Höre deine Stadt: Interview mit audioguideMe

Veröffentlicht am 23. Mai 2013 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Höre deine Stadt: Interview mit audioguideMeDie App audioguideMe macht unsere Umgebung nun auch mit dem Smartphone akustisch erfahrbar. Es lassen sich Audiodateien zu beliebigen Orten erstellen, hochladen und mit der Landkarte verknüpfen. Andere Nutzer, die sich in der Nähe einer solchen Stelle befinden, können die Beiträge anschließend abrufen und anhören.

Wir von unternehmer.de haben die Gründer von audioguideMe für Sie interviewt.

unternehmer.de: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

audioguideMe: audioguideMe  ist eine Plattform für ortsbezogene Audio-Inhalte, die vollständig für den mobilen Gebrauch optimiert ist und als kostenlose App angeboten wird. Gegründet wurde sie von Christoph Tank (30), Hannes Wirtz (31) und Paul Bekedorf (29). Durch audioguideMe wird das Smartphone zum akustischen Wegbegleiter. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, sich Beiträge (bei uns heißen sie Audios) anzuhören, die sich in seiner direkten Umgebung befinden. Weiterhin kann er eigene Inhalte direkt über sein Smartphone aufnehmen, diese an seinem Standort platzieren und veröffentlichen. Diese Beiträge können alles sein: Wissen, Erzählungen, Geschichten, akustische Erinnerungen wie bspw. Straßenmusik, oder eine öffentliche Rede.

Ergänzt wird diese akustische Vielfalt durch unsere wunderbaren Kooperationspartner, wie z.B. Hörbuchverlage, die Auszüge aktueller Titel an den Orten der Handlung als Hörprobe anbieten, verschiedenste Kulturinstitutionen, die Informationen über Kunst im öffentlichen Raum über unsere Plattform zugänglich machen sowie natürlich klassische Audioguides zu verschiedenen Themenfeldern bereitstellen. Unser Anspruch ist es, ein thematisch vielfältiges Angebot an ortsbezogenen Inhalten zu ermöglichen, ohne dass der authentische, reizvolle Charakter einer mündlichen Überlieferung verloren geht. audioguideMe ist ein spannender Weg, Orte neu kennenzulernen – ein Platz, an dem die unterschiedlichsten Stimmen zusammenkommen.

Geschichte der Gründung

unternehmer.de: Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen und wann kam es zum Entschluss, tatsächlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

audioguideMe: Die ersten Ideen zu einer Plattform für ortsbezogene Audio-Informationen hatten Christoph Tank und Paul Bekedorf während des Studiums der Angewandten Kulturwissenschaften. Wir entdeckten damals, dass unglaublich viel gut produzierte, hörenswerte Audioguides existierten, die meistens auf Unterseiten von Tourismusorganisationen und Kulturinstitutionen angeboten wurden und somit nicht die Beachtung bzw. das Gehör finden, das ihnen eigentlich zustehen würde. Der Schritt zur Plattform lag dann relativ nahe. Wir wollten die Nutzer jedoch nicht als reine Konsumenten gewinnen, sondern waren unglaublich neugierig, was geschehen würde, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ihr eigenes lokales Wissen unkompliziert miteinbringen und ortsbezogene Tonaufnahmen als eine Art kollektives, akustisches Archiv anlegen zu können. Außerdem fanden wir den Gedanken extrem spannend etwas Audiobasiertes zu entwickeln, da wir der Meinung sind, dass das Format besonders in seinen Qualitäten für die mobile Nutzung oftmals unterschätzt wird.

Als dann Hannes Wirtz, als Diplom-Medienwirt, zum Projekt dazu stieß, war sehr schnell klar, dass wir diese Idee auch in die Tat umsetzen werden. Seit einem Jahr verfolgen wir dieses Projekt nun mit vollem Tatendrang und dem entsprechenden zeitlichen Aufwand. Nach einer mehrmonatigen geschlossenen Betaphase Anfang 2013 ist die App seit dem 13.03.2013 im App Store Deutschlands, Österreichs und der Schweiz verfügbar.

Das Gründerteam von audioguideMe: v.l. Hannes Wirtz, Christoph Tank, Paul Bekedorf

Das Gründerteam von audioguideMe: v.l. Hannes Wirtz, Christoph Tank, Paul Bekedorf

unternehmer.de: Was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

audioguideMe: Unsere Interessen und bisherigen beruflichen Erfahrungen ergänzen sich ziemlich gut bei diesem Projekt. Wir haben Studienabschlüsse in den Bereichen der Medienwirtschaft, Kulturwissenschaften, Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie und können schon auf einige Jahre beruflicher Praxis zurückblicken. So vereinen wir Kompetenzen aus allen relevanten Themengebieten im Team und haben darüber hinaus das große Glück mit unglaublich fähigen Partnern zusammenarbeiten zu dürfen, z.B. unseren Programmierern und Gestaltern.

unternehmer.de: Wie schafft Ihr es, Euch von der Konkurrenz abzuheben? Was macht Ihr anders?

audioguideMe: Der Markt für Location-based Services entwickelt sich äußerst spannend – auditive Dienste sind jedoch trotzdem eher die Seltenheit. Im touristischen Bereich gibt es bereits einige Mitbewerber, aber als offene Plattform ist unsere thematische Ausrichtung erheblich weiter gefasst. Wir verstehen uns als eine Art Hybrid aus Sozialem Netzwerk und akustischem Location-based Service.

unternehmer.de: Wie finanziert Ihr Euch?

auidoguideMe: Die Entscheidung zunächst nur Eigenmittel zu verwenden fällten wir relativ früh. Für die Idee, wie wir sie gerade umsetzen, arbeiten wir aktuell am Proof of Concept. Um nicht von heute auf morgen in ein weiteres Couponportal verwandelt zu werden, möchten wir unsere Eigenständigkeit zunächst weitestgehend bewahren und organisch wachsen. Wir haben eine Vision, wohin sich audioguideMe entwickeln soll, was aber nicht heißen soll, dass wir mit Scheuklappen an Investoren vorbeilaufen.

unternehmer.de: Wenn Ihr heute zurückblickt: Was waren die größten Fehler, die Ihr vor oder während Eurer Gründung begangen habt?

audioguideMe: Es kann immer alles schneller gehen. In einigen Bereichen, gerade was den bürokratischen Aufwand einer Gründung und die früheste Phase der Konzeption anbelangt, wären wir heute wahrscheinlich um einiges effizienter. Auch die Entscheidung zunächst nicht alle Funktionen, die uns eingefallen sind, in die erste Version der App zu implementieren, würden wir heute schneller treffen. Aber das ist letztendlich Lehrgeld, das man nun einmal bezahlen muss.

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz, was waren Eure größten Erfolge?

audioguideMe: Wir treffen zu keinem Zeitpunkt leichtfertig Entscheidungen. Im Gründerteam bringt jeder seine ganz eigene Perspektive in den Prozess mit ein, so erreichen wir eine Ausgewogenheit zwischen freier Kreativität und wettbewerbsorientierter Entwicklung, die sich sehr gut anfühlt. Oder, um es anders zu formulieren: Ein Kunstprojekt zwischen digitaler und realer Welt, das auch wirtschaftlich am Markt bestehen kann.

unternehmer.de: Welche Tipps würdet Ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

audioguideMe: Man sollte unbedingt lieben, was man tut. Gerade die Anfangszeit verlangt einem schon relativ viel ab. Der zeitliche Aufwand ist nicht zu unterschätzen und auch finanziell geht man natürlich auch ein gewisses Risiko ein. Wenn man sich mit der Arbeit, die man ausführt oder dem Projekt, an dem man arbeitet, identifiziert, ist es definitiv viel einfacher. Wichtig war es für uns auch, schon recht früh mit einigen Entwicklern über unsere Idee zu sprechen. Das schärft den Blick für das Machbare. Wenn das Produkt dann am Markt ist oder sich der Marktreife nähert, unbedingt testen, testen und nochmal testen. Zeigt das Produkt allen für die es interessant sein könnte und holt Euch Feedback!

unternehmer.de: Gibt es irgendeine lustige Anekdote oder kuriose Begebenheit aus Eurer Geschichte zu erzählen?

audioguideMe: Lustige Anekdoten und kuriose Begebenheiten begleiten uns von Anfang an. Rückblickend sind unsere ersten Interessentengespräche sicherlich ein großer Spaß gewesen. Die Mischung aus Unerfahrenheit, aber dennoch absoluter Überzeugung vom Potenzial der eigenen Idee, führte öfter zu unfreiwillig komischen Momenten. Für eine detailliertere Darstellung ist es aber definitiv noch etwas zu früh. Mit der Zeit wird man in vielen Belangen professioneller bzw. routinierter. Es ist aber auf jeden Fall sehr empfehlenswert – so früh wie möglich – die eigene Idee mit der Außenwelt (insbesondere mit der anvisierten Zielgruppe) zu teilen.

(Artikelbild: © Petr Vaclavek - fotolia.de)