer.de: Worauf seid ihr rückblickend besonders stolz? Was waren eure größten Erfolge?

Andreas Schneider: Besonders stolz sind wir darauf, ein mittlerweile 35-köpfiges Team aufgebaut zu haben, dass nicht nur beruflich, sondern auch privat prima harmoniert. Das ist ein enorm wichtiger Faktor.

Gute Mitarbeiter sind meiner Meinung nach der größte Hebel zum Erfolg und noch wichtiger, als es in den Gründerbüchern steht.

Ein gutes Arbeitsklima wirkt sich Tag für Tag positiv aus: Lange Bürotage erscheinen dadurch gleich viel kürzer.

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sollte ein selbstständiger Unternehmer eurer Meinung nach auf jeden Fall mitbringen, um sich behaupten zu können?

Andreas Schneider: Durchhaltevermögen und Entschlossenheit. Und dann wäre da noch das nötige Quäntchen Humor, denn das schafft auch in arbeitsintensiven Wochen eine lockere Atmosphäre und wird von den Mitarbeitern mit einem Extra an Motivation zurückgezahlt. ;-)

Über die Zukunft: Welche Ziele hat das Startup?

unternehmer.de: Wie passt eure Geschäftsidee in die heutige Zeit?

Andreas Schneider: In die heutige Zeit passt die Idee schon sehr gut, in die Zukunft aber noch besser. Der Markt wächst kontinuierlich und Firmenfahrzeuge werden künftig eine noch größere Rolle spielen. In persönlichen Gesprächen bekommen wir aber häufig mit, dass einige potenzielle Anwender auch heute, im Zeitalter der Digitalisierung, noch sehr skeptisch sind - aus Angst vor Überwachung, Datenmissbrauch oder einer unzuverlässigen Software.

Damit sich der Nutzer selbst überzeugen kann, dass auch Vimcar hinter Privatsphäre und Datenschutz stehen, bieten wir Anreize wie die 100-Tage-Geld-zurück-Garantie. Das hat sich als enorm effektiv erwiesen und letztlich überzeugen sich auch die meisten Kritiker von der Leichtigkeit des Vimcar Fahrtenbuches - zu Recht, denn früher oder später wird ein Großteil der analogen Lösungen vollständig durch digitale abgelöst.

unternehmer.de: Wie groß ist euer Team jetzt und was sind eure Pläne für die Zukunft?

Andreas Schneider: Begonnen haben wir vor etwa drei Jahren zu dritt, aktuell besteht das Team wie bereits angesprochen aus etwa 35 Mitarbeitern. Dank des anhaltenden Wachstums von Vimcar wird das Team auch weiterhin sukzessive wachsen. Dazu sind wir fleißig auf der Suche nach neuen Leuten. Im kommenden Jahr möchten wir uns nochmals vergrößern, in Bezug auf die Mitarbeiter- als auch die Kundenanzahl.

unternehmer.de: Eine letzte Frage: Ein Abendessen mit einem Begleiter eurer Wahl – egal, ob tot oder lebendig. Wer wäre das und was würdet ihr ihn/sie fragen?

Andreas Schneider: Bundesfinanzminister Schäuble, um gemeinsam mit ihm die Einführung der Fahrtenbuchpflicht zu diskutieren. :-)

unternehmer.de: Vielen Dank für das interessante Interview!