Fahrrad statt Dienstwagen: Interview mit Ulrich Prediger von LeaseRad

Veröffentlicht am 25. Januar 2013 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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StartUp InterviewAngesichts der Umweltverschmutzung durch Abgase bietet LeaseRad mit dem JobRad eine saubere Alternative zum Auto. Wer Klimaschutz betreiben und sich dazu noch fit halten möchte, für den ist das Geschäftsmodell von LeaseRad das Richtige. Wir von unternehmer.de haben mit Ulrich Prediger, Gründer und Geschäftsführer von LeaseRad, über sein Unternehmen gesprochen.

unternehmer.de: Wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Ulrich Prediger: Vor der Gründung von LeaseRad war ich in einem US-amerikanischen Medizintechnikunternehmen beschäftigt. Ich hatte dort das Anrecht auf einen Dienstwagen, legte die zehn Kilometer zur Arbeit aber lieber mit dem Fahrrad zurück. Als ich meinen damaligen Chef nach einem Dienstfahrrad fragte, erntete ich lediglich ungläubiges Kopfschütteln mit dem Hinweis, dass das Dienstwagenprivileg nicht auf Fahrräder anwendbar sei. Diesen Missstand wollte ich beseitigen und die Idee zu LeaseRad war geboren.

unternehmer.de: Was waren denn Ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?

Ulrich Prediger: Im europäischen Ausland, allen voran in Großbritannien und in den Niederlanden, ist das Fahrradleasing-Modell bereits seit Jahren sehr erfolgreich, in Deutschland aber war die Idee ein Novum. Es hat uns in den vergangenen vier Jahren sehr viel Mühen gekostet, die zuständigen Behörden von der Notwendigkeit zu überzeugen, Dienstwagen und Dienstrad endlich steuerlich gleichzustellen. Mit Erfolg, denn Ende November 2012 veröffentlichten die Landesfinanzminister einen entsprechenden Erlass rückwirkend für das Jahr 2012.

unternehmer.de: Wie genau funktioniert LeaseRad? Und wie wurde und wird Ihr Geschäftsmodell von Unternehmen und Geschäftsleuten angenommen?

Ulrich Prediger ist der Gründer und Geschäftsführer von LeaseRad

Ulrich Prediger: Mit LeaseRad bieten wir Unternehmern, Selbstständigen und Kommunen die Möglichkeit, Fahrräder, E-Bikes und ganze Fahrradflotten zu leasen. Mit unserem neuen Modell „JobRad“ kommen nun erstmals auch Angestellte in den Genuss eines steuerlich begünstigen, hochwertigen Pedelecs oder E-Bikes. Durch das Modell der Gehaltsumwandlung kommen Arbeitnehmer deutlich günstiger zu ihrem Wunschrad, die Ersparnis beträgt bis zu 40 Prozent gegenüber dem Listenpreis. Zu unseren Flottenkunden zählen etwa die UniCredit München, die Stadt Stuttgart sowie die Telekom in Berlin. Seit dem neuen Steuererlass ist die Nachfrage spürbar gestiegen, unter anderem stehen wir gerade in Verhandlungen mit der Lufthansa.

unternehmer.de: Wie versuchen Sie, Ihr Job-Fahrrad gegen Ihren vermutlich sehr starken Konkurrenten, den Dienstwagen, durchzusetzen?

Ulrich Prediger: Fahrradfahren macht einfach Spaß. Das Modell Dienstrad kommt gerade erst aus der Nische. Klar ist: Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zum Auto. Die finanzielle und die Umweltbelastung bringen die Leute zum Umdenken. Dazu kommt, dass Unternehmen für den Preis eines einzigen Dienstwagens rund zehn hochwertige Diensträder anschaffen können. Durch unser Leasingmodell der Lohnumwandlung finanzieren sich Arbeitnehmer ganz bequem ihr eigenes Wunschrad und sparen gegenüber dem Listenpreis durch die steuerliche Gleichstellung bis zu 40 Prozent. Zudem dürfen sie ihr Fahrrad auch in ihrer Freizeit nutzen, ganz ohne Fahrtenbuch. Arbeitnehmern auf der anderen Seite steht mit LeaseRad und unserem „JobRad“ ein neues Incentivierungstool zur Verfügung. Für das laufende Jahr rechnen wir übrigens mit einer Verdopplung des Umsatzes auf mehr als zwei Millionen Euro, wir sind also zuversichtlich, dass unser Geschäftsmodell erfolgreich sein wird.

Thema Finanzierung

unternehmer.de: Welche Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung? Wie haben Sie Ihr Unternehmen finanziert?

Ulrich Prediger: Unsere Hausbank machte nach einigen Monaten der Prüfung für mich völlig überraschend einen Rückzieher, eine andere Bank gewährte uns aber eine kleine Anschubfinanzierung. Vergangenes Jahr haben wir uns dazu entschlossen, weiteres Kapital über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch einzusammeln. Im Dezember 2012 haben wir als erstes Unternehmen eine Anschlussfinanzierung mit einem Volumen von 220.000 Euro auf Seedmatch erfolgreich abgeschlossen.

unternehmer.de: Gab es auch Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?

Ulrich Prediger: Diese Frage kann ich kurz und knapp beantworten: Nein. Denn ich war und bin von unserem Geschäftsmodell des Dienstrad-Leasings vollends überzeugt.

Rückblick & Tipps

unternehmer.de: Und wenn Sie heute zurückblicken: Was waren die größten Fehler, die Sie vor oder während Ihrer Gründung begangen haben?

Ulrich Prediger: Rückblickend habe ich manchmal das Gefühl, dass wir 2009 mit unserer Idee ein bis zwei Jahre zu früh auf den Markt kamen – Deutschland war wohl noch nicht reif für unser Leasingmodell. Daher hat es uns gemeinsam mit unseren Mitstreitern viel Mühe gekostet, die Verantwortlichen in der Politik von unserem Modell zu überzeugen. Dafür sind wir jetzt die First Mover auf einem Markt.

unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

Ulrich Prediger: Besonders stolz sind wir darauf, dass wir es geschafft haben, die Verantwortlichen in der Politik zu einem Umdenken bewegt zu haben, was letztlich zu den bereits erwähnten Änderungen in der steuerlichen Behandlung von Diensträdern geführt hat.

unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie dann Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Ulrich Prediger: Neben dem Geschäftsmodell braucht es vor allem Expertise. Ich hatte das große Glück, mit Holger Tumat einen zweiten Geschäftsführer und ausgewiesenen Vertriebsspezialisten für LeaseRad gewinnen zu können. Gemeinsam treiben wir LeaseRad stetig voran.

unternehmer.de: Angenommen Sie stünden jetzt kurz vor der Gründung. Wie würde die aktuelle Wirtschaftslage Ihre Entscheidung beeinflussen?

Ulrich Prediger: Ich habe LeaseRad zur Zeit der Wirtschaftskrise gegründet, dennoch sind wir nach wie vor ganz vorne mit dabei. Deswegen kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass auch antizyklisches Handeln entgegen den aktuellen Trends zum Erfolg führen kann. Entscheidend ist nicht die Wirtschaftslage, sondern ein überzeugendes Geschäftsmodell und der Wille zum Erfolg.

Charakter & Ziele

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Ulrich Prediger: Beharrlichkeit und allen voran der Glaube an das eigene Produkt.

unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Ulrich Prediger: Ganz ehrlich? Nein, denn dafür macht die Arbeit als Unternehmer viel zu viel Spaß.

unternehmer.de: Was sind Ihre Ziele als Unternehmer?

Ulrich Prediger: Wir möchten mit LeaseRad Marktführer in Deutschland bleiben, was das Fahrradleasing-Geschäft angeht. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 400.000 E-Bikes verkauft, bis 2018 wird sich der Marktanteil von E-Bikes von im Moment rund acht Prozent auf bis zu 15 Prozent nahezu verdoppeln. Die Zeichen stehen also mehr als günstig für uns.

(Artikelbild: © Beboy - Fotolia.de)