Start-up Interview mit Florian Henle von Polarstern

Veröffentlicht am 15. Mai 2012 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Wir spüren interessante Start-ups aus ganz Deutschland auf und fragen, wie alles begann, was geplant war, und wie die Pläne umgesetzt wurden. Bei unserer Recherche sind wir auf www.polarstern-energie.de gestoßen. Florian Henle ist Mitgründer von Polarstern und unser nächster Kandidat für die Start-up Interview-Reihe.

Unternehmer.de: Wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Wie kam die Idee zur Polarstern GmbH zustande?

Florian Henle: Selbstständigkeit hat mich im Grunde seit meiner Kindheit geprägt. Mein Vater war Unternehmer. Ich bin also gewissermaßen damit auf- und irgendwie auch reingewachsen. Herausforderungen direkt anzupacken und zu lösen, das hat mich an der Selbstständigkeit fasziniert. Ich warte nur ungern. Politisches Konzerngeschachere ist nicht mein Ding. Am liebsten will ich nach einer guten Diskussion gleich handeln. Die Idee zu Polarstern habe ich gemeinsam mit meinen Mitgründern Jakob Assmann und Simon Stadler entwickelt. Wir waren damals alle drei in einer ähnlichen beruflichen Situation. Wir wollten uns selbstständig machen und, unsere Arbeitskraft für etwas nutzen, das die Welt verbessert. Wichtig war uns, eine große Herausforderung unserer Zeit anzugehen. Mit Blick auf unsere Erfahrungen und Interessen war dann schnell klar, dass wir das Thema Energie aufgreifen.

Unternehmer.de: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und welche Beutung hat Sie für die Polarstern GmbH?

Florian Henle: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, heute so zu leben, dass wir künftigen Generationen eine faire und lebenswerte Welt hinterlassen. Fair heißt in diesem Zusammenhang, dass jeder seinen Beitrag dazu leistet und nicht auf Kosten anderer handelt. Wir Polarstern-Gründer, das sind ich und meine Kollegen Jakob Assmann und Simon Stadler, verstehen uns als Social Entrepreneure. Wir wollen mit unserem Ökoenergieangebot Haushalten bundesweit einen sinnvollen Beitrag zur weltweiten Energiewende ermöglichen. Ein Beitrag, der jedem von uns selbst zugute kommt, aber auch den Menschen in Entwicklungsländern wie zum Beispiel Kambodscha und so letztlich unserer gemeinsame Zukunft. Unser Ziel: Wir wollen mit Energie die Welt verändern.

Unternehmer.de: Was waren Ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?

Die Gründer von Polarstern: Jakob Assmann, Simon Stadler und Florian Henle (v.l.n.r.)

Florian Henle: In einem so verkrusteten Markt wie dem Energiemarkt einzutreten und mit neuen Ansätzen und Produkten Schwung reinbringen zu wollen, ist eine große Herausforderung. Das braucht viel Kraft und persönliche Energie. Ich habe mit meinen Mitgründern viel darüber gesprochen. Aber man kann erst wissen, ob man die notwendige Kraft und Ausdauer mitbringt, wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat und erste „Bewährungsproben“ anstehen.

Unternehmer.de: Welche Quellen standen Ihnen bei der Gründung zur Verfügung?

Florian Henle: Wir bieten bei Polarstern unseren Energiekunden ausschließlich 100 Prozent Ökostrom und 100 Prozent Ökogas an. Damit das Gasprodukt für die Verbraucher erschwinglich ist, mussten wir einen neuen Ansatz gehen. Denn bisher herrschen am Markt aus Kostengründen Produkte vor, die nur fünf bis zehn Prozent Biogas enthalten. Wir bei Polarstern wollen aber keine halben Sachen machen... Bei der Entwicklung unseres 100 Prozent Biogasproduktes wurden wir im Rahmen des EXIST Gründerstipendiums unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Europäischen Sozialfond. Zusätzlich pflegen wir einen intensiven Wissensund Erfahrungsaustausch über die Social Entrepreneurship Akademie und wir haben selbst ein großes Netzwerk an Unterstützern aufgebaut an, die Polarstern mit uns voranbringen wollen.

Unternehmer.de: Gab es Momente nach der Gründung, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?

Florian Henle: Das haben wir bisher zum Glück nicht erlebt. Wir sind alle drei betriebwirtschaftlich ausgebildet. Schon im Vorfeld der Gründung war uns eine realistische Planung des Geschäftes sehr wichtig. Denn nur so können wir auch unser Ziel, die weltweite Energiewende, erreichen. Es reicht nicht, Gutes tun zu wollen, man muss es auch in ökonomischer Hinsicht gut machen.

Unternehmer.de: Und wenn Sie heute zurückblicken: Was waren die größten Fehler, die Sie vor oder während Ihrer Gründung begangen haben?

Florian Henle: Die größten Fehler zeigen sich immer erst rückblickend nach einigen Monaten oder gar Jahren am Markt. Wir sind mit Polarstern noch im ersten Jahr und da zeigen sich kleine Fehler, die sich aber in dem Stadium noch gut korrigieren lassen.

Unternehmer.de: Jetzt zum Positiven! Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz, was waren Ihre größten Erfolge?

Florian Henle: Ich bin sehr glücklich und stolz darüber, den Schritt in die Selbstständigkeit mit Polarstern gemacht zu haben. Und darüber, wie viel Bewegung wir bereits bis heute in den Markt gebracht haben. Wir wollen mit unseren neuen Ansätzen und Maßnahmen zum Nachdenken und Mitmachen motivieren. Denn jede gute Idee ist eine Bewegung. Das Feedback, das wir von Kunden, Partnern und aus dem Markt erhalten, ist sehr motivierend. Natürlich sind wir auch auf das stolz, was wir bisher mit Polarstern und unseren Kunden erreicht haben. Durch unser Engagement in Kambodscha haben viele Familien dort bereits eine eigene Mikro-Biogasanlage erhalten, die ihr Leben verändert. Ziel unseres Engagements in Kambodscha ist es ja, einen Beitrag für den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien zu leisten. Das heißt, neben der Förderung von neuen Ökokraftwerken in Deutschland unterstützen wir gleichzeitig die Menschen in Entwicklungsländern wie zum Beispiel Kambodscha bei ihrem Weg zu alternativen Energien.

Unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie dann Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Florian Henle: Ganz wichtig ist eine gute Vorbereitung auf die Selbstständigkeit. Das heißt auch, dass man sich als Team „prüfen“ muss. Wenn man mit anderen ein Unternehmen gründet, muss die Chemie passen, aber auch ein gemeinsames Verständnis zu Zielen und Strategie wichtig. In einem kleinen Team kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Eine klare Aufgabenteilung hilft zwar, aber im Grunde müssen die Entscheidungen gemeinsam getragen werden. Da muss man sich einfach „grün“ sein. Und ganz wichtig ist auch: Positiv bleiben und sich nicht gleich von den ersten großen Hürden verschrecken lassen. Am Anfang läuft nicht immer alles nach Plan... Nur wenn die Hürden bleiben oder es zu einem wahren Hürden-Marathon wird, dann muss man auch den Mut haben, die Reißleine zu ziehen.

Unternehmer.de: Angenommen Sie stünden jetzt kurz vor der Gründung. Wie würde die aktuelle Wirtschaftslage Ihre Entscheidung beeinflussen?

Florian Henle: Bei unserer Gründung hat die Wirtschaftslage keine wesentliche Rolle gespielt. Sie muss bei der Geschäftsplanung bedacht werden, sollte aber nie ausschlaggebend für die Gründung sein. Es geht um die Idee, das heißt, was biete oder was mache ich mit meinem Unternehmen. Für gute Ideen und Angebote gibt es immer einen Markt. Zahlen zeigen im Übrigen auch, dass Gründungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oft erfolgreicher sind als in Hochphasen.

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?

Florian Henle: Team- und Kommunikationsfähigkeit sind eine Grundvoraussetzung, um als Unternehmerteam voranzukommen. Genauso gehört eine gute Portion Ausdauer und Flexibilität dazu. Aber auch Kreativität, um mit unerwarteten Entwicklungen umzugehen.

Unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?

Florian Henle: Momentan ist das für mich schwer vorstellbar. Dazu macht die Arbeit mit Polarstern einfach zu viel Spaß.

Unternehmer.de: Danke für das nette Gespräch!

(Bild: © Pakhnyushchyy - Fotolia.de)