Weniger Existenzgründungen 2011: Das sind die Gründe!

Veröffentlicht am 4. April 2012 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Weniger Existenzgründungen Die Anzahl der Existenzgründungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Diese Nachricht ist für sich allein genommen zunächst noch keine Überraschung. Allerdings sind die Begründungen für den starken Rückgang recht überraschend. So erklärte KfW-Vorstandsmitglied Axel Nawrath, dass diese Entwicklung insbesondere auf die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist.

Starke Konjunktur

Ein wesentlicher Faktor für sinkende Existenzgründerzahlen soll die starke Konjunktur darstellen. Dies wird zumindest aus Kreisen der KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) geäußert. Damit einhergehend sollen nicht nur bessere Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt zu verzeichnen sein, sondern auch deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten nun realisiert werden. Diese Begründung könnte sogleich nahelegen, dass ein bedeutender Anteil von Gründungen aufgrund von schlechten Arbeitsmarktperspektiven erfolgt und diese Gründungen letztendlich ein Ausweg aus der schlechten Perspektive der Gründer darstellt.

Rückgang im Nebenerwerb

Der Rückgang der Gründungen in 2011 soll jedoch in erster Linie Gründungen im Nebenerwerb betreffen. Dies könnte tatsächlich darauf hinweisen, dass Geschäftsmodelle zur Erhöhung des Gesamteinkommens in geringerer Zahl realisiert wurden, da die Gehälter im Zuge der guten Konjunktur an Attraktivität gewonnen haben. So sind dann auch die entsprechenden Zahlen recht beeindruckend. Gegenüber 2010 gab es im vergangenen Jahr rund 22 Prozent weniger Existenzgründungen im Nebenerwerb. Damit sank die Zahl der Existenzgründungen im Nebenerwerb von 540.000 in 2010 auf etwa 440.000 in 2011.

Vollerwerbsgründungen auf konstantem Niveau

Ein völlig anderes Bild zeigen die Zahlen von Vollerwerbsgründungen. Hier blieb der Wert praktisch auf dem gleichem Niveau. Um lediglich einen Prozent fiel die Anzahl der Vollgründungen. Die Begründung hierfür ist die gleiche wie für die stark gesunkene Anzahl von Gründungen im Nebenerwerb. Nur die Wirkung ist eine völlig andere. So soll gerade die dynamische Wirtschaftsentwicklung vielen innovativen Gründern Auftrieb gegeben haben, um in einer gesamtwirtschaftlichen Wachstumsphase eine Gründung zu realisieren.

Ausblick Gründungsanzahl und Änderung des Gründerzuschusses 2012

Viele Branchenteilnehmer mutmaßen bereits, dass die Änderungen beim Gründerzuschuss potentiell viele Gründungen aus der Arbeitslosigkeit nun verhindern können. Denn der Gründungszuschuss ist seit 2012 nach Wegfall des Rechtsanspruchs zur Ermessensleistung geworden, welcher nun gewährt werden kann, wenn eine Selbständigkeit für Existenzgründer realistischer zu verwirklichen ist als eine nachhaltige Vermittlung in Beschäftigung. Damit könnten bereits die jeweiligen Sachbearbeiter eine geplante Gründung leicht verhindern, wodurch es für zahlreiche Arbeitslose zukünftig deutlich schwerer werden könnte zu gründen. Denn neben den öffentlichen finanziellen Zuwendungen, fallen auch attraktive Vergünstigungen weg. So sorgt der Gründerzuschuss von der Agentur für Arbeit auch für einen deutlich geringeren Beitrag zur Krankenversicherung. Dies gilt auch für die gesetzliche Krankenversicherung. Hierbei ist auch die Beitragsdifferenz zu Selbständigen mit nachgewiesenen Einnahmen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze sehr deutlich.

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