Startup-Idee: Ein Stift, der bei Rechtschreibfehlern vibriert!

Veröffentlicht am 20. Mai 2014 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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VibeWrite Startup Interview

VibeWrite Gründer Daniel Kaesmacher (li.) und Falk Wolsky (re.)

Die genialsten Startup-Ideen entstehen oft in Alltagssituationen - Falk Wolskys Frau wünschte sich für ihren Sohn einen Stift, der bei Rechtschreibfehlern vibriert. Diese Idee ließ "VibeWrite"- Gründer Falk Wolsky nicht mehr los.

Er und seine Mitgründer, Daniel Kaesmacher und Alexander Hanke verraten uns, wie sie Social Media für ihre Geschäftsidee nutzen und was junge Unternehmen in der Gründungsphase beachten sollten.

unternehmer.de: Hallo ihr beiden. Stellt euch und eure Idee doch bitte kurz vor!

Falk Wolsky: Wir entwickeln und vertreiben den ersten Stift, der vibriert, wenn man sich verschreibt!

Daniel Kaesmacher: Die VibeWrite UG wurde im Februar 2013 von Falk Wolsky, Daniel Kaesmacher und Alexander Hanke gegründet. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt den VibeWrite Lernstift, die dazugehörigen Accessoires und die umgebende Software-Plattform.

Alexander Hanke: Wir stellen neuartige digitale Stifte für Kinder und Erwachsene her. Für die Erkennung von Handschrift nutzen wir Bewegungssensoren. Das ist neu. Und somit funktionieren unsere Stifte völlig eigenständig und benötigen weder teures Spezialpapier noch externe Zusatzgeräte. Über WLAN und Bluetooth können die VibeWrite Stifte das Geschriebene außerdem auf PC oder Smart Device übertragen.

unternehmer.de: Wie ist eure Geschäftsidee entstanden? Und was war letztlich der ausschlaggebende Punkt euch mit der Idee selbständig zu machen?

Falk Wolsky: Die Idee entstand direkt aus einem Alltagsbedürfnis: Mein Sohn machte bei den Hausaufgaben immer wieder unnötige Fehler, weil es ihm an Aufmerksamkeit fehlte. „Der Stift müsste ihm immer, wenn er etwas falsch schreibt, ein Signal geben“, sagte meine Frau. Da war die Idee geboren – und ich begann kurzerhand mit der Realisierung ...

Auf das richtige Team und eine machbare Finanzierung kommt es an!

unternehmer.de: Wie groß ist euer Team derzeit und wie habt ihr zueinander gefunden?

Falk Wolsky: Wir haben die Besten ihrer Klasse zu einem erstklassigen Team zusammenschweißen können. Es ist uns gelungen, ein Team mit 14 Mitarbeitern zusammenzustellen, dessen Mitglieder extrem engagiert und professionell sind. Wir sind überzeugt: Mit diesem Team können wir alles erreichen!

Daniel Kaesmacher: Acht Entwickler bringen ihre kombinierte Hardware- und Software-Kompetenz ein, um die bestmögliche Produkterfahrung zu realisieren.

Alexander Hanke: Wie im Flug sind wir von drei Gründern auf inzwischen 14 Team-Mitglieder angewachsen. Ende 2014 werden wir ein ca. 20-köpfiges Team sein. Ende 2015 ca. 35.

unternehmer.de: Gibt es bereits ähnliche Ideen oder Produkte?

Daniel Kaesmacher: Es gibt bereits Stifte mit Batterien. Einige davon erkennen auch Handschrift. Diese funktionieren aber nur mit externen Zusatzgeräten oder teuren Spezialpapier. Somit sind wir mit unserer Technologie weltweit einzigartig. Denn bei unserem Stift braucht der Nutzer weder teures Spezialpapier noch externe Zusatzgeräte.

unternehmer.de: Seit wann tüftelt ihr schon an dem Stift und wie ist der derzeitige Stand?

Falk Wolsky: Die Idee entstand im Herbst 2012. Seit Mai 2013 arbeiten wir in München mit einem wachsenden Team.

unternehmer.de: Wie finanziert ihr euch derzeit?

Falk Wolsky: Aktuell über Private Pre-Seed Investoren – Menschen wie Du und ich –, die an die Idee und das weltweite Potenzial des Produktes glauben.

Alexander Hanke: Zudem läuft gerade ein Crowdfunding bei Seedmatch.de, wo sich jeder ab 250 Euro an unserer Firma als Privatinvestor beteiligen kann.

Daniel Kaesmacher: Seit April ist außerdem unser Webshop online und wir verkaufen bereits die Lernstifte.

Erfahrung zahlt sich aus: Aus Fehlern lernt man!

Gründer-Interview mit einem Hardware Start-up: VibeWrite

Gründer Falk Wolsky beim "Schreiben üben"

unternehmer.de: Wenn ihr ganz an den Anfang zurückblickt: Würdet ihr heute etwas anders machen?

Falk Wolsky: Es wäre vermessen zu sagen, alles würde perfekt laufen. Aber wir sind tatsächlich nahe daran. Aus der heutigen Sicht würde ich kaum etwas anders machen wollen. Die Fehler habe ich in meinen anderen Startups vor VibeWrite schon gemacht. Es ist gut zu sehen, wie sich die zahlreiche Erfahrung positiv auswirkt.

unternehmer.de: Was war bisher euer größte Erfolg? Worauf seid ihr besonders stolz?

Daniel Kaesmacher: Besonders stolz macht uns die Auszeichnung „highly recommended“ („besonders empfehlenswert“) vom Wolfson College der Universtity of Oxford

Falk Wolsky: Wir haben außerdem einige Dinge geschafft, die zumindest ungewöhnlich sind. So haben wir z.B. bisher rund 750.000 EUR Investitionen erhalten aber noch
keine Stimmrechte der Firma abgegeben. Damit haben wir die Weiterentwicklung ohne Fremdbestimmung in der Hand. Auch haben wir das Ziel geschafft ein High-Tech Produkt fertigen zu können und gleichzeitig einen End-Kundenpreis von unter Hundert Euro halten können. Die Entwicklungszeit war knapp 1,5 Jahre. Das ist recht schnell für ein Hardware-Startup.

Tipps für Gründer und solche, die es werden wollen

unternehmer.de: Welche Tipps würdet ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

Falk Wolsky: Viele junge Unternehmer stürzen sich zuerst auf die Entwicklung ihres Produktes. Haben aber davor häufig nicht geprüft, ob es einen konkreten Bedarf gibt. Ich rate, möglichst früh die Außensicht einnehmen und hinterfragen, ob das Produkt verstanden wird, ob man den Bedarf richtig einschätzt. Dazu würde ich zuerst mit der Präsentation der Idee beginnen. Klassisches Marketing.

Daniel Kaesmacher: Und von Anfang an eine Marke bauen. Denn ob es Investoren, User oder Käufer sind ... man kann gar nicht früh genug anfangen, klar, überzeugend und relevant zu kommunizieren.

unternehmer.de: Erzählt uns doch eine kuriose Begebenheit aus eurer Gründungsgeschichte!

Daniel Kaesmacher: Ich habe Falk über Facebook kennengelernt – über eine Startup-Gruppe. Und: Wir haben allein mit einem funktionslosen 3D Druck den „Most innovative Product Award“ bei einer Veranstaltung für Händler und Distributoren in Rom gewonnen!

unternehmer.de: Gibt es Eigenschaften, die ein Existenzgründer mitbringen muss?

Falk Wolsky: Ausdauer, Motivation, ein Blick, der gleichzeitig auf die Zukunft und die Gegenwart fokussiert, Know-how und die Fähigkeit Menschen für seine Idee zu begeistern.

Alexander Hanke: Eigenkapital schadet natürlich auch nicht.

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Wie nutzt ihr soziale Netzwerke für eure Idee? Welche Strategie habt ihr hier?

Falk Wolsky: Social Media spielt für uns eine zentrale Rolle. So wird jeder Stift-Nutzer den Stift mit einem sozialen Profil verbinden können. Vom Stift nach Facebook lassen sich dann z.B. Nachrichten verfassen. Über Social-Media-Login wird auch der Zugang zur eigenen privaten Cloud möglich, in der man seine Texte und Notizen speichern kann. Social Media ist ebenso ein extrem wichtiger Marketing-Kanal. Weltweit wird unser Produkt auf Facebook, Twitter und Google diskutiert. Wir haben dadurch schon sehr viel lernen können.

unternehmer.de: Na dann wünschen wir euch weiterhin viel Erfolg mit eurer Idee und bedanken uns für das Interview!