Möbel selbst designen: Interview mit Birgit Gröger von „meine möbelmanufaktur“

Veröffentlicht am 15. April 2013 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Interview mit meine möbelmanufaktur Wem die "normalen" Möbel aus Möbelhäusern zu einfallslos, langweilig oder einfach nicht passend erscheinen, der hat jetzt die Möglichkeit, seine Regale, Sideboards, Kleiderschränke und Co. selbst zu designen. Das Unternehmen meine möbelmanufaktur baut für seine Kunden Möbel, die diese individuell gestaltet haben. Wir von unternehmer.de haben Birgit Gröger, die gemeinsam mit Sebastian Schips meine möbelmanufaktur gegründet hat, interviewt.

unternehmer.de: Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Birgit Gröger: Birgit und Sebastian, zusammen haben wir 2011 meine-moebelmanufaktur.de gegründet. Wir machen den Kunden selbst zum Möbeldesigner. Ob begehbarer Kleiderschrank, Sideboard oder Regal für die Dachschräge oder einfach spezielle hochwertige Wunschmöbel – mithilfe eines Konfigurators gestaltet der Nutzer seinen ganz persönliches Liebling online. Der Möbel-Konfigurator fragt Größe, Material, Farbe und alle nötigen Details ab und gibt neben einer Kostenübersicht auch einen Eindruck wieder, wie das Wunschmöbelstück aussehen wird. Die bestellten Einzelstücke werden in Köngen bei Stuttgart mit Liebe für’s Detail gefertigt und direkt in die eigenen vier Wände geliefert.

Von der Idee zum StartUp

unternehmer.de: Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen und wann kam es zum Entschluss, tatsächlich ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Birgit Gröger: Die Familie von Sebastian führt seit über 80 Jahren eine Schreinerei für Innenausstattung. So kamen wir auf die Idee das Internet mit hochwertigen Maßanfertigungen des Familienunternehmens zu verbinden. Durch die Vorteile eines Online-Shops wollten wir den Schreiner 2.0 gründen. Für den Kunden liegen die Vorteile auf der Hand, hochwertige individuelle Möbel zu einem fairen Preis. Da der Kunde die Planung übernimmt, sind unsere Möbel nach Maß ca. 50% günstiger als vergleichbare beim Schreiner um die Ecke. Von der Idee waren wir von Anfang an überzeugt, so haben wir unsere Vision gleich in die Tat umgesetzt.

unternehmer.de: Was war eurer Meinung nach das ausgefallenste oder außergewöhnlichste Möbelstück, das ein Kunde sich von euch hat bauen lassen?

Birgit Gröger: Da jedes unserer Möbelstücke individuelle Bedürfnisse widerspiegelt, haben wir einige Möbel, die kein „klassischer Kleiderschrank“ sind. So haben wir zum Beispiel einen Wohnzimmerschrank mit einem leeren Fach für ein Terrarium gefertigt. Auch kommen gerne HiFi-Freunde auf uns zu, um sich ein schickes Sideboard genau um ihre Anlage herum bauen zu lassen. Hier schätzen die Kunden unseren kostenlosen Service, sich Ausschnitte in den Rückwänden oder Schrankseiten ausfräsen zu lassen.

unternehmer.de: Was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Birgit Gröger: Sebastian und ich kennen uns aus dem Studium in Rosenheim. Er hat dort Holztechnik studiert und ich Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Studium habe ich als Controller gearbeitet und Sebastian in der Geschäftsführung des elterlichen Betriebes. Wir sind beide mit viel Engagement bei der Arbeit und ergänzen uns von den Fachgebieten optimal.

unternehmer.de: Wie schafft Ihr es, Euch von der Konkurrenz abzuheben? Was macht Ihr anders?

Birgit Gröger: Wir setzen auf 100% Kundenzufriedenheit und bieten ein Rundumsorglos-Paket. Unsere Hotline ist jeden Tag von 9-20 Uhr erreichbar und beantwortet gerne alle Fragen und berät, welche Stauraumlösungen in Frage kommen. Für knifflige Ecken wie Dachschrägenschränke, die etwas schwerer zu messen sind, gibt es eine 1:1 Schablone aus Papier, so kann man nach der Bestellung nochmals die Maße kontrollieren. Erst danach geht der Schrank in die Produktion. Um sich von unserer Top-Qualität zu überzeugen, kann man bei uns kostenlos Muster bestellen und auch die Farbe mit der restlichen Einrichtung abstimmen. Hier bieten wir eine breite Auswahl an Materialien - pflegeleichtes Kunststoffdekor, Echtholzfurnier, Farblack, edler Hochglanzlack und Massivholz.

unternehmer.de: Wie finanziert Ihr Euch?

Birgit Gröger: Die Gründung als auch das erste Jahr haben wir aus eigenen Mitteln finanziert. Aktuell sind wir mit unsere Bank in Verhandlungen über eine Wachstumsfinanzierung.

Fehler und Erfolge bei der Gründung

unternehmer.de: Wenn Ihr heute zurückblickt: Was waren die größten Fehler, die Ihr vor oder während Eurer Gründung begangen habt?

Birgit Gröger: Großen Fehler würden wir es nicht nennen, aber wenn wir heute nochmals gründen, würden wir gleich als GmbH starten und nicht die GbR als Rechtsform wählen. Es bedarf viel Abstimmungsarbeit zwischen Anwälten, Steuerberater, Notar und natürlich den Gründern selbst. Und diese Zeit könnte man dann anders einsetzten.

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz, was waren Eure größten Erfolge?

Birgit Gröger und Sebastian Schips sind die Gründer von meine-moebelmanufaktur.de

Birgit Gröger: Wir sind besonders stolz, dass wir in dem ersten Jahr bereits Stammkunden haben. Einige Kunden haben bereits zum zweiten oder sogar schon zum dritten Mal bei uns bestellt. Zusammen mit dem positive Feedback unserer Kunden zeigt uns das, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Was uns im ersten Jahr sicher geholfen hat, war der Sieg des Wirtschaftswoche Gründerpreis. Auf der einen Seite haben wir ein starkes Team an Partnern auf unserer Seite und zum anderen hat die Berichterstattung in der Wirtschaftswoche geholfen, der Welt von unserer Geschäftsidee zu erzählen. Denn wir hören viel zu oft von Kunden: Ich habe euch durch Zufall bei Google gefunden.

Tipps für Gründungswillige

unternehmer.de: Welche Tipps würdet Ihr angehenden Existenzgründern geben? Was ist vor allem in der Gründungsphase und kurz danach besonders wichtig?

Birgit Gröger: Ich sehe zwei wichtige Punkte: Zum einen den Fokus auf die richtigen Dinge setzen. Priorisiert die Meilensteine und verkünstelt euch nicht in Kleinigkeiten. Diese sehen die Kunden meist gar nicht als so wichtig an, wie man selbst. Und zweitens, vernetzt euch mit anderen Gründern. Wir habe soviel von anderen Gründern gelernt! Es gibt in vielen Städten ein eigenes Netzwerk, in Stuttgart gibt es zum Beispiel Startup Stuttgart.

unternehmer.de: Was fehlt Euch noch zum Glück (ein Mitarbeiter, ein Investor, ...)?

Birgit Gröger: Uns fehlt Zeit, deshalb suchen wir aktuell nach Mitarbeitern fürs Online-Marketing. Wie schon erwähnt, viele unserer Kunden finden uns durch Zufall bei Google – und daran müssen wir arbeiten.

unternehmer.de: Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Birgit Gröger: Heute arbeiten wir daran meine möbelmanufaktur bekannter zu machen und wollen dadurch 1000 Schränke verkaufen. In einem Jahr sollten wir bereits weiter wachsen – vielleicht ist unsere Produktfamilie bis dahin auch noch weiter gewachsen. Aktuell gibt es bei uns Schränk, Sideboards und Tische, auch Bänke und Hocker wollen wir bald anbieten.

unternehmer.de: Gibt es irgendeine lustige Anekdote oder kuriose Begebenheit aus Eurer Geschichte zu erzählen?

Birgit Gröger: Wir haben uns natürlich in der Gründungsphase viele Gedanken gemacht, wer bei uns kaufen könnte. Wir dachten mit dem Online-Konfigurator sprechen wir die 30 – 50 jährigen an. Bereits in den ersten Wochen war ein Paar in unserem Showroom, das bereits über 70 war. Sie fanden unseren Konfigurator super und freuten sich, dass Sie die Möglichkeit haben, selbst zu planen. Das hat uns gezeigt, dass wir mit meine möbelmanufaktur genau auf dem richtigen Weg sind.

unternehmer.de: Kurze Frage - kurze Antwort: Der Exit als Ziel. Ja? Nein? Vielleicht?

Birgit Gröger: Können wir uns derzeit nicht vorstellen.

unternehmer.de: Wenn Ihr Euch für ein Geschäftsessen einen Gesprächspartner aussuchen könntet, egal ob real oder fiktional, lebend oder tot. Wen würdet Ihr wählen? Worüber würdet Ihr reden?

Birgit Gröger: Mit dem Gründer von Red Bull, Dietrich Mateschitz. Von ihm könnten wir sicherlich viel zum Thema Markenbildung lernen.

(Bild: © burak çakmak - Fotolia.de)