„Wir bauen den einfachsten Server der Welt“ – Startup Interview mit Protonet

Veröffentlicht am 15. März 2014 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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"Wir bauen den einfachsten Server der Welt" - Startup Interview mit ProtonetNicht nur einen eigenen Server haben sie entwickelt, sondern auch die dazugehörige Software.

Ali Jelveh und Christopher Blum, Gründer von Protonet, erzählen uns in folgendem Interview alles Wissenswerte von der Gründungsidee, über Crowdfundig und Seed Finanzierung, bis hin zu ihren Zukunftsvisionen und wie sie es sogar zum Startup des Jahres schafften.

Von der Idee zum Unternehmen

unternehmer.de: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Ali Jelveh: Wir sind Protonet und wir bauen den einfachsten Server der Welt.

unternehmer.de: Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen und wann kam es zum Entschluss, tatsächlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Jelveh: Die Cloud wie sie heute ist, bringt viele Vorteile mit sich: ständige Verfügbarkeit, einfache Handhabung und geringe Kosten. Informationen sind im Internet frei verfügbar, auch für die, denen früher neues Wissen verwehrt wurde. Wem gehören aber die Daten bzw. wo liegen sie? Nicht bei uns, sondern bei den Betreibern von Rechenzentren und Services und sie unterliegen der Kontrolle von Staaten. Wir haben uns gefragt: Geht das nicht anders? Kann man nicht den Komfort der Cloud mit der Datenhoheit eines eigenen Servers verbinden? Und wir dachten: Ja, das geht, aber nur, wenn man die Komplexität für den Nutzer praktisch auf Null reduziert.

unternehmer.de: Was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Jelveh: Wir sind ja mittlerweile schon 20 Mann, aber Christopher und ich haben uns bei XING getroffen, wo wir vorher Software gebaut haben – die übrigens auch heute noch verwendet wird.

"Es sieht sexy aus & vor allem: Alles ist Made in Germany"

unternehmer.de: Wie schafft Ihr es, Euch von der Konkurrenz abzuheben? Was macht Ihr anders?

Jelveh: Wir versuchen zum einen, ein sehr gutes Produkt zu bauen, zum anderen versuchen wir einen sehr guten Service anzubieten. In der IT ist es nicht selbstverständlich, dass man sich bei den beiden Punkten am Kunden orientiert. Unsere Software (Protonet SOUL) bietet alles, was Unternehmen so brauchen: eine einfache Kommunikations- und Projektstruktur mit einfacher Rechtevergabe, Dateimanagement, Kalender, Kontakte, Wiki, Videotelefonie und so weiter – alles in einem Tool und ohne IT-Verständnis bedienbar. Es gibt keine Begrenzung an Nutzern oder Projekten.

unternehmer.de: Gibt es einen Unterschied zur Cloud?

Jelveh: Technisch gesehen ja, aber für den Nutzer ist es das gleiche Erlebnis: Er kann immer und von überall auf Protonet SOUL zugreifen. Das ganze ist immer SSL-Verschlüsselt und die Daten sind bei mir. Ich habe die Datenhoheit.

unternehmer.de: Was sind die Vorteile gegenüber klassischen Servern?

Jelveh: Es gibt nur einen Knopf, jeder kann unseren Server bedienen. Dazu ist er dank eigens entwickelter Passivkühlung sehr leise und ressourcenschonend. Es gibt weniger thermischen Stress im inneren, was die Langlebigkeit positiv beeinflusst. Es sieht sexy aus und vor allem: Alles ist Made in Germany.

Gründer Ali Jelveh mit dem Schatz in der Hand: Der Protonet Server

Gründer Ali Jelveh mit dem Schatz in der Hand: Der Protonet Server

unternehmer.de: Ist die Bedienung und Einrichtung eines eigenen Servers nicht etwas aufwendig?

Jelveh: Wie gesagt: Man muss nur den einen Knopf drücken, nachdem man den Strom und das Netzwerkkabel eingesteckt hat. Der Rest ist komplett vorkonfiguriert.

200.000€ durch Crowdfunding

unternehmer.de: Wie finanziert Ihr Euch?

Jelveh: Wir haben neben eigenem Geld und ein paar Preisen eine Exist-Förderung bekommen, sowie im November 2012 eine Rekord-Crowdfunding Kampagne über 200.000€ gemacht. Dann kamen nochmal 900.000€ Seed-Investment dazu. Und wir verdienen natürlich Geld.

unternehmer.de: Wenn Ihr heute zurückblickt: Was waren die größten Fehler, die Ihr vor oder während Eurer Gründung begangen habt?

Jelveh: Ich würde vielleicht etwas eher jemanden einstellen, der sich mit Marketing und Sales auskennt. Ansonsten finde ich es wichtig, dass man seinen eigenen Weg geht.

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz, was waren Eure größten Erfolge?

Jelveh: Die Crowdfunding Kampagne ist der Moment gewesen, als ich wusste, dass es klappen wird. Das war überwältigend. 2013 war auch toll, wir haben ein cooles Team aufgestellt und sind außerdem das Deutsche Startup des Jahres geworden und wir haben im Dezember zum ersten Mal mehr eingenommen als wir ausgegeben haben – ein sehr wichtiger Meilenstein.

"Vision von der Zukunft & nicht der Hauch eines Zweifels an deren Erfüllung"

unternehmer.de: Welche Tipps würdet Ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

Jelveh: Macht das, was Ihr für richtig haltet und sucht Euch die richtigen Leute. Ihr dürft aber auch nicht vergessen, dass man auch mal die Meinung und die Richtung ändern darf, wenn es dazu beiträgt, die Vision der Zukunft zu erfüllen.

unternehmer.de: Was fehlt Euch noch zum Glück (ein Mitarbeiter, ein Investor, ...)?

Jelveh: Wir wollen ein globales Unternehmen werden – da fehlen natürlich noch einige Mitarbeiter.

unternehmer.de: Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Jelveh: In einem Jahr haben wir neben Produktneuheiten den Schritt ins Ausland gewagt.

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss für Gründer?

Gründer Christopher Blum von Protonet

Gründer Christopher Blum

Jelveh: Es gibt keinen bestimmten Charakterzug. Christopher und ich sind unterschiedlicher als es eigentlich möglich ist! Aber wenn man vielleicht danach fragt, wie man als Unternehmer erfolgreich sein kann, dann ist die Antwort für mich eine Vision von der Zukunft und nicht der Hauch eines Zweifels an deren Erfüllung. Und ein langer Atem.

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Nutzt Ihr soziale Netzwerke für eure Idee? Welche Strategie habt Ihr hier?

Jelveh: Ja, absolut. Neben den gängigen sozialen Tools wie Twitter oder Facebook oder Hacker News sind es aber vor allem die direkte Ansprache von Menschen und auch unsere Kunden – das ist die beste Kommunikation.

unternehmer.de: Kurze Frage - kurze Antwort: Der Exit als Ziel. Ja? Nein? Vielleicht?

Jelveh: Das Ziel ist ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und eine Box in jedes Office und später in jedes Haus dieser Welt zu stellen. Wenn ein Exit oder IPO dazu gehört, ist das eben so. Geld ist hier aber nicht die Motivation.

unternehmer.de: Wenn Ihr Euch für ein Geschäftsessen einen Gesprächspartner aussuchen könntet, egal ob real oder fiktional, lebend oder tot. Wen würdet Ihr wählen? Worüber würdet Ihr reden?

Jelveh: Alexander von Mazedonien.

unternehmer.de bedankt sich für das Interview und wünscht euch noch weiterhin viel Erfolg in der Zukunft!