Karriere international: Zwei Jobs auf zwei Kontinenten

Veröffentlicht am 17. Oktober 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Karriere international: Zwei Jobs auf zwei KontinentenViele Berufstätige träumen von einer großen Karriere: ein schneller beruflicher Aufstieg, ein schicker Dienstwagen, ein großes Büro, Macht und Einfluss. Doch für viele Arbeitnehmer bedeutet Karriere mehr als nur eine Ansammlung an Statussymbolen. Sie legen Wert auf einen interessanten und anspruchsvollen Job, der ihnen Raum zur Entfaltung bietet - und auch noch Platz für die Familie lässt. Ibnu Magda hat gleich zwei solcher Jobs - mit ihm sprach Redakteurin Patricia Scholz.

Unternehmer.de: Herr Magda, die meisten Menschen wollen möglichst schnell eine möglichst steile Karriere erreichen. Wie würden Sie Karriere definieren?

Ibnu Magda: Ich würde die Karriere als die ständige Entwicklung einer Person im Berufsleben definieren. Die Entwicklung bezieht sich aber nicht immer auf eine höhere Position oder ein höheres Gehalt, sondern darauf, dass die Person sich für ihre Umgebung und für sich selbst stetig verbessert. Eine gute Karriere ist für mich, wenn man jeden Tag sein fachliches Know-How erweitern kann und damit einen positiven Beitrag zu seiner Umgebung leistet.

Unternehmer.de: Sie sind selbständiger Unternehmer in Indonesien und Angestellter in Deutschland zugleich. Wie schaffen Sie es, beidem gleichermaßen gerecht zu werden?

Ibnu Magda ist Online-Marketing-Manager bei Marktplatz Mittelstand in Nürnberg. In seinem zweiten Beruf finanziert er indonesische Internet-Start-Ups (www.rajacapital.com ).

Ibnu Magda: Es gibt mehrere Dinge, die man beachten muss, um zwei Jobs gleich gut ausüben zu können. Am wichtigsten sind für mich Ausdauer und ein diszipliniertes Zeitmanagement. Man muss eine zeitliche Verteilung zwischen den Jobs festlegen und sich auch daran halten, die Arbeitszeiten dürfen auf keinen Fall vermischt werden. Ich habe natürlich wegen der unterschiedlichen Zeitzonen das Glück, dass ich meine Arbeitszeiten einfach verteilen kann. Bei mir sieht der optimale Tagesablauf so aus: Von sechs bis acht Uhr erledige ich die Aufgaben für meine eigene Firma in Indonesien. Von neun bis etwa achtzehn Uhr stehe ich dann meinem Arbeitgeber in Deutschland zur Verfügung. Um neunzehn Uhr fange ich noch einmal an, für meine Firma zu arbeiten. Spätestens um zehn Uhr ist der Arbeitstag für mich vorbei.

Unternehmer.de: Ihre Projekte in Indonesien und Deutschland beanspruchen bestimmt den Löwenanteil Ihrer Zeit. Welchen Stellenwert hat Karriere für Sie?

Ibnu Magda: Karriere kommt für mich nach der Familie gleich an zweiter Stelle. Ich sehe meine Arbeit als das Mittel, um meine Familie finanziell zu unterstützen. Sobald die Arbeit zu viel Zeit in Anspruch nimmt, würde ich eine deutliche Grenze ziehen. Schließlich arbeite ich für meine Familie, denn ohne sie nützen mir persönlicher Erfolg und Geld auch nichts mehr.

Unternehmer.de: Integration ist und bleibt ein aktueller Diskussionspunkt. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit deutschen Kollegen, Kunden und Vorgesetzten gemacht?

Ibnu Magda: Ich habe bisher bei unterschiedlichen Firmen in Deutschland nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Alle meine Arbeitskollegen haben mich immer ganz herzlich empfangen. Das Ausländergesetz hat sich außerdem in den letzten Jahren zugunsten der qualifizierten ausländischen Fachkräfte verbessert. Integration ist eine Aufgabe für beide Seiten. Sowohl der „Gast“ als auch der „Gastgeber“ müssen sich tolerant verhalten. Nur dann kann die Integration funktionieren. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass das Integrationsproblem nicht über Nacht entstanden ist.

Unternehmer.de: Genehmigungen, Verordnungen, Versicherungen - Welche Vergleiche können Sie aus ihrer Perspektive als Unternehmer zwischen deutscher und indonesischer Bürokratie ziehen?

Ibnu Magda: Die deutsche und die indonesische Bürokratie sind sehr unterschiedlich. In Deutschland sind die Regelungen meistens sehr streng. Dadurch besteht hierzulande aber eine klare Struktur. Man braucht zwar beispielsweise für Unternehmensgründungen immer einen Anwalt, aber der Prozess ist genau geregelt. In Indonesien hingegen sind die Regelungen ein Stück weit lockerer ausgelegt. Das ist aber nicht immer vorteilhaft. Man blickt oft nur schwer durch und weiß manchmal nicht, wo man anfangen soll. Für Firmengründungen hat Indonesien dennoch einen klaren Vorteil. Das benötigte Kapital, um eine GmbH zu gründen, ist geringer und der Gründungsprozess deutlich schneller und unkomplizierter. In Indonesien gibt es jedoch im Gegensatz zu Deutschland keinen sogenannten Gründungszuschuss. Aus Unternehmerperspektive kann man daher nicht pauschal sagen, welches Land für das Geschäft besser geeignet ist.

Unternehmer.de: Hand aufs Herz – Gab es schon einmal eine Situation in Ihrer Karriere, in der Sie ans Aufgeben gedacht haben?

Ibnu Magda: Nein, zum Glück nicht. Es gab natürlich manchmal stressige Zeiten, aber ich habe nie an Aufgeben gedacht. Ich glaube, es liegt daran, dass mir die zwei Jobs sehr viel Spaß machen und ich einen größeren Zweck als nur das „Geldverdienen“ erreichen will. Und wenn jemandem ein großer Zweck besonders am Herzen liegt, dann gibt man nicht so schnell auf. Meiner Meinung nach sollte man einen Job nicht nur des Geldes wegen ausüben.

Unternehmer.de: Was würden Sie jungen Unternehmern mit auf den Weg geben, die wie Sie den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen - besonders wenn sie sich dabei auf Aktivitäten im Ausland konzentrieren wollen?

Ibnu Magda: Bauen Sie Ihr Netzwerk so früh und so groß wie möglich auf. Sie sollen auf keinen Fall jemanden unterschätzen. Denn die wichtigste Unterstützung kommt oft von jemandem, von dem man am wenigsten erwartet. Ein anderer wichtiger Punkt ist: Lernen Sie erst die Kultur und die Menschen besser kennen, wenn Sie in einen ausländischen Markt einsteigen wollen. Am besten ist es, wenn sie dort vorher für einige Zeit leben und mit ihrer anvisierten Zielgruppe interagieren. Nur dann können Sie ein richtiges Gespür für die Kultur entwickeln und dadurch ihre Zielgruppe besser erreichen.

(Bild: © hugolacasse - Fotolia.de)