Das Startup-Interview: Drei Damen und ihr Kompetenzkoffer

Veröffentlicht am 13. Oktober 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Kompetenzkoffer - so heißt das Nürnberger Unternehmen von Marina Kett, Christine Lehner und Melanie von Hof. Die drei Diplom-Sozialpädagoginnen bieten jungen Menschen Unterstützung bei allen Fragen rund um Ernährung, Gesundheit und Benehmen. Dabei setzen die Trainerinnen auf vielfältige Methoden der Theater- und Erlebnispädagogik. Im Interview mit Unternehmer.de berichten die Gründerinnen von Ihrem Weg in die Selbständigkeit.

Unternehmer.de: Welche Art von Projekten bietet der Kompetenzkoffer an? Welche Zielgruppe möchten Sie mit Ihrem Angebot erreichen?
Marina Kett:
Der Kompetenzkoffer bietet vor allem soziale Trainings für Kinder und Jugendliche an. Dabei zielen die Projekte immer auf eine Verbesserung der sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit ab. Insbesondere das Projekt „Be a lady – Be a gentleman“ befasst sich auf spielerische Art und Weise mit den Umgangsformen junger Menschen. Durch gezielte Übungen sollen Verhaltensweisen trainiert und in der Praxis angewendet werden. Deshalb haben wir uns auch dazu entschieden, die SchülerInnen am Ende des Benimm-Projekts zu einem klassischen Abschlussabend mit Vier-Gänge-Menü einzuladen, besonders wichtig sind uns dabei gute Manieren und ein entsprechendes Auftreten.

Unternehmer.de: Wo unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern in diesem Bereich?
Marina Kett: Unser größtes Plus ist unsere Flexibilität. Wir sind an keine konkreten Tage gebunden und können individuelle Regelungen mit unseren Kunden treffen. Zudem sind auch unsere Projektinhalte nicht fest geschrieben, sodass jederzeit die Möglichkeit besteht, individuelle Schwerpunkte zu setzen. Unser Programm passen wir also entsprechend den Ansprüchen der jeweiligen Lehrkraft beziehungsweise der Klasse an.

Unternehmer.de: Wie kamen Sie auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Beweisen Ausdauer und Kreativität: die drei Gründerinnen Marina Kett, Christine Lehner und Melanie von Hof

Marina Kett: Alles begann während unseres Studiums. Das Projekt gefiel so gut, dass uns eine engagierte Lehrerin Mut machte, weiter zu machen. Durch entsprechende Förderer und Unterstützer war es dann leicht, das Projekt fortleben zu lassen. In der Zwischenzeit ist die Nachfrage allerdings gestiegen, sodass wir uns dazu entschlossen haben, eine eigene GbR zu gründen. Weitere Projektideen und Anfragen verschiedener Institutionen erleichterten uns so den Schritt in die Selbstständigkeit.

Unternehmer.de: Was waren ihre größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken an Ihre Unternehmensgründung?
Marina Kett: Unsere größten Bedenken richteten sich vor allem auf den finanziellen Aspekt und die bürokratischen Hürden. Die Frage ist immer noch, ob wir davon leben können, dies ist wohl auch einer der Gründe, warum wir immer noch einen Fuß in einem angestellten Verhältnis haben.

Unternehmer.de: Wurden Sie bei der Unternehmensgründung unterstützt?
Marina Kett: Am Anfang sind wir da ziemlich allein hineingeschlittert. Erst als uns einige Dinge über den Kopf zu wachsen drohten, suchten wir uns einen Unternehmensberater. Gemeinsam entwickelten wir dann eine Strategien für unser Vorhaben.

Unternehmer.de: Gab es auch Momente nach der Gründung, in denen existentielle Unsicherheiten bei Ihnen aufkamen?
Marina Kett: Existentielle Unsicherheiten spielen immer noch eine große Rolle. Der Sprung in die völlige Unabhängigkeit erscheint uns derzeit noch zu gewagt. Denn unsere Projekte hängen meist von einer finanziellen Förderung ab. Gerade bei Schulen, die uns häufig buchen, spielt dies eine große Rolle.

Unternehmer.de: Was waren die größten Fehler, die sie vor oder während Ihrer Gründung begangen haben?
Marina Kett: Was sich nach der Gründung als Fehler zeigte, war der rasche Beginn der Selbstständigkeit ohne längere konkrete Vorbereitungen. Besonders mit den bürokratischen Vorschriften mussten und müssen wir uns immer noch intensiv befassen - und das kostet viel Zeit.

Unternehmer.de: Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz?
Marina Kett: Wir sind stolz darauf, dass wir uns inzwischen schon einen kleinen Namen gemacht haben. Verschiedene Schulen kommen von allein auf uns zu und möchten uns buchen. Das haben wir aber auch den Lehrern zu verdanken, die mit unserer Arbeit so zufrieden waren, dass sie uns stets weiterempfehlen. Mundpropaganda ist die beste Werbung, die wir uns wünschen können.

Unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich mit den Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?
Marina Kett: Wir würden Sie direkt zu einem Unternehmensberater oder Coach schicken. Im Nachhinein hat uns das wirklich viel geholfen. Das ist für den Anfang ein wirklich sinnvoller Start, da eine Unternehmensgründung einen ziemlich langen Rattenschwanz an Aufgaben bedeutet. Leider ist es mit dem Angebot eines Produkts oder einer Dienstleistung nicht getan. Wenn man sich in diesen Bereichen nicht wirklich auskennt, sind professionelle Ratschläge sehr hilfreich.

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als selbstständiger Unternehmer behaupten zu können?
Marina Kett: Ein Unternehmer sollte risikobereit sein aber bodenständig bleiben. Er sollte Zukunftsperspektiven realistisch einschätzen und Ausdauer und Kreativität beweisen können. Eine stetige Fortentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Angebots sind notwendig, um im Haifischbecken "Freie Wirtschaft" mitschwimmen zu können.

Unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter überhaupt noch in Frage?
Marina Kett:
Zurzeit sind wir alle noch angestellt, sind aber bestrebt dies bald zu ändern!

Unternehmer.de: Frau Kett, vielen Dank für das Gespräch!

(Bild: © Kompetenzkoffer)