Das Startup-Interview mit Christoph Kind von bringmeback.de

Veröffentlicht am 7. Oktober 2011 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Das Kölner Startup BringMeBack macht schusseligen Menschen Hoffnung: Das Unternehmen bietet eine Lösung, mit der Gegenstände markiert und dem Besitzer eindeutig zuzuordnen sind. Im Verlustfall kann der Finder die verlorenen Gegenstände unkompliziert zurückgeben - und erhält dafür einen Finderlohn.  Im Interview mit Unternehmer.de erklärt der Mitgründer Christoph Kind, wie BringMeBack genau funktioniert - und gibt jungen Unternehmern Tipps für die ersten Schritte in die Selbständigkeit.

Unternehmer.de: Auf bringmeback.de kann man seine Wertgegenstände registrieren, um diese nach einem Verlust leichter wiederbekommen. Wie funktioniert das Portal genau?

Christoph Kind: BringMeBack stellt seinen Benutzern spezielle Marker zur Verfügung, die alle über eine individuelle, eindeutige ID verfügen. Unsere Marker gibt es zurzeit als Aufkleber und als Anhänger für Taschen, Koffer oder Schlüssel. Das Sortiment an Markern wird von uns stetig erweitert und in verschiedenen Designs angeboten.
Die Marker werden von dem Benutzer anhand der ID auf BringMeBack.de aktiviert und somit seinem Benutzerprofil zugeordnet. Gleichzeitig können Zusatzinformationen, wie eine Beschreibung des Gegenstandes und einen Finderlohn eingegeben werden. Im Falle eines Verlustes wird der Finder über den am Gegenstand befindlichen Marker aufgefordert und die ID des Gegenstandes auf unserer Website einzugeben. So wird der Kontakt mit dem Eigentümer hergestellt - bei Bedarf völlig anonym. Der gesamte Rückgabeprozess wird dabei von BringMeBack übernommen.Jeder Neukunde bekommt ein Starterpaket an Markern zugeschickt und kann bei Bedarf jederzeit kostenlos weitere Marker anfordern.
Für Unternehmen bieten wir eine White-Label-Lösung an: Hierbei produzieren wir unsere Marker im Corporate Design der jeweiligen Firma. Das Design kann dabei völlig frei gestaltet werden. Das Unternehmen sponsert in diesem Modell den Schutz für die gebrandeten Marker, wodurch diese vom Endkunden kostenfrei auf BringMeBack.de aktiviert und genutzt werden können. Für unsere Unternehmenskunden schaffen wir damit Werbeflächen, die der Kunde aktiv zur Schau stellt und so einen positiven Bezug zum Unternehmen herstellt.

Unternehmer.de: Wie sind Sie auf diese Geschäftsidee gekommen?

Mit Hilfe der kleinen blauen Aufkleber kann der Finder den Besitzer des Gegenstandes ermitteln.

Christoph Kind: Die Idee zu BringMeBack entstand aus eigenen leidvollen Erfahrungen. Mein Mitgründer Thomas hat im Leben schon einiges verloren. Mehrere Handys, Jacken, Geldbeutel und sogar mal den Generalschlüssel seines Arbeitgebers. Ich habe mal einen USB-Stick mit einer Studienarbeit verloren. Der materielle Wert ist dabei meist gering und nebensächlich. Aber welch andere Werte dahinter stecken ist gewaltig.
Nie wurde etwas im Fundbüro abgegeben. Aber außer Fundbüros gibt es kaum Möglichkeiten, Verlorenes wiederzubekommen. Bei einem Bier diskutierten wir über das Thema und fragten uns, wie wir eine Zuordnung zwischen Person und Gegenstand realisieren können. Und voilà: BringMeBack war geboren. Von den aus Testzwecken bewusst verlorenen Gegenständen, die wir entsprechend gekennzeichnet haben, kamen zirka 90 % zurück. Wir waren und sind begeistert.

Unternehmer.de: Wie viel zeitlichen Vorlauf haben Sie gebraucht, bis das Portal online gegangen ist?
Christoph Kind: BringMeBack wurde von uns sehr stark „gepushed“ und war innerhalb kürzester Zeit online. Die erste Version war im August 2011, also bereits zwei Monate nach den ersten Ideen zu BringMeBack online. Eine zweite im Design überarbeitete Version folgte nach weiteren zwei Monaten im Oktober 2011.
Natürlich muss dabei berücksichtigt werden, dass wir auf Grund früherer Projekte schon Erfahrungen im Bereich Selbstständigkeit sammeln konnten. Ebenfalls hatten wir bereits ein Büro angemietet und eine gewisse Infrastruktur aufgebaut. Generell können wir jedoch allen Unternehmern und denjenigen, die es werden wollen, nur raten, die Fertigstellung eines Projektes niemals zeitlich ausarten zu lassen. Perfektionismus ist hier fehl am Platze. Es gilt die bekannte 80-20-Regel: Wenn man mit 20% der Zeit bereits 80% des Projektes realisiert hat, ist es Zeit für einen ersten Live-Test. Der größte Fehler besteht darin, dass eine Idee theoretisch perfektioniert wird und hinterher praktisch festgestellt wird, dass diese so überhaupt nicht funktionieren kann. Aus diesen Fehlern haben wir auch gelernt.
Bei BringMeBack sind wir deshalb anders vorgegangen und konnten innerhalb kürzester Zeit viele Kunden erreichen. Somit haben wir die Bestätigung unseres Geschäftsmodells aus dem Markt bekommen und arbeiten daran mit Hochdruck weiter.

Unternehmer.de: Wer hat Sie bei der Unternehmensgründung unterstützt?
Christoph Kind: Viele coole Leute! Wir sitzen seit über einem Jahr im Entrepreneurship Center Köln (ECK) gemeinsam mit rund 20 weiteren  Startups. Die Tipps, Erfahrungen und das Netzwerk, was wir hierdurch gewinnen konnten, war und ist für uns sehr wichtig. Unsere hauptsächliche Unterstützung haben wir somit von all den dort ansässigen Unternehmen erhalten.
Weiterhin haben wir zu den Anfängen unserer Selbständigkeit sehr viel Unterstützung durch Businessplan-Wettbewerbe bekommen. Die Vorträge und Workshops die dort angeboten werden behandeln das Thema Selbständigkeit zwar nur theoretisch, bilden aber einen guten Fundus, um sich dem Thema praktisch zu nähern.
Generell können wir jedem Jung-Unternehmer den Ratschlag geben, dass es sehr wichtig ist, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Alleine ist es wesentlich schwerer, seine Ideen zu verwirklichen.

Unternehmer.de: Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die ein Unternehmen gründen möchten?

Christop Kind rät Gründern, sich ein Netzwerk aus Gleichgesinnten aufzubauen. "Alleine ist eswesentlich schwerer, seine Ideen zu verwirklichen."

Christoph Kind: Als erstes sollten angehende Gründer sich von der Vorstellung verabschieden, dass man innerhalb kürzester Zeit eine Menge Geld verdienen kann. Eher ist es so, dass zuerst viel Zeit und eine Menge Geld investiert werden muss, bis der Break-Even in Sichtweite ist.
Weiterhin denken viele angehende Unternehmer, dass ihre Idee einzigartig ist, sie mit ihrer Idee die Welt verändern werden und die Gesellschaft nur auf diese Idee gewartet hat. Dem ist meistens nicht so! Hier sollte Kritik von außen angenommen und die eigene Einstellung kritisch überdacht werden. Oft ist eine Idee zwar gut und funktioniert auch in der Theorie, findet jedoch auf dem Markt keine Akzeptanz, da die Probleme, die dadurch gelöst werden, einfach zu wenig nachgefragt werden.
Hier können wir ebenfalls den Tipp geben, eine gute Idee einfach so schnell wie möglich zu evaluieren. Es zeigt sich meist sehr schnell, ob der Markt an einer Idee interessiert ist oder ob die Idee letztendlich nur den Unternehmer selbst begeistert. Wichtig dabei ist die unabhängige Meinung von Experten und dem Markt und weniger die Meinung von Freunden und Familienmitglieder, da diese das Projekt meist nicht objektiv betrachten. Ansonsten sollte man an seine Idee glauben, schnell sein und durchhalten.

Unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sind ein absolutes Muss, um sich als Selbstständiger behaupten zu können?
Christoph Kind: Selbstständige sollten sowohl eine große Klappe, als auch was dahinter haben. Außerdem sollten Selbstständige auch dazu bereit sein, für die eigene Idee doppelt so viel zu arbeiten und dafür sogar Geld zu investieren. Eigenschaften wie Ehrgeiz, Beständigkeit, Teamfähigkeit sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Unternehmer.de: Sie sind jetzt Ihr eigener Chef: Käme ein Dasein als Angestellter für sie überhaupt noch in Frage?
Christoph Kind: Nach Möglichkeit nicht. Wir haben damals beide ein sicheres Angestelltenverhältnis verlassen und haben viele gute Angebote abgelehnt, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Die Erfahrung, die wir in dieser Zeit gewonnen haben, wird ein Angestellter sicherlich selten machen.
Gerade mit einer Idee wie BringMeBack, die auch das Offline-Geschäft und den Endkundenvertrieb mit einbezieht, konnten wir innerhalb kurzer Zeit eine ungeheure Menge an Erfahrungen sammeln. Außerdem lernt man viele interessante Leute und tolle Ideen kennen. Auch wenn der Arbeitstag jetzt 12 Stunden und mehr hat, freut man sich immer noch darauf an der Verwirklichung seiner Ideen weiterzuarbeiten.

Unternehmer.de: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wo steht BringMeBack in fünf Jahren?
Christoph Kind: Wir werden die Welt verändern... Nein, werden wir nicht. Aber vielleicht machen wir sie ein bisschen besser, indem wir den Leuten ihre verlorenen Dinge wiederbringen können.

Unternehmer.de: Herr Kind, vielen Dank für das Interview.

(Bilder: © BringMeBack)